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Solche Schieflagen gibts nicht, die sind immer hausgemacht.

Ich habe noch niemals bei der Beobachtung gegen physikalische und optische Grundprinzipien verstoßen können.

Man erlebt all diese limitierenden Faktoren, vom Seeing über begrenzte Teleskopöffnung, Qualität und bauartbedingte Besonderheiten immer wieder und kann ja seine Ansprüche auch sehr schön daran orientieren was eben möglich ist. Ständige Unzufriedenheit mit den Möglichkeiten und Unsicherheit über die Möglichkeiten würde, zumindest bei mir, irgendwann den Spass nachhaltig verderben und zur Aufgabe führen.

 

Um das zu vermeiden kann man einfach zufrieden sein und sich möglichst wenig informieren oder eben genauere Information suchen.

Dabei stößt man sehr häufig auf klare Definitionen, Regelwerke und Berechnungen, von ganz grundsätzlichen Gegebenheiten angefangen, bis hin zu den Fernrohren und ihren Bauarten sowie deren Anwendungsmöglichkeiten. Alles klar oder auch nicht, man ist ja kein Einstein und versteht das alles auf Anhieb. In dem Moment wo man dann Kommentierungen und Diskussionen zu den einzelnen Problemfeldern sucht ist sehr häufig gar nichts mehr klar und oft genug wird das auch noch richtig ungemütlich.

Da werden mehr oder weniger erkennbar Sympathien und Antipathien bezüglich Personen und Gerätschaften mit Äußerungen zur Sache verwoben und sogar alles was berechnet wird stimmt für den Einen wie für den Anderen exakt, ist eine geradezu einzigartige und eine zu feiernde Bestätigung, nur die Ergebnisse sehen sich überhaupt nicht ähnlich.

Wenn so etwas passiert, wenn also eine grundsätzliche Diskrepanz nicht geklärt, sondern zelebriert wird, dann stimmt etwas mit den Voraussetzungen, also den zugrundeliegenden Annahmen der einen oder anderen, notfalls auch beider Rechnungen nicht. Da hin zurück gehen die Diskutanten aber ungern, lieber gehen sie zum nächstkleineren Detaildisput über, von denen immer eine Vielzahl an Möglichkeiten angelegt ist.

Das ist gar nicht mal so schwer zu verstehen und nachzuvollziehen, ich habe aber recht lange dafür gebraucht. Unter anderem weil ich den schönen, aber eben den langen Weg gegangen bin und der führt über die Beobachtung. Darüber kamen dann z.B. Berichte wie die "Mythossäge" zustande, aber eigentlich auch alles, was sich so über Theorie und Praxis ergeben hat und sei es nur eine gute Möglichkeit zum Suchen und FINDEN oder ein paar Anmerkungen zu vermeidbaren und abstellbaren Fehlern an Teleskopen "out of the box".

Da sind wir dann auch schon voll im Thema, denn ich kann natürlich nur das theoretisch Mögliche von einer Optik und einem ganzen Teleskop erwarten, wenn die entsprechende Qualität in Optik und Mechanik vorhanden ist. Das wird aber, gerade im Billigbereich zunehmend problematisch, wobei das System völlig egal ist. Der Newton bietet sich aber als einfaches, und daher auch besonders leicht zu verschlimmbesserndes Beispiel an.

Das hier ist der neuste Trend bei kleinen Newtons aus Fernost, meist auf GoTo, hier mal spartanisch in meinem Testaufbau und nein, das Bild

 

 

ist nicht verwackelt. Ich verbiege lediglich, ohne großen Kraftaufwand, zwischen zwei Fingern den Tubus und den Okularauszug. Viel (genauer fast ausschließlich) weiches Plastik und ein dünner Blechtubus machen das Gewabbel möglich und eine Justage unmöglich, die aber auch noch an einer weiteren Innovation scheitert.

Das nächste Bild zeigt die Hauptspiegellagerung.

 

 

Der Spiegel klebt auf einer Pkastikplatte die mit Spaxschrauben im Blechtubus hängt. Justage ade.

Wer glaubt MAK, Refraktor und Co bliebe die Plastikorgie erspart oder sie hätte dort keine ähnlich negativen Auswirkungen der irrt.

Im hiesigen Kontext zeigt das Beispiel nur auf, dass man sich extrem davor hüten muss, sich an Berechnungen zu orientieren, die mit der Einleitung begonnen werden:

"Ich setze voraus dass........und dann ergibt sich folgende Berechnung........ womit bewiesen ist (ich bewiesen habe), dass........!"

Das Ganze in mindestens 20 Schritten und mit drei Nachkommastellen, mit sechs Quellenverweisen und vier Fußnoten.

Je mehr davon kommt, um so vorsichtiger sollte man sein, auch darauf gefasst, dass fast das exakte Gegenteil so ähnlich verargumentiert und "bewiesen" werden kann.

 

Die entscheidende Überprüfung ergibt sich, wenn  man es denn wissen will, durch die Nachschau und auch das Nachmessen am Teleskop. Das bringt bei dem Newton oben schon mal ohne große Mühe die Idee, dass damit das theoretisch mögliche Ideal nicht erreicht werden kann. Man wird sich wohl auf Weitfeld und geringe Vergrößerungen beschränken müssen, ganz unabhängig davon, ob das Spiegelset an sich eventuell recht gut ist (war es in dem Falle). Schlechte Justage ist der Leistungskiller der hier nicht ohne großen Umbau in den Griff zu bekommen ist. Der Justagezustand ändert sich mit jedem Schwenk, mit jedem Okularwechsel, mit jedem Dreh am Fokussierknopf.

 

Nun trifft man mit dieser Schönrechnerei eher Leute an, die Linsenteleskope favorisieren und sie gerne ganz pauschal als das ideale, weil eben obstruktionsfreie System, zudem ohne Reflektionsverluste herausstellen.

Dies trifft auch fast auf visuell als frabrein erkannte APO-Refraktoren zu. Fast weil es eben auch hier das ideale 100% System nicht einmal theoretisch gibt, sodass Beschränkungen und Unschärfen, die in der Öffnungsbegrenzung und in  immer unausweichlichen Aberrationen ihren Ursprung haben, ihre Wirkung selbstverständlich entfalten. Das tun sie mit jedem Prozent Abweichung vom Ideal mehr. Damit geht grundsätzlich immer und verstärkt sichtbar bei so genannter leerer oder auch  Übervergrößerung, je nach Objekt und Beobachter zwischen 1xD Öffnung und 2xD Offnung einsetzend, ein Kontrast- und Schärfeverlust einher, der letztlich auch Detailauslöschung einbringt.

So mag also ein extrem gut gebauter und gerechneter APO durchaus etwas näher am Ideal liegen als ein vergleichbarer, sehr guter Newton (oder ein sonstiges Spiegelteleskop), aber ihre Vor- und Nachteile haben eben beide und die gilt es für Jeden in seiner Praxis und auf seinem Anspruchsniveau zu gewichten. Abstriche sind unvermeidlich, aber eben gar kein Problem, wenn man weiß was man will (und kann). Ein absolut über jeden Zweifel erhabener Fachmann dem man nun wirklich keinerlei Systeminteressen unterstellen kann prägte einmal den Satz:

Der Newton ist auf der Achse besser, der APO im Feld.

Dabei ging es um jeweils 8" Öffnung und damit stellte er die Unterstellungen einseitig interessierter Debattierer im wahrsten Sinne des Wortes auf den Kopf, aber er konnte sein Urteil sogar rechnerisch und argumentativ belegen.

Aber nochmal zurück zum Beispiel des Newtonteleskops und da ist ja nun mal ganz offensichtlich ein Hindernis im Strahlengang und das kann man berechnen. Der gängig genannte Wert wird durchmesserabhängig in Prozent angegeben, der wesentlich kleinere flächenabhängige Wert ist seltener Thema und da wird auch, wie schon an anderer Stelle besprochen, der Kontrastdurchmesser nach Zmeck sehr gerne missbraucht. Auch genaue Berechnungen des deutlichen Lichtverlustes durch Abschattung und Reflektion sind da Gang und Gäbe, denen dann ebenso genaue Transmissionsberechnungen für die Linsen und ihre Vergütungen folgen, die geradezu lächerlich niedrige Werte ergeben.

Der geneigte Besitzer solcher Teleskopkandidaten im Bereich 70 mm bis 150 mm Öffnung sieht durch und stellt oftmals  fest, das ist ja ganz enorm, das sieht man sehr gut.

Wieder lohnt es sich, mal genauer hinzusehen, denn manchmal stimmts auch nicht und ein 114er Spiegelchen will partout kein dunkleres Bild zeigen als ein 100er Fraunhofer oder ED

Was ist da los?

Bleiben wir mal bei diesen 114er Spiegelchen und da gibt es nicht nur die neue, verstärkte Plastikwelle sondern schon lange unzählige Varianten. Z.B. kursieren von den 114/450ern sogar noch Varianten mit Kugelspiegel und selbst wenn dann eventuell mal die Brennweite 500 mm beträgt ist das dennoch Kernschrott, weil ein so schneller Kugelspiegel niemals die Beugungsgrenze erreichen kann, auch wenn das Kugelsegment überirdisch genau gefertigt wäre, was es nie ist.

Dann gibt es noch verschieden lange Tuben, verschieden hohe OAZ, verschieden große Fangspiegel in einem geradezu wirren, konzeptionslosen Durcheinander, da hilft nur nachsehen.

Zudem kann man leicht feststellen, dass bei so manchem dieser Geräte schon der Fangspiegel an seiner Postion viel zu klein ist, um den vollen Strahlenkegel des Hauptspiegels zu erfassen. Abgeblendet auf 100 mm bringt dann der Fangspiegel natürlich deutlich mehr Obstruktion, aber das ist noch nicht alles, der OAZ, welcher durch seine Länge ja diese Position erzwingt, vignettiert auch noch mal den Strahlengang, sodass letztlich 90 mm Öffnung übrig bleiben, wenn überhaupt.

Ganz konkret und am Objekt habe ich das kürzlich mal an einem gängigen 130er Newton einer durchaus bekannten Fernostfirma nachvollzogen. Es kommt gar nicht auf den Millimeter an, leichte Verschätzer und Messfehler mitteln sich aus.

Wir haben also 130 mm Öffnung bei 650 mm Brennweite und der Tubus hat 145 mm Durchmesser.

Der eigentlich nur 65 mm hohe OAZ trägt nochmal einen genau so langen Aufsatz als Okularanfnahme und man muss die mittlere Fokuslage mindestens nochmal 20 mm darüber legen, um auch mit verschiedenen Okularen in den Fokus zu kommen und den Verfahrweg des OAZ zu nutzen.

Der Fokus liegt also satte 215 mm über dem Tubus-/Spiegelmittelpunkt, sodass der Fangspiegel bei 650 mm Brennweite mal gerade 435 mm vom Hauptspiegel entfernt positioniert sein muss.

Das ist ein handlicher, kurzer, knuffiger Tubus, aber der OAZ baut in Mittel satte 150 mm über den Tubus hinaus. Allein der angebaute OAZ hat einen Innendurchmeesser von knappp 32 mm (1 1/4") und wenn wir den dort auf einer Skizze in den Strahlengang schieben bleibt von den 130 mm Öffnung nur noch ein Rest von 100 mm.

Nur um diesen Rest auszuleuchten wäre schon ein Fangspiegel mit 40 mm Durchmesssr auf der kleinen Achse nötig. Damit liegt man aber schon bei satten 40% Obstruktion.

Das Ding firmiert mit 130 mm Öffnung, bei genauer Betrachtung bleiben aber 100 mm hochobstruiert übrig und dann hat bereits ein halbwegs brauchbares Linsenteleskop mit 90-100 mm Öffnung, wie es so häufig für den ulitmativen Kontrast- und Transmissionsvergleich gegen 130 mm obstruierte Spiegelöffnung gestellt wird, ganz objektiv und ohne Zauberei, mit guten oder mit schlechten Augen, das bessere Ende für sich.

So sieht das meistens bei billigen, kleinen Newtons aus. Es gibt Ausnahmen, aber ich kann nur raten, sich wirklich diese Teile gut anzusehen und zu vergleichen. 

Einen Strahlenkegel so ganz simpel und ohne Umlenkung, kann ja auch beim Refraktor den zu langen OAZ oder interne Blenden betreffen,

mal kurz auf Millimeterpapier im Maßstab aufzutragen und die Maße von Tubus, Spiegel und OAZ zu übertragen ist kein Hexenwerk aber oftmals ein wahrer Augenöffner. Zumindest weiß man dann in etwa mit welcher Öffnung man beobachtet, rennt nicht irgendwelchen falschen Vorstellungen hinterher und es ist ja sogar möglich, solche Einschränkungen für sich so zu akzeptieren, weil das Teil in dem Zustand eigentlich genau zu den Anforderungen passt. 

Wer bei den kleinen Teleskopen bis 4 Zoll oder auch 5 Zoll Öffnung die Mühen des Selbstbaus oder der selektiven Auswahl scheut ist ganz klar mit einem kleinen, günstigen Refraktor, den es auch schon sehr preiswert als EDs gibt, besser bedient. Das obwohl schon die günstige Klasse deutlich teuer als diese verbauten Kleinnewtons daher kommt, wobei auch hier wichtig ist, sich die Teile genau anzusehen. Es ist ein gern gepflegter Trugschluss, dass so ein 4" f/5-6 Achromat oder ED mangels Abschattung  volles Nutzlicht aus 100 mm Öffnung schöpft. Solche Objektive können bauartbedingt gar nicht alle visuell sichtbaren Farben des Lichts in einem Fokuspunkt bündeln, also geht z.B. da mehr oder weniger viel für die Detailabbildung verloren. Das passiert selbst beim hochwertigsten, teuersten APO noch, wenn auch in einem visuell nicht mehr wahrnehmbaren Maße.

Auch daher sehe ich zwischen meinen 100/600er und 102/500er Refraktoren schon einen großen Unterschied, wobei sicher ebenfalls die bessere Fertigungsqualität des f/6er BW Objektivs eine Rolle spielt. Mein 114/660er Parabolspiegel ist hingegen dem f/6er durchaus in allen Disziplinen mit großer AP mehr gewachsen, auch was das Bildhelligkeit und Definition angeht. Im höheren Vergrößerungsbereich ist er dann auch dem f/6er deutlich überlegen, was er gegenüber dem f/5er in allen Disziplinen ist. Nun  ist mein 114er Newton ein reines ATM-Teleskop, sowas gibt es nicht zu kaufen.

   

Einem guten Newton, auch einem der selten anzutreffenden guten kleinen Newtons gibt man einfach ein Zoll Öffnung mehr gegenüber dem farbreinen APO Refraktor und hat mögliche Nachteile über die Bandbreite der Beobachtungsmöglichkeiten locker kompensiert oder sogar überkompensiert.

So gerne diese Verlustrechnungen auch immer wieder eingebracht werden, und so wichtig für die visuelle Leistungsfähigkeit eines Teleskops es auch ist, solche Okularauszugstürme wie links im Bild gegen eine halb so hohe Variante wie rechts im Bild

  

 

zu tauschen, was Verkleinerung des Fangspiegels erlaubt, aber auch Verlängerung des Fernrohrtubus und in dem speziellen Fall noch Kürzung des OAZ-Tubus bedeutet, muss eines immer ganz klar sein und akzeptiert werden.

Das beste Tuning macht aus einem brauchbaren 8-Zöller keinen 10 Zöller, sondern höchstens einen sehr guten 8-Zöller mit dem man gegebene Öffnung und Qualität tatsächlich ausnutzt.

Im Umkehrschluss wird bei all dem auch klar, dass aus einem perfekten 6-Zöller niemals ein 8-Zöller wird und dabei ist die Bauart, das System, völlig zweitrangig.

Das ist auf Beobachtungsplätzen zig mal bestätigt, theoretisch belegt und voll umfassend berechnet, was nicht verhindert, dass immer wieder Anstalten gemacht werden, mit Teilrechnungen und Auslegungsvarianten, Heranziehung ungleicher Qualitäten oder Maßstäbe irgendwo und wie den Glauben an alternative Möglichkeiten zu nähren und zu pflegen. 

Hausgemacht Schieflagen eben und.....bekanntlich ist ja nicht alles was hinkt ein Vergleich.

Nun kommt aber wieder der Einwand:

Ja aber trotzdem muss doch anerkannt werden, dass ein Fangspiegel nun mal einen Teil des Hauptspiegels abschattet, was Lichtverlust bringt und dass sich ein Hindernis im Strahlengang gar nicht negativ auswirkt kann ja wohl auch nicht sein.

Selbstverständlich ist das so und wird auch anerkannt, es kommt halt auf die zutreffende Gewichtung an.

Lichtverlust ist das eine Thema. Eine einfache Flächenrechnung bringt zu Tage, dass eine 70 mm Öffnung (Spiegel oder Linse ist erst mal Wurscht) geringfügig weniger als halb so viel Licht sammelnde Fläche wie eine 100 mm Öffnung. Nun will ich den sehen, der sagt, das Bild der 70er Öffnung sei nur halb so hell.

Ein 30er Fangspiegel schattet von einem  130er Spiegel nicht mal den 18. Teil seines Lichts ab. Das sehen wir schlicht nicht, auch wenn wir einem noch so hochwertigen Refraktor eine solche Blende verpassen.

Unsere Augen und unser Hirn im Zusammenspiel (also der Visus)  sind permanent am Werk Lichtschwankungen auszugleichen und das optimal mögliche Bild zu generieren. Natürlich wird es einen Grenzbereich geben in dem man das letzte Quentchen Licht benötigt, um z.B. noch einen Hauch von einem schwachen Stern zu sehen, aber das betrifft eben nicht nur den Spiegel sondern auch einen FH oder ED/Apo mit mehr oder weniger Restfarbfehler.

Selbst der allerbeste Vollapo kann nun mal nicht alle Farben in einem Fokus zusammenführen, sodass auch bei Zugrundelegung fotoptischer  Augenempfindlichkeit, im besten Fokus und unter zutreffender Gewichtung von 12 Farben niemals die als ideal unterstellten Höchstwerte erreicht werden. Wenn so etwas errechnet und wie üblich zwecks besserer Darstellung und Vergleichbarkeit grafisch dargestelllt wird kommt von interessierter Siete immer wieder zweifelnder Widerspruch, weil man sich das nicht vorstellen will oder kann und auch oft nicht klar ist, was bei einer Optikrechnung im sichtbaren, praktischen Ergebnis tatsächlich heraus kommt. 

Platt gesagt kommen da in der Summe und eben über das sichtbare Spektrum richtig gewichtet, Lichtverluste im Fokus heraus, die locker mit Reflektions- und Abschattungsverlusten von Spiegeln mithalten können und da reden wir beileibe nicht nur von zu-kurz-FHs und Achromaten. 

Ähnlich das Spiel mit dem Mißbrauch des Kontrastdurchmessers nach Zmek. Damit angesprochen der, alle Einschränkungen durch den Urheber der Näherungsformel selbst ignorierende, Pauschalabzug des Fangspiegeldurchmessers vom Hauptspiegeldurchmesser. 200 minus 50 gleich 150. Das trifft bezüglich der Kontrastminderung so nur unter sehr seltenen und ganz speziellen Voraussetzungen in Teilen zu und ich habe es in einem Praxisvergleich noch nie gesehen. Diesbezügliche Beobachtungspraxis führt in Adition mit dem Lichtverlust zu dem einen Zoll mehr Öffnung für den Spiegel gegenüber dem Refraktor und gut ist das.

Meistens mehr als gut und überhaupt gibt es, wenn zwei geniale Teleskope in 6 und 8 Zoll auf dem Platz stehen überhaupt keinen Stress um solche Details, da werden nur friedlich erfreuliche Beobachtungen genossen. Bei so etwas war ich ein oder zwei mal direkt dabei. Auch habe ich gar nicht daran gedacht, Bilder für die Nachwelt zu schießen und Zeit hatte ich da auch keine, wollte ja nicht einen Bilick, nicht ein Objekt, einen Kommentar verpassen,

aber auch ganz normale Beobachtungswiesen zeigen nichts von Klassenkampf.

 

Überaus beliebt ist auch der Fotobeweis, wenn es um Untermauerung theoretischer Beweisversuche und/oder das Herausstellen von ganz offensichtlichen Überlegenheiten geht.

Dazu muss man einfach sagen, dass es völlig unsinnig ist ein technisch lichtsammelndes System und Verfahren der Bildgewinnung und Bildgebung mit dem menschlichen Visus zu vergleichen.

Ein Fotograf kann sicher versuchen, seinen visuellen Eindruck mittels Bildbearbeitung in einer Fotografie darzustellen, aber Qualitätsnachweise für ein Fernrohr, für dessen Lichtsammelleistung, für dessen visuell fassbares Auflösungsvermögen sind da mehr als schwierig.

Wir sind auf die Augenblickswahrnehmung angewiesen, können weder über den Faktor Zeit noch über den Faktor Bildadition mehr Licht ins Dunkel bringen. Auch Nachschärfen und andere technische Bildbearbeitungen sind einfach nicht drin, selbst unbearbetete Rohblider spiegeln das visuelle Erleben nicht wieder.

Unser Visus ist individuell und, das ist ein großer Vorteil, durchaus in einem gewissen Rahmen schul-/trainierbar, also lernfähig.

Unser ganzes Leben sammeln wir Informationen und Erfahrungswerte, auch mit den Augen, dem Visus und was wir sehen wird ständig mit diesen Erfahrungswerten abgeglichen.  

 

Diese und andere Bilder von Heiko (DocHighCo auf A.de) gefallen mir z.B. ganz besonders, weil 

  

sie meinem visuellen Beobachtungseindruck mit mittelgroßen Teleskopen um 10 Zoll und mehr und unter besten Bedingungen doch recht nahe kommen, wobei die Farben an M 42 noch ein wenig blasser sind und die Mitglieder des Leo-Triplets für solche Details schon einzeln in kleinerem Feld und höher vergrößert genommen werden müssen.

Heiko macht solche Bilder mit primitivsten fotografischen Mitteln, und kleinen, hochobstruierten, billigen Kugelspiegelteleskopen die er auf seine fotografischen Anforderungen anpasst. Da wird z.B. schon mal ein 114/500er Kugelspiegel auf 80 mm abgeblendet, Obstruktion egal.

 

Es ist tatsächlich so, dass man diese Teleskope visuell allerhöchstens für Weitfeld hernehmen kann, mehr ist da mit eigenen Augen nicht drin, man kann das auch eigentlich gleich vergessen und den Versuch lassen.

Ein brauchbarer Kamerachip, Geduld und einigermaßen gelungene Bildbearbeitung bringen dann solche Ergebniss hervor und natürlich kann Heiko auch an noch schwächeren Objekten mehr Frabe zeigen.

 

 

Solche Erkenntnisse um die Grenzen der Physik , die Beschränkungen durch unseren Visus und die Möglichkeiten der Technik verleiten schon mal manchen Astrofotografen zu der provokanten Aussage, dass man den visuellen Kram eigentlich gleich ganz bleiben lassen könnte. Oftmals fotografieren sie mit deutlich besseren und teureren, aber nicht unbedingt deutlich größeren Teleskopen wie Heiko das tut.

Hier mal ein Beispiel von Rolf aus unserer Gruppe. Leo-Triplet mit mittlerem Aufwand und längst noch nicht Ende Fahnenstange, aber auch noch mit recht kleiner Öffnung

 

 

Was Kameras aus kleinen Teleskopen hrausholen können ist überaus bemerkenswert und doch bemerken wir, auch Rolf ist sehr oft visuell unterwegs, nichts davon, dass die Faszination mit eigenen Augen direkt durch die Optik und unmittelbar ein Objekt anzusehen davon in irgendeiner Weise geschmälert wird.

Wir haben kein Problem damit "übertroffen" zu werden, so wie mancher mit mehr Technik oder auch mit mehr Öffnung das wohl sehen könnte und an diesem Punkt kommt mir immer wieder so ein kleines Dejavu zu diesen unzähligen fruchtlosen Debatten über die angebliche Überlegenheit von kleinen, aber eben obstruktionslosen Teleskopen.

Da gibt es in der Tat alles bis hin zu  annähernd perfekten APOs, Augenweiden beim An- und auch beim Durchsehen, Referenzklasse der Öffnungsklasse und auch beim Preis in absoluter Sonderstellung.

Es kann einfach nichts Besseres geben, nichts was Besseres zeigt oder gar mehr Spass macht weil es mehr zeigt, schon gar nicht für deutlich weniger als ein Zehntel des Geldes, einfach nur ein Newton mit ertwas Öffnungsüberschuß auf ner Holzkiste......

 

Wie gesagt, die Theorie erklärt den Sachverhalt und die Praxis.

Der Beitrag bietet Ansätze zur Erklärung der hausgemachten Schieflage.

 

Weil es gerade bei kleinen Newtons extrem schlechte, aber auch brauchbare Lösungen zu kaufen gibt nochmal ein Anhang mit dem Versuch, aufzuzeigen und genauer zu beschreiben, wie man abschätzen kann, was Sache ist:

Ich habe lange überlegt, wie man das deutlich machen kann ohne so ein Teil zu kaufen / zu vermessen, aber eines geht m.E. recht einfach.
Wir können abschätzen, ob so ein Teleskop, so wie es aussieht und gebaut ist überhaupt bestimmungsgemäß und im Rahmen der angegebenen Öffnung funktioniert.

Dazu malen wir uns mal den Strahlengang eines 130/650er Hauptspiegels ohne Umlenkung durch einen Fangspiegel auf, das ist entbehrlich, zumal wir ja die Fangspiegelgröße gar nicht wissen und für eine grobe Funktionsabschätzung auch nicht brauchen. Wir brauchen nur ein Dreieck aus Spiegeldruchmesser auf der einen Seite und dann vom gegenüber mittig eingemessenen Brennpunkt aus die langen Schenkel zu den Eckpunkten.

Millimeterpapier ist gut geeignet und ob wir nun alle Maße in Millimetern mal zwei oder mal 10 nehmen um auf einen aussagekräftigen Maßstab, eine anschauliche Zeichnung zu kommen ist nicht soo wichtig, je größer um so genauer wird das, gerade bei wenig Übung.. Aber wir arbeiten in der Folge eh mit Schätzwerten und das reicht auch.

Schauen wir uns die Bilder von drei Kandidaten, Stand 2017/2018
Bresser Messier 5
Meade Lightbridge 130 mini
Skywatcher Heritage 130P
mal an und schätzen die OAZ Höhen anhand bekannter Maße im Bild ab.(Ich setzte bewusst keine Links, mit den oben angegebenen Bezeichnungen lassen sich Abbildungen und Links zu den jeweiligen Geräten in jeder Suchmaschine finden)Z.B. ist der Tubusdurchmesser bei den kleinen Teilen immer rund 15 mm bis 20 mm größer als der Spiegel, den wir mit 130 mm ansetzen dürfen. Wir werden da nicht um Millimeter feilschen und z.B. auch die Fase des Spiegels bei späteren Einschätzungen nicht abziehen. So mitteln sich Ungenauigkeiten ganz gut aus.

Der OAZ Tubus (Aufbau über Teleskoptubus)ist in aller Regel etwa 60 – 70 mm hoch, das sieht auch beim Bresser und Meade so aus, der Stummelstutzen der Heritage ist ganz sicher deutlich kürzer, etwa 40 mm.

Die Okularaufnahme, also der Teil der nicht im Okularauszugstubus verschwinden kann, baut beim Bresser offensichtlich nochmal mindestens genau so lang wie der Okulartubus selbst und lässt sich beim Meade auf etwa 20 mm schätzen, beim Skywatcher sind das etwa 10 mm.

Nun müssen wir noch berücksichtigen, dass die mittlere Fokuslage immer etwa 20 mm über den Okularauszug gelegt wird, damit man 20 mm nach intra- und 20 mm nach extrafokal. Also zusammen rund 40 mm Fokussierweg hat.

Als mittlere Fokuslage haben wir also beim

Bresser: 65 + 65 + 20 = 160 mm

Meade 65 + 20 + 20 = 115 mm
Skywatcher 40 + 10 + 20 = 70 mm

Nun haben wir es in allen drei Fällen mit 1 1/4“ Steckmaß zu tun und das sind 31,75 Millimeter.
Das ist das Steckmaß der Okulare und so ein OAZ-Rohr ist dann außen etwa 32mm dick und steckt in einer Führung die nochmal etwas Luft lässt, rechnen wir mal großzügig mit 33 mm Durchlass obwohl meistens die Rohre noch nach innen in den Tubus ragen, was nochmal deutlich schlechter ist.

Nun können wir also für jeden Newton ein Rechteck in/über unser langes Strahlengangdreieck einzeichnen, welches an der Spitze 20 mm Platz für die Fokulslage über OAZ-Oberkante lässt und dann 160, 115 oder 80 mm in Richtung Hauptspiegel misst .

Stimmt das so? Haben wir alles? Naja, Abteilung Spitzfindig meint, der OAZ sei ja wohl nicht direkt am HS-Rand angeflanscht, sondern außen am Tubus und der Unterschied müsste in Abzug gebracht werden.
Okay, dann haben wir also bei diesen kleinen Teilen Tuben die etwa 20 mm mehr Durchmesser haben als die eingebauten Spiegel und müssen da einen Zentimeter nach oben rutschen, wenn wir nicht schon beim OAZ-Durchlass zu großzügig waren. Beim Heritage sind das sogar wegen der Stangenkonstruktion eher 20 mm

Bresser 150 mm,
Meade 105mm ,
Skywatcher 50 mm.

Wo unser Rechteck nun außerhalb des Strahlenkegels bleibt passt es, wo es hineinragt wird Öffnung beschnitten.
Wenn wir das beim Bresser nach unten heraus messen bleiben und 100 mm, bei günstigerer Rechnung eventuell 105 mm Öffnung.
Beim Meade wird es knapp, kann aber noch so eben passen.
Der Skywatcher ist gut im grünen Bereich.

Wir wissen also schon ohne uns überhaupt mit dem Fangspiegel beschäftigt zu haben, dass der Bresser mit seinem hohen OAZ-Turm die Öffnung gar nicht ausnutzen kann, während die anderen Beiden das schaffen können.

Eigentlich braucht man jetzt nur noch das Rechteck um weitere 65 mm in den Strahlengang hinein zu erweitern, um auf die erforderliche Fangspiegelgröße zu kommen. Nein, stimmt nicht, hier müssen wir den Zentimeter bis zur Tubus-wand wieder einrechnen, also 75 mm drauf für Bresser und Meade, 85 mm drauf für den Skywatcher wegen des größeren Abstandes.
Das wird dann eventuell schon mal etwas unübersichtlich und immer ungenauer, daher habe ich mal MyNewton damit gefüttert und dann kommt eben raus, dass

die Heritage mit einem gängigen 40 mm Fangspiegel sehr gut und mit einem wahrscheinlichen 36er Fangspiegel gerade genügend Ausleuchtung für volle Öffnung hat, was dann 27% bzw 30% Obstruktion bedeutet.

Für den Meade wird es trotz Unterstellung eines 40er Fangspiegels schon zu knapp für volle Öffnung.

Der Bresser könnte es mit einem 40er FS gerade so knapp schaffen, die 100 mm Restöffnung auszuleuchten, also die Restöffnung nicht weiter zu reduzieren, liegt dann aber bei 40% Obstruktion.

So weit, so gut.

Es ist also kein Wunder, dass Leuten, die Kaufhaus Newtons oder Billig Refraktoren gewohnt waren, oder auch nur kennen und wissen wie die abbilden, schon mal die Kinnlade runter fällt, wenn sie die Abbildungsleistung einer leidlich gut justierten 130/650er Heritage mit Parabolspiegel sehen.
Etwas OAZ-Tuning und eine Socke für den Schiebeteil und das Ding kann begeistern.

Auch die Mini-Lichtbrücke von Meade hat noch Potenzial, ist aber sicher grenzwertig ausgelegt, zumal man (ich) die inneren Werte nicht kennt. Wir bewegen uns im Rahmen von Schätzungen, da mag also noch ein zartes Hoffnungspflänzchen blühen.

Der Messier 5 kann, auch bei Unterstellung größerer Schätzfehler, keinesfalls der Öffnung gemäß funktionieren. Wir haben es hier mit einem erheblichen Licht- und Auflösungsverlust durch konstruktiv bedingte Öffnungsbeschneidung zu tun und der ohnehin zu kleine Fangspiegel ist für die Restöffnung auch noch heftig obstruierend.
Wenn man unbedingt etwas positives finden will, dann eventuell, dass die üblichen billigen Beipack Okulare am durch Öffnungsschwund bei bleibender Brennweite kleiner gewordenen Öffnungsverhältnis von ca. f/6,5 hier sicher die beste Abbildungsleistung zeigen werden, weil sie nicht für f/5 gemacht sind.