Newtontuben sind oft zu kurz. Der vordere Überhang reicht nicht aus, um die Fangspiegel- und Okularauszugsebene vor dem Eindringen von Störlicht und der dann unausweichlichen Herabsetzung des Bildkontrastes zu schützen.

Ein zusätzliches Problem bei zu kurzen Tuben ergibt sich durch den sehr frei und offen hängenden und dadurch, unter ungünstigen Bedingungen, oft recht schnell zutauenden Fangspiegel

Beide Tatsachen wurde hier oft genug thematisiert und daher der Bau einer Tau-/Störlichtkappe angeregt, auf nahezu allen Bildern von Teleskopen auf dieser Homepage sind Taukappen zu sehen und ich erwähne häufiger mal die alte Isomatte als idealen "Rohstoff".

Als meine Frau kürzlich ihre Gymnastikmatte austauschte war es wieder mal so weit. Die dünne Taukappe meines 12-Zöllers hatte über die Jahre etwas gelitten. So wurde die alte Gymnastikmatte nicht entsorgt, sondern zweckentfremdet. Eine leichte Trichterform der Taukappe ist wichtig, um Vignettierung der Öffnung durch den langen Überstand zu vermeiden.

Zusätzlich ergibt sich der Vorteil, die Taukappe umgekehrt leicht auf das Tubusende stecken zu können und so einen ideale Parkposition bei Nichtgebrauch zu haben. Die Form bleibt erhalten, ein gewisser Schutz vor Beschädigungen ist gegeben und man kann sie zu Hause nicht mehr vergessen.

    

Der Materialverbrauch bei einem 12-Zöller ist nicht zu verachten, dennoch blieb ein längerer Streifen übrig und der reichte locker, auch meinem 6 Zoll f/4,8 Newton-Dobson eine Tau-/Störlichtkappe zu verpassen. Dabei kam mir dann auch rechtzeitig die Idee, das simple Vorhaben und seine Umsetzung nochmal zu dokumentieren.

Das Teleskop ist sehr oft auf dem Balkon und bei der Weißlicht - Sonnenbeobachtung im Einsatz. Für die Sonne braucht es die Taukappe nicht, sie würde eher zu einem unerwünschten Stauluftpolster vor dem unerlässlichen Lichtschutzfilter (Baader Solarfolie visuell), also vor der Öffnung des Teleskops sorgen.

Ich beobachte dort aber auch Nachts, wenn Zeit und Lust nicht für längere Ausfahren oder den 12er im Garten ausreichen. Dann ist störendes Umgebungslicht schon mal vorhanden. Die Straßenlampen gehen z.B. erst nach 23.00 Uhr aus.

Die Eigenkonstruktion baut, bei einem Tubusdurchmesser von knapp 200 mm, schon 170 mm über die vordere Fangspiegelkante hinaus. Das ist deutlich mehr als die üblichen Fernoströhren so aufweisen, dennoch sind 1,5 bis 2x D-Tubusdurchmesser besser. 

  

Im rechten Bild hängt schon der übriggebliebene Streifen der ca 10 mm starken Matte aus dunkelgrauem Schaumstoff über dem Teleskop. Der Streifen ist 170 mm breit und wird, für sicheren Halt, etwa 20-30 mm tief auf den Tubus gesteckt. Das reicht dann auf jeden Fall, von der Länge her, für den Tau- und Streulichtschutz locker aus. Weil vorne der OAZ und der Sucher im Weg sind gehe ich für die weiteren Bastelschritte einfach ans Heck des Teleskops, wo dann

  

 

der Streifen um das Teleskop gewickelt wird. An einer Seite ziehe ich straff, um einen engen Sitz am Tubus zu erreichen, die andere Seite wird einen Finger breit lockerer gelassen um die leichte Trichterform zu erreichen. Dann wird bündig zur Kante der unteren Lage angezeichnet und

  

 

der Schnitt mit dem scharfen Cuttermesser gesetzt. Anschließend fügt man die Stöße zusammen und kann eventuelle Längenunterschiede an den Stoßkanten leicht abschneiden. Die Stöße werden gegeneinander gedrückt und mit kurzen Klebebandstreifen (ich hatte gerade breites, schwarzes Gewebeband da) fixiert.

 

Anschließend wird am Schnitt, innen wie außen eine vollständige Klebebandschicht aufgebracht. Bei so breitem Klebeband wie ich es verwende, kann man schon ein wenig auf die spätere runde Form achten, klebt man das flach auf dem Tisch liegend, zieht man den Schaumstoff in eine gerade Form, die Taukappe eiert dann vorne immer ein wenig, auch wenn sie hinten am Tubus rund aufgesteckt ist. 

Danach bringe ich noch selbstklebende Veloursfolie in Streifen innen an der Taukappe auf. Vielfach wird deren Wirkung bestritten, auch im Tubus nicht ernst genommen, ich "steh drauf" weil ich auch beim Beobachten sehe, was es bringt.

  

So, wie im Bild rechts, sieht das dann fertig aus. Dieses Billigteil aus Resten ist, das kann man kaum bestreiten, nicht unbedingt kleidsam, aber eben höchst wirksam.