Sucht ihr noch oder beobachtet ihr schon?
Ein paar Gedanken zum Starhopping.



In vielen Threads auf Astroforen geht es um die besten Aufsuchkarten und da wird schnell klar klar, dass es DIE ideale Karte eigentlich nicht gibt, man muss schon nach Anspruch und Suchmethode differenzieren.
Die alte Methode der Einstellung von Objekten nach ihrer Position in RA und DE anhand von an der Montierung vorhandenen Grandeinteilungen ist noch Sternwarten vorbehalten, an unseren Montis ist so etwas nur noch rudimentär vorhanden, bei Dobsons gar nicht mehr.
Also Karte raus und nach dem dort eingezeichneten Standort des Objekts irgendwie am Himmel suchen.

Unterschiedliche Darstellungen von Sterngrenzgrößen, Sternbildlinien oder gar deren völliges Fehlen (für mich ein Unding) werden hier zum Problem. Auch fehlt (bei durchaus ähnlichem Anspruch des Erstellers) hier ein Objekt und dort ein anderes. Auch gibt es unterschiedliche Projektionsmethoden, was gerade bei Annäherung an die Polregion schon Mal Probleme bei der Objektaufsuche bereiten kann, je nachdem ob die Projektion mehr auf Flächentreue oder auf Winkeltreue ausgelegt ist.
All das spielt bei Objekten, die schon in einem optischen Sucher mit großem Feld erkennbar sind, kaum eine Rolle und irgendwann, mit steigender Erfahrung reicht auch ein Telrad oder Leuchtpunktsucher in Verbindung mit einem Übersichtsokular, welches je nach Teleskop 2° (8°F/6) oder 1,5° (12“ F/5) Feld bietet, schon aus, um ein Objekt relativ zügig zu finden, man hat ja inzwischen Erfahrung.
Erfahrung die veranlasst, dass der Sucher exakt auf das Teleskop ausgerichtet ist und die bedingt, dass man das Zielgebiet einigermaßen sicher trifft, weil man eben die Sternbilder, ihre Lage zueinander und ihre Leitsterne sicher kennt.

Beim Abklappern der Standards nach Messier und NGC stolpert man dann schon Mal hier und da über ein Objekt, das sich schlicht versteckt, aber spätestens wenn man abseits der Standardkerzen und/oder an den Grenzen seines Teleskops beobachten will, muss man sich mit seinem Kartenmaterial und den Objekten an sich auseinandersetzen, um zu ergründen, warum man gescheitert ist und wie man denn nun diese Funzel endlich ins Okular bekommt.

Nicht selten tritt hier erst Mal Stagnation und eventuell sogar Frust auf.
Schnell Entschlossene greifen an diesem Punkt schon zum nächst größeren Teleskop oder zum GoTo. Dazu, auch zu Vorteilen und Gegebenheiten unter denen da selbst für mich interessant wird, gibt es eine gesonderte Betrachtung am Ende des Artikels

Bei mir haben sich dann ein "Karkoschka", ein Deepsky Reiseatlas und ein kompletter Ausdruck des "Taki" angesammelt, später ersetzte ein "Vizi" den Karkoschka. Hinzu kamen spezielle Ausdrucke anderer im Netz verfügbarer Werke für spezielle Objekte. Mein Kumpel Fred bastelt schon seit Jahren an einem Kartenwerk mit guten Projektionen und vollständigen Objektlisten zur Auswahl. Das Ganze wird sehr gut, aber bis das mal vollständig verfügbar und gut bedienbar ist, werden noch weitere Jahre vergehen.

(Inzwischen, im Jahr 2018, sind bereits sehr gute und viele Karten auf seiner "Fujtor-Seite" verfügbar.) 

Okay, so kann man suchen und finden. Wenn ich gefragt werde, zeige ich oft meinen Weg des Starhoppings auf, ist ja ganz einfach. Eigentlich haben mich aber erst die oben genannten Threads in Foren veranlasst, mal wirklich zu ergründen, was sich da entwickelt hat und nun zu versuchen, das nachvollziehbar darzustellen. Das wird wirklich einfach, geht sogar schnell und folgerichtig, aber eben erst wenn man es nachvollziehbar erklärt bekommt oder man doktert eben lange daran herum.

Ganz platt gesagt suche und finde ich ein Objekt, egal auf welcher Karte es verzeichnet ist, indem ich mir einen Weg aus geometrischen Figuren zum Objekt zurechtlege. Dabei ist es für mich sehr wichtig, die Sternbilder zu kennen und zu ERKENNEN.

Auch einige grundsätzliche Abschätzungen schon mit bloßem Auge sind sinnvoll und möglich.

So beträgt der Durchmesser von Sonne und Mond etwa 0,5 Grad. Die Breite des Daumens an der ausgestreckten Hand deckt knapp 2 Grad Feld ab, Die Faust ohne Daumen etwa 8 Grad und mit Daumen 10 Grad. Alle fünf Finger voll gespreizt überspannen etwa 20 Gad.

Die Figur kann eine einfache Gerade zwischen zwei Sternen sein und genau in der Mitte dazwischen muss das Objekt sein (Leierkasten, M 57, Ringnebel) oder auch ein gleichschenkliges Dreieck (Deichsel des großen Wagens, Griff, Alkor/Mizar, Spitze ist M 101). Das wäre das rote Dreieck in der Karte unten.

 

Darunter ein blauer "rechter Winkel" der von Alkor über Alkaid zu M51 führt. In Grün dann die bekannte Diagonale von vorne unten nach hinten oben durch den Wagenkasten deren 1,2fache schnurgerade Verlängerung M81/82 zum sicheren Ziel hat.

    


Das kann man mit vielen Objekten machen, rechte Winkel mit unterschiedlichen Schenkellängen, Rauten. Alles was man sich vorstellen kann ist erlaubt und doch kommt man auch hier an seine Grenzen, spätestens wenn es um feinere Sternchen und kleinere Gesichtsfelder zur Bildung der Muster geht, muss ein genauerer Blick auf die Karten her.

Freiäugig fehlt da einiges an Sternen die in Karten verzeichnet sind und im optischen Sucher erschlägt einen das Sternenmeer, das ist ja total hoffnungslos, ich glaub ich brauch GoTo.
Nicht unbedingt, eigentlich wirklich gar nicht, aber der Reihe nach.

Der Atlas zeigt 7 Mag Sterne,
der Vizi zeigt 8 Mag,
der Taki geht bis 8,5 Mag.

Die neuen Übersichtskarten von Fred, vorgestellt auf der Fujtor-Seite liefern 6,5 Mag.

Ein Beispiel:


Ich sehe 6 Mag, wenn es sehr gut ist 6,5 Mag freiäugig und ein 8x50 Sucher geht unter meinen Bedingungen bis etwa 9 Mag.
Demnach muss ich meinen freiäugigen Anblick mit dem Kartenanblick abgleichen und mir dann auf der Karte die fehlenden Sterne quasi wegdenken, der Taki geht schon fast an den Sucheranblick ran. Da ich den dicken Ordner aber ungern mitschleppe und nur noch selten einen optischen Sucher zur Verfügung habe, bleibt es meistens bei der ersten Methode.

Das nächste Problem stellt sich mit dem Abgleich der Objekte. In keiner dieser Karten sind alle für mich erreichbaren Objekte verzeichnet und manche Objete die verzeichnet sind, bleiben fast unerreichbar.
Der Vizi und der Atlas ergänzen sich irgendwie am 6-Zöller ganz gut, der Taki zeigt Objekte die ich auch mit dem 12-Zöller nicht knacken kann. Das Hin- und Her zwischen Karte und der Objektliste, welche eine diesbezügliche Abschätzung erlaubt, ist mühsam.

Also wird die Aufsuche neuer Objekte geplant, was nichts anderes bedeutet, als dass ich mir die Daten dazu aus dem Netz hole, eine Karte ausdrucke oder sie gegebenenfalls auch schon mal in meinen Karten nachtrage (so viele fehlen ja auch wieder nicht).
Der Versuch, das Nachts, unter Rotlicht zu machen, scheiterte kläglich, letztlich eigentlich am Drang zu beobachten anstatt stundenlang in Karten und Objektlisten zu wühlen, nachzulesen, ob das nun Sinn macht oder nicht. Gute Nächte sind rar.

So weit, so gut. Nun also die 7 Mag Karte, besser noch die 6,5er. Das Objekt ist drauf und ich will es auf der Netzhaut haben.
6 Mag Himmel habe ich, also sehe ich oft schon ein paar Sterne weniger als auf der Karte aber das geht recht gut.
Was ist das denn überhaupt für ein Objekt?

NGC 6543, ein PN, Katzenauge genannt, lt. Objektbeschreibungen etwa 10,9 Mag hell und 0,3’ groß.
Groß -??- Nein eher klein, wie wir am altbekannten, 1,3’ großen Ringnebel leicht abschätzen können, der ja je nach Teleskop in der Übersicht nur gerade so als flächiges Scheibchen auffällt. 10,9 Mag Flächenhelligkeit ist wieder kein Problem. Das ist sogar bei der kleinen Fläche sehr hell, da haben wir schon schwächere Funzeln gefunden, immerhin kommt ein 6-Zöller an den Start.
Das Ding wird sich also bei geringer Vergrößerung, im Übersichtsokular, trotz der Helligkeit kaum von einem Sternchen unterscheiden.
Außerdem steht dieser PN im Drachen, der ist als Sternbild recht groß, steht grob zwischen dem kleinen Wagen, Kepheus und Herkules, so richtige Leuchtfeuersterne und deutliche Sternmuster gibt’s da nicht wirklich, man war ohnehin bisher selten dort unterwegs.

Wenn wir den Ringnebel als kleinen Rauchring im Übersichtsokular hatten, dann sollten wir zur sicheren Erkennung mal lieber die Vergrößerung verdoppeln, das wäre schon Mal ne gute Idee, aber dann ist eben das Gesichtsfeld zum Suchen deutlich kleiner und das auch noch in dieser wenig vertrauten Region mit viel Nichts.


Da hilft nur, sich wirklich die Sache genauer anzusehen und einen Plan zu machen.

Die beiden vorderen Kastensterne des kleinen Wagens weisen vom Deichselansatz über den unteren Kastenstern in einer weitergedachten Geraden direkt auf den Drachen und in die Zielregion. Ganz stimmt die Richtung zum Objekt nicht, die Strecke ist lang, aber da geht es doch zwischen zwei Sternen des Drachen durch, die ca mit 3 Mag wirklich nicht zu verfehlen sind (22 und 44 Dra).
Etwa in der Mitte der gedachten Linie zwischen diesen beiden Sternen, etwas in den Drachenkörper gerückt, sehe ich sehr gut ein enges Sternpärchen, welches ebenfalls auf den Karten verzeichnet ist, kein Wunder bei ca. 5 Mag und die Karten gehen bis 7 Mag.
Diese Sterne, die auch unter 5 Mag Himmel zu sehen sind, werden mein Startpunkt für die Aufsuche am Himmel.
Inzwischen sehe ich den ungewohnten und selten besuchten Drachen sogar als Figur, ich kann das Sternmuster verfolgen. Man schaut halt schon ein par Mal hin und her und auch genauer hin, dann kommt das automatisch. Von meiner Hilfslinie weiter gedacht, quasi gegenüber, sehe ich eine weitere Linie heller Sterne, die im dreieckigen Kopf endet.
Ausgehend von meinem kleinen Sternpärchen muss ich knapp auf die Hälfte der Entfernung zwischen den beiden annähernd parallel verlaufenden Sternketten des Drachen.
Ach nee, auf der anderen Seite, etwas weiter auseinander stehend, gibt es noch zwei leicht sichtbare 5 Mag Sterne (36 und 42 Dra).
Genau im Zentrum einer Figur aus diesen vier 5 Mag Sternen müsste mein PN sein.


Wer unter Lichtverschmutzung schon mit diesem Sternen um 5 Mag Schwierigkeiten hat, greift zum 8x50 Sucher oder zum Übersichtsokular, wobei Startpunkt immer noch das enge Paar 28 und 27 Dra ist. Mit dem optischen Sucher dürfte sich z.B. der Taki mit 8,5 Mag Sternen, sicher die 9 Mag Karten von Fred,  als brauchbarer erweisen, als der Atlas mit 6,5 oder 7 Mag, man muss ausprobieren und die gesehene Grenzgröße in etwa bestimmen. So was tut man ja nicht jedes Mal, irgendwann kennt man seinen Platz und die Verhältnisse. Auf jeden Fall lohnt es sich dann auch mal, für knifflige Objekte spezielle Karten mit Sterngrenzgröße nach Sucheranblick auszudrucken, wenn man die passenden Karten nicht fertig findet.
Dann erst kann man die Muster sicher erkennen und wunderbar abgleichen.



An meinen 6“ F/6 erreiche ich mit der gewählten Okularbrennweite von 15 mm (15-10,5er UWAN-Zoom) bei 60facher Vergrößerung etwa 1,3° Feld am Himmel, eigentlich noch recht komfortabel, aber trotzdem stand der PN unter Verwendung der 7 Mag Karte nicht gleich im Feld (Ursachen später).
Erst ein kleiner, enger spiralförmiger Schwenk, ausgehend von einem fixierten Sternchen nahe der Feldmitte brachte ihn dann ins Bild. Wie erwartet zeigte sich ein kleines, helles Scheibchen, sehr deutlich von einem Stern zu unterscheiden.
Dieses noch mal nachrühren müssen, wenn auch nur leicht, passierte mir noch mehrmals und auch mit dem 12-Zöller, wo bei gleicher Okularwahl nur etwa 0,7° Feld sichtbar sind.
Der PN ist ohne Filter sehr hell sichtbar, verträgt auch deutliche Vergrößerungssteigerung und kann unter guten Bedingungen und bei gut justiertem Teleskop schon im 6-Zöller den Zentralstern als nadelspitzen Funken preisgeben. Dabei ist weniger Grenzgröße entscheidend, die durch Lichtverschmutzung sinken kann, als Transparenz des Himmels, also eine gute Durchsicht. Die gibt es durchaus auch oft genug unter aufgehelltem Himmel.


Natürlich hilft bei der Aufsuche auch ein O III oder UHC, weniger Sterne und der Nebel ploppt regelrecht raus, wenn er ins Bild kommt. Schwächere Kandidaten sucht man sogar besser gleich mit Filter. Auch wenn man sie nachher ohne Filter locker halten kann, bei der Suche sind sie ganz schnell mal überfahren.

Als eine Ursache für die Ungenauigkeit beim Aufsuchen des Objekts nach dieser Methode muss die unterschiedliche Projektionswahl der Kartenersteller genannt werden, denn Stern- und Objektörter unterscheiden sich bei den vier mir zur Verfügung stehenden Werken ein wenig. Nicht viel aber merklich, denn wir befinden uns auf einer nördlichen Breite von + 67° und die Kunst des Kartenmachers ist es, einen Kugelschalenausschnitt auf ein Blatt Papier zu drucken. Grundsätzliche Ungenauigkeiten unterstelle ich da mal nicht, sie liegen aber auch im Bereich des Möglichen.

Hier hat Fred bei seinen 6,5 Mag Karten und auch den darauf aufbauenden 9 Mag Karten sehr gute Projektionen gewählt, die auch am Kartenrand noch sehr genaue Positionen der Objekte darstellen.


Eine weitere Ursache liegt bei den verwendeten Peilsuchern. Egal ob es der Red Dot oder der Rigel ist, Beide erlauben leicht unterschiedliche Einblickpositionen. Wenn man zum justieren des Suchers eine bequeme, möglichst gerade Einblickposition wählt, die man bei der Suche im Zenit aber nicht wirklich einhält, kann man schon mal ein halbes oder gar ein ganzes Okulargesichtsfeld daneben liegen. Grundsätzlich wichtig ist auch die möglichst genaue Justierung des Peilers auf das Hauptrohr, da ist es wirklich sinnvoll, nach der Kirchturmspitze im Übersichtsokular noch mal bei hoher Vergrößerung (am Stern) zu schauen, was Sache ist und dann nachzustellen.

Ich nutze diese Methode in der Regel noch ohne optischen Sucher, da ich mich mit den Genick brechenden Geradsichtsuchern nicht anfreunden kann und beim Winkelsucher nicht da hin schaue, wo ich suche. Ein Bekannter macht das nur mit Winkelsucher und ist genau so erfolgreich wie ich.
Wir kommen Beide bestens klar, aber jeder nur mit seiner Methode, da macht es einfach die Übung, nicht die Methode an sich.

Meine Methode funktioniert bis zu Gesichtsfeldern von etwa 0,5° und bei nicht allzu schwachen Objekten sehr gut. Da bin ich am 6" F/6 schon beim 6 mm Okular und im 12er liegen 10 mm an. Für noch schwächere, kleinere Funzeln, im Grenzbereich des jeweiligen Teleskops wende ich möglichst genaue Detailkarten an und im Zielgebiet mache ich Starhopping im Übersichtsokular. Dafür freue ich mich auch schon auf die neuen 9 Mag Karten von Fred und Dennis, werde dann aber auch einen guten Winkelsucher benötigen.
So läuft das also ab und Vieles läuft nach gar nicht langer Zeit unbewusst. Dem langen Lesetext steht eine wesentlich kürzere Echtzeit gegenüber, die noch durch die Konzentration und die Vorfreude auf den Erfolg und das Objekt ausgefüllt wird.
Die Effizienz der Methode mag ein Dialog zwischen mir und einem Bekannten belegen, der über zwei 12“ Teleskope hinweg geführt wurde:
Willst du Mal gerade was Grenzwertiges machen?
Was?
NGC 7048, PN im Schwan ohne O III?
Wo?
Du warst eben an NGC 7027, dem PN beim Nordamerikanebel, der das Dreieck mit den zwei helleren Sternen dort bildet.
Jou! (gemeint waren 58 und 62 Cyg, mit denen NGC 7027 ein etwas abgeflachtes Dreieck bildet).
Verlängere die Linie der beiden Sterne mal um die gleiche Strecke in Richtung M 39 und schau ob Du was siehst.
Okay, schätze 15 mm passt? (Okularbrennweite)
Jou, aber halt Dich nicht zu lange ohne Filter auf. Siehst Du nichts, dann O III.
Alles klar.


Ich folgte der Beschreibung ohne Karte, 7048 fehlt ohnehin im Atlas und auch im Vizi, trotz 1’ Größe und angegebener Flächenhelligkeit von 11 Mag.
Nach kurzer Suche hab ich denn den O III eingeschoben und dann zeigte sich mir nach kurzer Spiralsuche im Zielgebiet eine durchaus sehenswerte Nebelfahne, die aussah, wie an einen Stern angehängt.

Mit Filter, Stern schwenkt Fahne? Feines Teil!
Jou korrekt, nicht gerade ne Leuchtkerze, aber ganz nett.


So weit so gut.
Wichtig ist, dass man sich immer, auch bei solchen kleinen und/oder lichtschwachen Objekten den Anblick im Übersichtsokular holt, also mit geringer Vergrößerung und großer AP. Aha, so sieht also ein Sternchen aus, das ein PN ist. Oft leicht grünlich oder bläulich, immer ohne Spikes oder sonstige Lichtausbrüche, die Sterne im Seeing schon Mal zeigen.
GX sehen oft wie etwas verwaschene, unscharfe Sternchen oder wie ein Fussel im Bild aus und auch kleine, helle GX vertragen nicht nur mittlere, manchmal auch höhere Vergrößerungen, oft muss man höher rangehen, um sie leichter zu finden.

Es gibt auch ein paar von diesen Objekten, die relativ leicht auszumachen sind, weil sie sehr nahe an Standardobjekten stehen.
So findet man die kleine GX NGC 6207 beim Umrunden des KS M 13 (NGC6205) mit einem 8-Zöller schon häufig im Übersichtsokular.


Auch die kleineren Begleiter von M 81/82, also NGC 3077 und NGC 2967 lassen sich noch durch etwas ausgedehntes Spiralkreisen locker finden.
M 46, Nachbar von M 47, ein herrlicher Sternhaufen in Puppis, gleich unterhalb von Alpha MON hat sogar einen kleinen Vordergrund PN direkt im Sternenmeer liegen.


Mit solchen leicht aufzusuchenden Objekten kann man sich an den Anblick, der einen erwartet, herantasten und eben auch mit Vergrößerungen, gegebenenfalls mit Filtern spielen.
Wenn man weiß, was man sucht, eine Vorstellung von dem hat, was an Helligkeit, Größe oder Form zu erwarten ist, dann wählt man in etwa die richtige Vergrößerung und AP. Damit legt man sich dann auch auf die richtige Suchmethode fest und baut sich seine Dreiecke, Winkel, Linien und Rhomben aus den richtigen Sternchen auf.

Es ist mir am BOX Nebel, diesem kleinen, eckigen PN im Schlangenträger mit der NGC Nummer 6309 schon passiert (und nicht nur da), dass mir Zweifel an meiner Methode kamen, ich fand ihn aber auch anders nicht. Dann habe ich anstatt mit 15 mm Okularbrennweite am 8-Zöller mit 10 mm Brennweite nach bewährter Art neu angesetzt und wurde sehr schnell fündig. 0,2’ Fläche ist halt nicht die Welt, aber gut machbar.



Sehr wichtig bei der Suche nach diesen kleinen und/oder schwachen Objekten ist natürlich auch, dass man das mögliche Maß an Dunkeladaption erreicht und auch erhält. Mit einer unbrauchbaren Kartenbeleuchtung oder gar mit einem Schlepptopdisplay nimmt man massive Nachteile bei der Suche in Kauf.
Mehr dazu gibt’s im speziellen Beitrag zur Dunkeladaption.

Nachdem ich an größeren Teleskopen und den entsprechend erreichbaren feineren, schwierigeren Objekten einige Male an die Grenzen meiner Aufsuchmethode gestoßen bin habe ich im Moment eine Sucherkombination im Test.

 

 

 

Auf dem Bilderm mal mit dem Binoanstz, den ich nur für Mond-/Planeten- und Sonnenbeobachtung (nur mit geeigneten Schutzfiltern, Erblindungsgefahr) nutze.

Das in Kombination  mit sehr genauen Aufsuchkarten passender Grenzgröße für den Winkelsucher

 

 

 

soll die Aufsuche schwieriger Objekte erheblich beschleunigen und vereinfachen. Die Sucherkombination kann komplett auch an andere Teleskope mit Standrardsucherschuh montiert werden, taugt also auch für meinen 12-Zöller und den gemeinschaftlichen 16-Zöller unserer Gruppe. Erste Ergebnisse sind vielversprechend.

 

GoTo, Push To, digitale Teilkreise und Co

Es gibt viele Motivationen GoTo oder ein sonstiges Objektlokalisierungssystem einzusetzen. Ich selbst komme unter meinem meist brauchbaren bis gutem Himmel ohne aus und sehe für mich viele Vorteile in der "manuellen" Aufsuche. Ich habe Spass beim Suchen und Finden, lerne den Himmel sehr gut kennen und bin inzwischen bei den meisten Standardobjelten auch schneller als ein GoTo. Selbst unter fremdem Himmel (siehe z.B. La Palma Bericht) ist das oben beschriebene Starhopping, sicher auch durch ständige Übung für mich sehr gut machbar und meist von Erfolg gekrönt.

Einer Motivation für GoTo kann und will ich mich aber auch nicht verschließen, spätestens nachdem ich mich einfach mal unter Halbmondbedingungen an meinem üblichen Starhopping versuchte. Bei Grenzgrößen unter 4,5 Mag, hin zu 3,0 Mag wird das zunächst sportlich und dann zunehmend unmöglich, weil einfach die Sterne fürs Starhopping fehlen oder zumindest sehr weit auseinander liegen.  Auch wer sich sehr gut auskennt kommt da ziemlich schnell ins Schwimmen und rührt planlos rum. Da kann man mit einem zuverlässigen GoTo noch was reißen und Objekte (z.B. Sternhaufen, Doppel- Mehrfachsterne und helle planetarische Nebel) beobachten, die hoher Vergrößerungen brauchen und/oder vertragen. Da kann man dann so hoch vergrößern, dass der Hintergund dunkel genug und das Objekt groß genug wird um sich abzuheben, sichtbar zu werden.

Bleibe ich beim Beispiel Katzenaugennebel und mir fehlen freiäugig z.B. die vier genannten 5 Mag Sterne in deren "Kreuzungspunkt" er zu finden ist wird das mit einem Teleskop längerer Brennweite und ohne optischen Sucher, nur mit Peiler, ziemlich unmöglich. Alles rundherum, was nicht heller als diese Sterne ist, fehlt für die Orientierung.

Okay, also über den optischen Sucher und das wird dann doch recht langwierig und zäh und sei es nur, weil man sich zusätzlich mit der wechselnden Bildorientierung zwischen Sucher und Teleskop herumschlagen muss und leicht den Weg verliert. Da kann ein funktionstüchtiges GoTo wirklich den Spass an der Beobachtung erhalten, bzw erst herstellen. Natürlich sollte man, wenn man kann, besseren Himmel, bessere Bedingungen aufsuchen, aber wenn nun mal nur wenig Zeit zur Entspannung mit und im Hobby bleibt, dann ist eben auch ein Balkon oder garten in der Ortslage ein Standort der genutzt werden sollte, bevor man gar nicht zum Beobachten kommt..

Suchen ist m.E. sehr schön, aber nur wenn die Suche auch meistens nach, individuell sehr unterschiedlich zu bemessender, angemessener Zeit von Erfolg gekrönt ist.