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Freakshow….oder was so alles werden kann

 

Einleitung:

Wer hier mitliest sollte eine Portion Planspiegel (Marke Badezimmer)vertragen, denn er wird sich hier und da finden, so wie ich mich auch in hohem Maße und recht häufig wieder finde, selbst betrachte. Kleinigkeit, denn ich schreibe ja selbst.

Weiterhin soll die Annahme gelten, dass des 8 Zoll Dobsons oder auch der alternativen 6-12 Zöller gemäß ihrem Leistungspotenzial von unserem ehemaligen Einsteiger als geeignet angesehen werden, denn sie sind es tatsächlich, wenn nicht schon das Öffnungsfieber alle rationalen Überlegungen bezüglich des Teleskops an sich verhindert hat. Selbst in diesem ebenso unheilbaren, wie verständlichen Ausnahmezustand sind die folgenden Szenarien durchaus weiterhin möglich.

 

Überhaupt sind bei dem was jetzt kommt, rationale Überlegungen, individuelle Ansprüche und Wunschträume in einem Maße miteinander verwoben, dass jeder Freak sein Ding durchzieht. Nicht selten erscheint er dem Freak mit geringfügig anderen Prioritäten mit einem kaum nachvollziehbaren Spleen behaftet, was bei extremen Unterschieden sogar zu deutlichen Missverständnissen führen kann.

Unverständnis sollte zumindest noch mit Toleranz ertragen werden, gerne auch mit einem augenzwinkernden Lächeln und wer sich selbst erkennt, kann ganz sicher etwas mitnehmen, z.B. für seine weitere Entwicklung.

die folgende Einteilung ist nicht starr, es gibt sehr häufig Doppelbesetzungen und Mehrfachüberschneidungen.

 

1- Der Low-Budget-Freak

gönnt sich irgendwann seinen 8“ F/6 Dobson, bleibt ewig beim mitgelieferten 32er Plössl oder dem 25er und 10er Super. Egal wie selten oder oft er auch beobachtet, er genießt, was er sieht und versteht die Welt nicht, wenn andere Leute glauben, ein 31er Nagler in den OAZ eines 300 € Teleskops stopfen zu müssen. Irgendwann kauft er sich auf dem Schnäppchenmarkt ein 30er Okular in 2“ und schämt sich trotz des deutlichen Feldzuwachses seiner Schwäche. Da das Seben-Zoom so günstig ist und gute Kritiken bekam, ist es der nächste Gebrauchtkauf und eventuell gesellt sich im Laufe der Jahre dazu noch eine 2fach Barlow oder eine 6er Goldkante, aber das war es dann wirklich, denn 30 mm, 21-8 mm und dann noch mit der Barlow runter bis 4 mm, das ist Vollausstattung für 450 € und warum es Leute gibt, für die ein einziges Okular so viel kosten darf, übersteigt jedes Vorstellungsvermögen. Man hatte ja hier und dort die Möglichkeit, durch solche teuren Dinger durchzugucken, schön, ja, okay, aber so viel Geld ist einfach unvorstellbar, denn so viel besser war das nicht.

 

2- Der Qualitätsfreak

hat sich wider besseres Wissen und mit Bauchschmerzen für den günstigen Dobs entschieden, denn so viele Leute können nicht irren, allein vertrauen tut er ihnen nicht.

So artet seine Beobachtung eigentlich regelmäßig in Fehlersuche aus. Da Nächte mit perfektem Seeing und toller Transparenz sich nicht nur für Mond und Planeten, sondern auch für den Sterntest eignen, verpasst er so mache gute Show in unserem Sonnensystem.

Er bringt es fertig, den 8“ F/6 Dobson gegen einen sündteuren 4“ APO zu tauschen und braucht recht lange, bis er sich eingesteht, das gute Öffnung sehr gute Tablettenröhrchen schlagen kann, ja muss. Physik kann grausam sein und führt letztlich zum größtmöglichen Spiegel mit einer Qualitätszusage, die hoffentlich hält was sie verspricht. Hoffnung ja, Vertrauen nein.

Schnell erfasst er auch die unbestreitbare Tatsache, dass sehr gute Okulare verhältnismäßig teuer sind, ja sein müssen. Ist das Telekop schon zweifelhaft sollen doch wenigstens die Okulare Top sein, von wegen dem schwächsten Glied in der Kette und so.

Mit etwas Glück (für die meistens angespannte Finanzlage eines Qualitätsfreaks) erfolgt dann die Festlegung auf einfache Designs mit wenig Glas als Hindernis für empfindliche Photonen, denn das ist zwar mühsam, aber immer noch günstig im Vergleich zu hochqualitativen Okularen mit bequemem Einblick, größerem oder ganz großem Feld. Hoffentlich hat der große Qualitätsspiegel jetzt nicht F/4, denn dann ist die Abbildung wieder nicht völlig kritikfrei zu ertragen, egal, ob ein Ortho oder ein Nagler den OAZ beglückt. Nachrüsten mit Comacorr und/oder High-End-Barlow steht an, wieder Literatur wälzen, wieder Testberichte googlen, wieder Glas im Strahlengang und Glas-/Luftflächen, wieder eine Testreihe. Dieses Hobby frisst einen auf und kostet ein Schweinegeld.

Wann war eigentlich die letzte wirkliche Beobachtungsnacht?

Keine Ahnung!

Manchmal gibt es eine gewisse Überschneidung, einen Übergang zwischen dem finanzstarken Qualitätsfreak und dem gemeinen Geldsack. Letzterer kauft aber ahnungslos, potenzprotzig und aus Gewohnheit teuer. Er fällt damit, nach einmaliger Erwähnung, aus hiesiger Betrachtung. Der Erstgenannte ist in aller Regel ein sehr angenehmer Zeitgenosse und sein Equipment immer einen genauen (Durch)Blick wert. Weniger finanzstarke Qualitätsfreaks bewegen sich zuverlässig an der Obergrenze des finanziell machbaren, auch da lohnt immer ein Blick, denn sie erarbeiten sich langfristig und zielsicher das Wissen um die Preis-/Leistungssieger in jeder Anforderungsklasse und ruhen nicht, bis sie ihrer habhaft werden.

Einen Qualitätsfreak sollte man übrigens nur ansprechen, wenn man viel Zeit hat oder weiß, dass sie keine Zeit haben.

 

3- Der Spacewalkfreak

hat die Grundausstattung geordert und findet den Blick durch das Plössl bei niedriger Vergrößerung noch ganz passabel, müht sich auch mit kleineren Brennweiten ab, ist erfreut über das was er sieht, aber irgendwie nicht wirklich begeistert, denn da muss doch mehr gehen.

Dann sieht er irgendwann mal ein Teleskop mit so einem riesigen Trumm von Okular im OAZ und macht den entscheidenden Fehler. Er klemmt sich mit dem Auge dran, fängt an zu sabbern und der Besitzer des Teleskops hat seine liebe Not, diesen Typen zur Seite zu zerren, um auch mal durch sein Teleskop gucken zu dürfen. Nun hat die Nervensäge auch noch den Okularkoffer mit weiteren Schwergewichten gefunden und fängt an, ihn mit Fragen zu löchern. Jedenfalls beginnt so oder ähnlich eine atemberaubende Jagd nach großem Feld, sie kann über ein 3oer BW und weitere günstige Okulare mit großem Feld führen oder gleich in die Mittelklasse bzw direkt in die teure aber wohltuende Umarmung von Televue. Nagler sind gut und waren Mal als endgültig zu bezeichnen und dann bringen diese Helden noch die Ethos Serie raus, weitere 20° Feld mehr und die Hatz beginnt von vorne.

 

4- Planetenfreaks

brauchen gewöhnlich eine ganze Weile, bis sie Obstruktionsphobien, und Spiegelneurosen überwinden, mit ihren Ängsten vor Reflektions- und Transmissionsverlusten umgehen können und unseren immer noch zu Grunde liegenden 8“ F/6 Dobson als durchaus scharfes Gerät für ihre Zwecke akzeptieren. Besser ist es fast, sie werden erst im Laufe ihrer Beobachtungen zum Freak, denn dann haben sie Möglichkeiten zum Vergleich bevor sie jede Menge Geld in den Sand setzen.

Ihr 8“ F/6 wird zumindest auf einer EQ-Plattform, wenn nicht gar mindestens auf einer E-Kuh 6 landen, eine Veloursauskleidung und eine Taukappe verordnet bekommen und der OAZ wird untersetzt, 1 zu 10 ist üblich. Lüftung und Isolierung des Tubus wird spätestens nach einem direkten Vergleich fällig, denn so etwas muss man gesehen haben, im theoretischen Trockendock bringt das eher nichts, es sei denn der Planetenfreak führt ein (un)heimliches Doppelleben als Bastelfreak. Spiegelupgrades sind möglich, ja wahrscheinlich, kleinerer FS, bessere Verspiegelung, Strehl und Lambda geflügelte Worte. Gleich mehrer Justierhilfen stehen zur ständigen Verfügung, künstliche Sterne zieren den Garten oder Nachbars Fichte, Sterntests in Übervergrößerung und mehrtägige Okularvergleichstestreihen an der Tagesordnung.

Hat man sich Anfangs noch auf möglichst hochwertige Weitwinkelokulare gestürzt, kommen spätestens mit einer automatischen Nachführung auch einfache Okulardesigns aus hochwertiger Fertigung in den Okularkoffer und weil das Ganze auch noch zwischen 10 mm und 3,5 mm Brennweite möglichst lückenlos sein muss, wird der Astroetat ständig aufgestockt. letztlich fehlt auch ein 2,5 mm Okular nicht, weil irgendwann kann man bei bestem Seeing und unter Ausnahmeumständen ja eventuell doch Mal optischen und physikalischen Grenzen eine lange Nase drehen.

Lichtdämpfungsfilter und der komplette Farbfiltersatz einer Nobelmarke runden das Bild ab und machen den Unterschied, wenn auch nur für Eingeweihte, sichtbar.

Es gibt unter Planetenfreaks einige wenige, ganz beinharte Gesellen. Anscheinend verstockte Menschen, die eine eingefleischte Meinung nicht nur vertreten, sondern sie auch beobachten. Solche Leute sehen mit einem 10“ Spiegel niemals mehr Details als mit einem 4“ APO, sie bestreiten größere Seeingeinflüsse bei den höheren Vergrößerungen welche mit größerer Öffnung möglich sind oder sehen mit 3“ Öffnung 400fach knackscharf.

Sie zetteln Diskussionen in Foren an, die an Schärfe kaum zu überbieten sind und man könnte fürchten, Ihnen begegnen zu müssen. Diese Furcht ist in aller Regel völlig unbegründet, denn die Beobachtungswiese hat eine unübertreffliche, einigende Eigenschaft:

Man stellt Teleskope auf, schaut und freut sich über das was man sieht.

Der Planetenfreak hält Teleskope und Okulare im Bestzustand, macht keinen Hehl aus seinen Vorlieben, begründet sie gerne und stichhaltig, zeigt vor was er hat und meint, ist ein guter, kompetenter Gastgeber am Teleskop.

 

5- Der Nebelfuzzi

stellt sich der schier unlösbaren Aufgabe, sehen zu wollen, was viele andere nicht oder nur ansatzweise sehen, kaum der Rede Wert befinden.

 

Okay, na klar, da gibt es die prächtigen Großen, hellen Nebel, allen voran den Orionnebel, den Cirrus, den Triffid. Helle Planetarische, z.B. Ring- und Hantelnebel gesellen sich dazu, das geht ja oft schon ohne Filter oder mit einem UHC. die Objektkataloge sind aber voll mit weiteren Nebelfetzen und dieses Hubble-Weltraumteleskop liefert spektakuläre Bilder, ebenso wie Hobby-Astrofotografen mit relativ bescheidenen Öffnungen aber hohem Können.

Was davon kann ich erreichen, selbst sehen, fragt sich mancher visuelle Beobachter und diese Frage nagt, setzt sich fest, wird eine Freak gebären.

Okulare mit möglichst großem Feld und guter Transmission herbei, Filter für jede Emissionslinie im Doppelpack und in 2“, mal hart, mal weich, zum guten Schluss sind zwei bis drei O III Filter, zwei Mal UHC und mindestens ein H-Beta, sowie ein DS-Filter als CLS für lockere 1000 Eurönchen angeschafft und die Okularstaffel mutet für den Normalbeobachter beinahe kurios an. Ein 40er oder 38er WA in 2“ ist ja okay, aber da schließt sich noch was sehr weitwinkliges um 30 mm an und bei 22 mm ein weiteres Okular mit 2“ Steckmaß, dazu die Filterchen und Okularkoffer 1 ist voll. Nicht ein Okular für Suche, Übersicht und Spacewalk, nein DREI! Hier geht es um AP, um Filterwirkung, um Beobachtung am Limit, Grenzverschiebung bis an den Rand der Einbildung.

Unnötig zu erwähnen, dass die Materialschlacht nicht zw. 7 mm und 4 mm AP (Koffer 1) endet, sondern in Koffer zwei weitwinklig und in sehr kleinen AP-Stufen fortgesetzt wird.

zwar hat der weichste O III bei 3 mm AP so ziemlich fertig, aber UHCs gibt es ja auch noch und winzige PNs sind häufig hell, zeigen aber erst in Höchstvergrößerung tatsächlich Fläche.

Nebelfuzzies jagen in großen, hellen Nebeln Details bis zum Exzess, also bis das Licht ausgeht und sehen Funzelchen an Rande der Wahrnehmung die sonst jeder überfährt, zumindest für nicht beachtenswert hält. Mancher sieht im Orionnebel ohne Filter(!) sogar Farbe und das nicht nur in Grün.

Sie leben auch im ständigen Widerstreit zwischen Öffnungs- und Feldhunger, eine Sache, die sich naturgemäß beißt und zu den kuriosesten Teleskopkonstrukten führen kann. 16-Zöller mit aufgesatteltem 120er Farbwerfer sind fast schon typische Wunschträume oder gar Realitäten. Bemerkenswert gut schlägt sich wieder Mal unser 8“ F/6 mit aufgesatteltem 4“ F/5.

Der Nebelfuzzy macht oft etwas sehr Merkwürdiges, Befremdliches.

Er bringt sein Teleskop absichtlich zum Wackeln. Wackelt der vermeintlich ausgespähte Nebelfetzen mit, ist es Dreck oder Einbildung, bleibt der Fetzen im zitternden Gesichtsfeld auf der Stelle stehen, dann könnte das eine Sichtung sein.

Durch die hohe Konzentration auf seinen Sehsinn wirkt er schon mal etwas abwesend, manchmal reagiert er sogar schreckhaft auf Ansprache. Stört man ihn nicht gerade bei sehr intensiven Beobachtungen, ist er ein angenehmer Zeitgenosse mit Vollausstattung. Okulare zum Test für eigene Bedürfnisse finden sich in seinem Arsenal recht häufig, der geplante Filter ziemlich sicher.

 

6- der Galaxienheini

ist dem Nebelfuzzi eng verwandt, allerdings mag er Filter nicht, denn sie blockieren einen Großteil des Lichts und die GX ist nun mal ein Objekt, welches auf allen Wellenlängen strahlt.

Wie kaum ein anderer Hobbyastronom hasst er Licht, welches nicht von jenseits des Sonnensystems kommt, also besonders den hellen Mond. Selbst die Planeten werden von ihm kaum beachtet und schon gar nicht beobachtet, denn ein heller Saturn verdirbt die Dunkeladaption für eine knappe Stunde der kostbaren Zeit.

Dunkeladaption ist sein Zauberwort, Stör- und Fremdlicht sein Verderben. So ist er in den dunkelsten Winkeln seiner Heimat zu finden, scheut für 0,2 Mag mehr auch weite Wege nicht, zettelt wegen Laptops oder Lasern Platzrevolten auf Teleskoptreffen an und wird bei etwas zu hellem Rotlicht bereits übellaunig. Er hat mit all diesen Dingen Recht, in sofern ist es unschädlich, ja gewinnbringend, sich seinem Willen zu beugen. Ein wenig von ihm steckt als Keimzelle in uns allen.

Unter der Annahme, dass er den Start mit unserem beispiellosen 8“ F/6 Dobson hinlegt, unterliegt er, wie kaum ein Anderer der Gefahr, dem oft kritisierten Öffnungswahn zu erliegen. Weniger kritisch betrachtet heißt das auch Öffnungsfieber und ist in seinem Fall nur zu berechtigt, denn Auflösung, Lichtsammelleistung und Vergrößerungsfähigkeit sind nun mal an Öffnung gebunden, wie die Krawatte an den Hals, also entweder oder.

Ob er nun zuerst den 8-Zöller, der ihm wirklich schon sehr viel aber eben nicht genug zeigt, bestens mit weitwinkligen Okularen versorgt oder gleich Mal die Öffnung auf 12“ steigert, bei ihm bleibt die Lage immer im Fluss, die nächste Teleskopgröße im Kopf.

Er hat das Aufsuchokular mit angepasster AP, bei Standorten mit unterschiedlicher Himmelsqualität auch deren Zwei. Er hat die besten Karten für die Aufsuche und die Fähigkeit zu zielsicherem Starhopping mit der Muttermilch genuckelt.

Die Glanzstücke seiner Okularsammlung findet man mit zunehmender Erfahrung seinerseits im mittleren AP- und Vergrößerungsbereich. Sein Dobson, meistens ein leicht transportables Gitterrohrdesign, läuft wie geschmiert, oft besser als das Auto für den Transport. Wer solche beladenen Lastesel sieht und da ist noch Platz drin, kann mal hoffnungsfroh fragen, wann der kleine 16-Zöller überflüssig wird, denn da ist mit Sicherheit ein 20-Zöller in Planung.

Kaum ein GX-Heini empfindet solche direkten Fragen als Unverschämtheit, er sieht sich in seinen Überlegungen bestätigt und nimmt sie als Ansporn. Für den Normalbeobachter mit Standardgerät ist sein Sucher am Teleskop manchmal etwas frustrierend, denn da sind aufgesattelte 4-6zöllige F/5 Newtons von der Stange oder auch als schnuckelige Minidobsons keine Seltenheit. Unnötig zu erwähnen, dass weit entwickelte Freaks dieser Gattung fast zwangsläufig nebenbei Bastelfreaks sind, ja sein müssen. Auch der Selbstbau großer Spiegelteleskope verschlingt reichlich Geld. In sofern ist für jeden von uns die unsinnige Warnung angebracht, seiner bereitwilligen Einladung, einen oder mehrere Blicke durch sein Teleskop zu werfen, nachzukommen.

Das Fieber lauert und ist nicht wählerisch bei seinen Opfern.

 

 

7- Bastelfreak

ist nicht gleich Bastelfreak und das erkennt man schon am bebastelten Equipment sehr deutlich. Vom exzessiven Resteverwerter zum reinen Optimierer, vom Ultraleichtbauer zum gewichtigen Stabilitätsfan, vom Designer zum reinen Nutzwertsteigerer spannt sich der Bogen. Von EQ-Plattformen über Rockerboxen und GoTo gesteuerten, parallaktischen Montierungen bis zu Refraktoren, Newtons, Schiefspieglern bietet sich ein weites Betätigungsfeld, noch nicht Mal Okulare sind noch sicher vor ihnen und dann gibt es noch die Glasquäler, unter deren Händen und Schleiftools 3-30zöllige Parabolspiegel entstehen die höchst selten in käufliche Standardtuben eingebaut werden.

Da fliegen Späne, egal ob aus Holz oder Metall, da wird gefeilt, gebohrt, geraspelt und geschliffen, nach Augenmaß, Messschieber und Messuhr, von Hand oder CNC-gesteuert. Egal, Hauptsache es gibt etwas zu bearbeiten, zu vermessen, zu testen.

Die Freude über fertige und gute Ergebnisse ist ebenso groß wie flüchtig, denn in der Werkstatt ist es plötzlich so unheimlich still. Das ein unhaltbarer Zustand der nach dem nächsten Projekt verlangt und gut zu wissen, dass im Kopf eines solchen Freaks immer zwei bis 10 solcher Projekte Warteschleifen drehen.

Natürlich freut er sich wie ein kleines Kind wenn alles so funktioniert, wie er sich das geträumt, gedacht, gezeichnet hat. Er strahlt mit Sirius um die Wette, wenn eine spürbare, sichtbare Verbesserung eingetreten ist, aber Späne müssen bald wieder fliegen, Zufriedenheit ist Stillstand.

Man findet Bastelfreaks die Refraktoren um Objektive herumbauen, welche Serienherstellern das Wasser in die Augen treiben, so edel sind sie, mit perfektem Finish, optimal verblendet und der OAZ läuft seidenweich. Andere nutzen respektlos ein Abflussrohr als Tubus, was einer sauberen Abbildung keinerlei Abbruch tut.

Der Newton, vorzugsweise als Dobson, ist jedoch das Gerät schlechthin, an dem sich die Mehrzahl solcher Freaks zu schaffen macht. Ruhelos, rastlos, immer den Serienherstellern um Lichtjahre voraus sind die Cracks der Szene, inzwischen bei Großspiegeln mit 20-30“, dünn wie Pizzen, verbaut in Gitterrohrdobsons deren für die Funktion wesentliche Teile nur noch das Skelett eines „normalen“ Teleskops darstellen.

Weniger extrem geht es auch und immer noch kommt meistens weit mehr als nur eine Nasenlänge Vorsprung zum Teleskop von der Stange heraus, mal leichter, mal stabiler, mal kleiner und leichter für den Transport, oft vieles zugleich. Schon eine Rockerbox aus Birke Multiplex, mit großen Höhenrädern, satt laufend und oft auf das allerfeinste bearbeitet, sieht nicht nur edel aus, sondern ist ein Riesenfortschritt gegenüber dem üblichen Pressspangestell.

Häufig sind Bastelfreaks nur an Optimierungen interessiert, die ausschließlich dem Zweck dienen, einem Newton von der Stange das tatsächlich gegebene Leistungspotenzial zu entlocken. dieses Potenzial ist, gerade bei den üblichen, preiswerten Fernostprodukten, eben wegen des günstigen Preises und der Vermeidung von nicht absolut notwendigen Kosten, nicht direkt abrufbar, geradezu sorgsam versteckt. Veloursauskleidung, Tau-/Streulichtkappe, Spiegelentspannung, OAZ-Ausrichtung und eine gute Justierung, also auch Modifikationen an den Justiereinheiten sind gängige Bastelarbeiten. Etwas weiter reichen dann schon die Anbringung eines Lüfters oder Neuaufbau eines isolierten Tubus mit besser bemessenem Tubus in Durchmesser und Länge, Verbesserungen an der Spiegelzelle oder der FS-Spinne.

Die Optimierung von Teleskopen für den visuellen Einsatz ist genau so wichtig, wie die Optimierung für fotografische Zwecke, denn hier geht die Schere sehr weit auseinander. Zu weit für ein Teleskop mit optimalen Eigenschaften für beide Anwendungen, dessen ist sich jeder Bastelfreak absolut sicher und er tut was dagegen.

Jedenfalls rennt unser Selbstbaufreak immer Verbesserungen an seinem Equipment hinterher, testet, probiert, verwirft, fängt von vorne an. Dabei ist er meistens höchst flexibel, aufgeschlossen und äußerst kommunikativ, berät und lässt sich in der nächsten Sekunde selbst beraten. Auf Teleskoptreffen läuft er schon mal, blind wie Paul der Maulwurf, an einem alten Bekannten vorbei. Sein Blick ist auf ein fremdes Selbstbauteil geheftet, welches ihn fasziniert. Und wenn ihm nur ein einziges bemerkenswertes Detail aufgefallen ist, da muss er jetzt hin, komme was und wer da wolle.

Sieht man auf Treffen zwei Menschen in unbequemsten Körperhaltungen und Verrenkungen alle Teile eines etwas ungewöhnlich aussehenden Teleskops beäugen, dabei unaufhörlich reden, zeigen, deuten, befühlen, dann sind das zwei Selbstbaufreaks. Aufrecht gehend, fallen sie auf der Beobachtungswiese meistens durch grüne Flecken vor den Knien auf und daduch, dass sie vor jedem zweiten oder dritten Teleskop wieder in die Knie gehen um irgendwas genauer anzusehen. Erst wenn der Unterbau, die Lagerung, der Tubus, die Stangenklemmung geklärt sind, wenden sie sich auch mal dem OAZ und damit einer Beobachtung zu.

An sein eigenes Teleskop lässt der Selbstbaufreak Jeden ran, der sich vorsichtig dem Standort nähert. Vorsicht ist geboten, denn da könnten Teile rumliegen, die gerade mal abgebaut, nicht ganz fertig, oder Testbausteine sind. Allerdings geht der Besuch bei ihm nicht ohne ausufernde Erklärungen zu Funktion und Machart ab. Durchaus möglich, dass man hinterher nicht nur über das Teleskop, sondern auch über seine Entstehung und die komplette Werkstatteinrichtung bestens informiert ist. Er lässt seinen Stolz schon ein wenig raushängen, hat aber auch meistens Grund dazu, wie der Vergleich mit Teilen von der Stange durchaus zeigt, wenn der denn überhaupt noch möglich ist.

20-Zöller von der Stange sind recht selten, 15 Kilo Dobson mit 12“ Öffnung kaum im Handel zu beziehen, Null Euro Teleskope aus Schrott kann sich kein Händler leisten, nur ein Freak.

 

Bastelfreaks sind eigentlich die Seele des Fortschritts in der Hobbyastronomie, denn sie sind Vorreiter auf neuen Wegen. Wenn auch sehr schleppend und auch nicht mit der nötigen Konsequenz, so kommen doch viele ihrer Ideen über kurz oder lang auch im Serienbau zur Anwendung.

 

8- Fotofantasten

bescheren uns zunächst einmal wirklich fantastische Aufnahmen astronomischer Objekte und die Weiterentwicklung im fotografischen Hobbyastronomiebereich ist gegenüber den ebenfalls großen Fortschritten im visuellen Bereich geradezu gewaltig.

Ich selbst sehe jeden Astrofotografen mit großem Respekt, unabhängig von der Qualität seiner Ausrüstung und den Ergebnissen seiner Bemühungen, denn ich habe nur ganz geringes Basiswissen und ein laienhaftes Verständnis für den großen Aufwand. Unmöglich, sie alle zu beschreiben, jedem gerecht zu werden.

Es kann gut sein, dass unser 8“ F/6 Newton zunächst mal auf eine EQ 3 gewuchtet wird, die dann mit krumm gebogenen Achsen und schiefen Stativbeinchen tatsächlich ersten Versuchen jeden möglichen Widerstand entgegensetzte. Auch möglich dass gleich die berühmte E-Kuh 6 zum Einsatz kam und die stattliche Brennweite von 1200 mm dann heftigst auf das Ergebnis drückte. Egal Freaks geben niemals auf, irgendwann ist ein stabiler Unterbau und das passende Rohr, inklusive Nachführtechnik und Bildverarbeitungsprozedere gefunden, es kommen sehens- und vorzeigenswerte Ergebnisse heraus.

Mein Schlüsselerlebnis verschaffte mir ein solcher Freak, der am einen TT-Platz mit respektablem Maxi-Van vorfuhr. Ein wahres Monster von Montierung auf kernigem Woodmasterfuß wurde entladen, Unmengen Kabel- und Steckverbindungen angebracht, verlegt, gesichert. Sichtschutz und Lappy klargemacht, und dann wurde das Teleskop aus dem Handschuhfach(!) geholt. Stabilität satt war damit garantiert, selbst für den unbedarften Kiebitz. Die Ergebnisse der nächtlichen Fotosession waren am nächsten Mittag im Zelt zu bestaunen, es waren wenige, aber whow, echte Hingucker mit dem Prädikat Profiarbeit, GX-Detalils die mit vierfacher Öffnung visuell unerreichbar bleiben. Öffnung ist in der Fotografie nicht Alles, nein bei Weitem nicht.

Fantastisch vielfältig, wie ihre Möglichkeiten, so sind auch die Fotofantasten in ihrem Wesen.

Dobsonauten summieren unzählige Einzelbilder oder Videoclips zu Mond und Plantetenaufnahmen von spektakulärer Detailfülle, ganze Mosaike entstehen, Strichspuraufnahmen haben einen besonderen Reiz und sind auch für komplette Anfänger nicht allzu schwierig. Großfeldspezialisten scannen die Milchstraße, ultralange Brennweiten an respektabeln Öffnungen entlocken winzigen planetarischen Nebeln unglaublich viele Details. Freaks, die so etwas zuwege bringen, haben manchmal schon monatelang nicht mehr visuell beobachtet, andere lassen den Fotokram nebenbei laufen und schwenken in der Zwischenzeit ihren Dobson oder die hier sehr belieben Großferngläser. Man findet den Low-Budget-Spezi ebenso wie den Technikfanatiker, alles teuer gekauft oder vieles pfiffig selbst gebaut, jedem von ihnen gibt sein Ergebnis Recht.

Wie der Visuelle sucht der Fotofreak den bestmöglichen Himmel auf, allerdings meistens nur um sich dann die Dunkeladaption am Lappy zu verderben. Etwas Abstand zwischen ihnen ist demnach durchaus mal geboten und schmälert den gegenseitigen Respekt nicht

Der Foptofantast befindet sich nicht selten in Namibia anzutreffen. Er sucht dort den besseren Himmel und die Verlockung fremder Objekte der südlichen Milchstraße. Was hierzulande am südlichen Horizont steht, kommt dort in den Zenit und ich kenne Leute, die es ablehnen, von hier aus ihr Fotogerödel auch nur in Richtung Skorpion oder Sagittarius zu schwenken. Horizontdunst, zu weiter Weg durch zu viel Luft, no go.

Andere werden aus schlichter Notwendigkeit irgendwann stationär, verwirklichen den Traum einer eigenen Sternwarte. Die Schlepperei ist wirklich mühselig, solider Aufbau zeitraubend und große Öffnung langzeitfotografisch stabil ist schlicht nicht mehr transportabel.

Der Fotofreak nordet nicht nur seine Monti penibel ein, sondern irgendwann auch, mehr oder weniger unbewusst, sich selbst.

Dann ist alles im Gleichgewicht, zumindest fast, denn, abschließend bleibt zu erwähnen, dass manche dieser Freaks dazu neigen, dem noch unfähigen aber willigen Einsteiger auf seine Fragen mit extremem Fachchinesisch zu antworten und mal schnell eine kleine Einkaufsliste zu schreiben, die auf höhere fünfstellige Beträge hinausläuft. Hier ist durchaus Hartnäckigkeit gefragt, weiter bohren, breiter gefächert fragen, das wird schon. Sehr amüsant ist auch eine weit verbreitete Eigenheit solcher Freaks, eigene Ergebnisse darzustellen. Da wird ein atemberaubendes Foto präsentiert und sich im Begleittext standardmäßig für schlechtes Seeing, durchziehende Wolken und eine kleine Unwucht in der Nachführung entschuldigt.

Im Großen und Ganzen sind sie einfach zu selten zufrieden, denn die Anforderungen sich heftigund die Messlatten von Hubble liegen recht hoch.

 

9- Der Binofreak,

es ist hohe Zeit, den „Bazillopferix Binopterics“ in die Freakshow aufzunehmen, da er inzwischen nicht mehr nur trendy sondern wirklich etabliert und anerkannt ist.
Wieder steckt der Keim zum Freak fast in jedem Hobbyastronomen, denn wer hat nicht ein 8x40 oder 10x50 Fernglas zur Hand und kann den nächtlichen Beobachtungen mit diesem transportabelsten aller astronomischen Hilfsmitteln mehr oder weniger viel abgewinnen.
Beidäugiges Sehen und großes Feld, das weiß man zu schätzen.
Das muss doch auch noch „fetter“ gehen und dann fängt es an. 15 oder gar 25fach geht aus der Hand nun wirklich nicht mehr ruhig und dummer Weise steigert sich auf das Gewicht solcher Feldstecher schnell und deutlich.
Da dem Binofreak die Muckibude nichts bringt muss ein Stativ her. Oh der Einblick ist aber echt Murks, Genickstarre Programm, Entspannung und Genuss Fehlanzeige.
Eine Binomount ist schnell angeschafft oder selbst gebaut. Solche Konstrukte als Mischung aus Galgen und Hebelkran nehmen dann für Uneingeweihte schon mal gerne mächtige Dimensionen an, auch Leichtbau hat so seine Tücken, denn Schwingungen müssen unbedingt vermieden werden. Da ist schon richtig Grips gefragt und der wird auch eingesetzt bis alles passt.
Die andere Variante ist ein Feldstecher mit Winkeleinblick, das geht dann niedriger und sieht schon eher nach Doppelfernrohr aus, auch gibt es das mit Wechselokularen für verschiedene Vergrößerungen. So ein 100er Doppelrohr auf stabiler Monti sieht schon ziemlich stark aus und das Durchschauen ist dann auch eine Wonne für sich, egal ob selbst aus zwei Refraktoren gebaut oder fertig gekauft.
Ganz sorgenfrei ist die Sache nicht und so sieht man diesen Freak auch sehr häufig bei Justierarbeiten. Die Rohre an sich, die Prismen, die Okularauszüge, alles muss passen und dann nicht nur für jeden Strahlengang, sondern auch für beide Strahlengänge zueinander.
Wer mal so einen Freak erwischt, sollte unbedingt versuchen, einen Blick durch das Bino zu werfen und es gibt ganz verwegene Burschen, die machen so was mit zwei 6-12zölligen Newtons. Da geht die Post ab und das Herz auf wenn alles passt.
Der Freak steht dabei und grinst sich eins, wenn Euch die Augen übergehen.

Mancher Einer scheut jedoch den Aufwand für ein echtes Doppelrohr größeren Ausmaßes und stattet einfach nur sein Einzelteleskop mit einem Binoansatz aus. Da sind nicht nur monetäre Vorteile im Spiel sondern auch das Handling ist bei bei größerer Öffnung deutlich einfacher. Nachteilig wirkt sich lediglich die Aufteilung des Lichts auf zwei Strahlengänge aus, was vor allen Dingen bei Deepskynutzung deutlich spürbar wird und gegenüber dem Echtbino schon einen sehr deutlichen Öffnungsschub erfordert.
Wieder gibt es viel zu beachten und es geht fast nie ohne Basteleien und Fehlversuche ab, bis der Glasweg des Binoansatzes ausgeglichen ist. Die Varianten von der Tubuskürzung über Barlows und GWKs werden heiß diskutiert und man sollte schon wissen dass GWK ein Glaswegkorrektor ist wenn man sich einem solchen Freak nähert. Andernfalls riskiert man mehrstündige Vorträge die allerdings auch interessant sein können.

Egal wie, der Binofreak sieht dreidimensional, also z.B. den Jupiter als Kugel, auch wenn die Behauptung aufgrund der geringen Parallaxe zwischen den beiden Äuglein und dem Himmelskörper theoretisch auf sehr wackligen Beinen steht. Er stellt einen deutlichen Vergrößerungsschub gegenüber Einäugigkeit fest und beachtlichen Zugewinn an Details.
Auch das spielt sich eher im Kopf denn in der Realität ab und das ist eben der springende Punkt. Der Mensch ist gewohnt, beidäugig wahrzunehmen und hat demnach auch beidäugig die beste Wahrnehmung weil sein Gehirn genau darauf trainiert ist.


Es gibt durchaus viele Menschen, die weniger stark oder gar nicht von der beidäugigen Wahrnehmung profitieren und sei es nur, weil man sich auch einäugig das astronomische Sehen sehr gut antrainieren kann.
Darüber mit einem Binofreak zu debattieren ist allerdings in etwa so sinnvoll wie einen Ochsen ins Horn zu kneifen.
Man hat es oder man hat es nicht, das Binofeeling.
Es lohnt sich allerdings, der Sache auf den Grund zu gehen, denn ich z.B. brauchte einige Anläufe und Versuche bis ich den richtigen, den passenden Binoansatz für mich fand.

So steht der Binofreak mitten in den Extremen. Er kann für den sanften, günstigen Einstieg ins Hobby mit einem „normalen“ Fernglas ebenso stehen wie eventuell für die genialsten visuellen Eindrücke die dieses Hobby zu bieten hat.

 

10- Der Technikfreak,

ist ein ganz moderner Geselle, schon seine Muttermilch kam offensichtlich aus dem WWW.
Er erweckt manchmal den Eindruck, dass ein Fernrohr, also die Optik zum Durchsehen oder (für ihn schon nahe liegender) zum Fotografieren, eher ein notwendiges Übel denn das eigentliche Herzstück seines Hobbys ist.
Sollte er sich wirklich anfänglich zu unserem 8“ F/6 Dobson entschließen, so hat der mindestens GoTo.
Gab es früher noch für seine Leidenschaft zum GoTo das Hindernis, dass die Initialisierung der Auffindeautomatik zumindest rudimentäre Kenntnisse des Himmels in Form der Namen von benötigten Referenzsternen erforderte, so erledigen diese Wundertüten das heute oft schon selbsttätig per GPS und dann gibt es ja auch noch so wunderbare APPs für Handy, deren technisches Innenleben heutzutage lässig und binnen Sekunden die Rechenleistung einer Apollomission zum Mond in der Hosentasche erledigt.
Was braucht man noch Dunkeladaption und Teleskop, wenn man das Handy einfach auf eine Himmelsregion richtet und die APP alle dortigen Objekte anzeigt, benennt und noch jeweils auf Anforderung ein hoch aufgelöstes, helles Hubblefarbbild und Textinformationen dazu liefert. Das klappt sogar nach unten, also mitten durch Mutter Erde auf Australien gezielt, mach das mal mit einem Teleskop.
Okay ein Teleskop gehört für den Freak irgendwie schon dazu und der echte Freak wird auch irgendwann aus der Billigschiene ausbrechen, weil halt eben billige Technik feuchtigkeits- und frostempfindlich reagiert, gerne die Grätsche macht wenn es gerade spannend wird und meistens mit Optiken gekoppelt ist, die eben noch billiger sein müssen und dann entsprechend klein und/oder öffnungsschwach sind. 10000 Objekte im Speicher von denen dann doch nur 50 brauchbar zu beobachten sind, stellt den echten Technikfreak nur sehr kurze Zeit zufrieden, zeigt eigentlich nur Möglichkeiten auf.
Hier grenzt sich dann der echte Freak vom fehlgeleiteten, weil allzu technikgläubigen Einsteiger sehr schnell und deutlich ab. Aufgeben oder aufrüsten ist das Motto, auch „back to the roots“ soll vorkommen.
Egal, ein echter Freak hat irgendwann alles vollautomatisch und verstromt. Wenn er noch mobil ist heißt es bei Annäherung aufgepasst, denn Strippen, Kabel Akkus können den direkten Zugang für Unbedarfte schon deutlich erschweren und die Verursachung eines veritablen Kabelbruchs inklusive Kurzschluss ist nicht eben der beste Einstand für ein Gespräch mit ihm.
So mancher Technikfreak kommt irgendwann überhaupt davon ab, ins Feld zu gehen. Spätestens wenn die Stromversorgung für GoTo, Laptops, E-Fokussierer, FS-, Taukappen- und Okularkofferbeheizung, Fotokram und ständige Direktverbindungen ins WWW zwei gekoppelte LKW Batterien benötigt und doch nur drei Stunden ausreicht, wird es Zeit, umzudenken. Auch ein mordlüsterner Blick des nur visuell interessierten Platznachbarn, der aufgrund der eigenen Festbeleuchtung leider nur allzu deutlich zu erkennen war, kann den letzten Anstoß bringen, über die eigene Sternwarte oder noch weiter gehende Schritte nachzudenken.
Es war doch schon immer lästig, auf Plätzen den Ruf „Weißlichtsau“ überhören zu müssen oder die Einsamkeit und damit die archaisch anmutende, direkte Auseinandersetzung mit der Natur zu suchen.
Nicht nur Transport, Frost und Tau barg Gefahren für Equipment und Mensch, auch die wilden Tiere, von Maus über Waschbär bis Wildsau sind doch in der Dunkelheit und mit Heimvorteil gefährlich überlegen, dazu auch absolut nicht steuerbar.
Also rein ins sternwartengestützte High-Tech Vergnügen und spätestens wenn hier die erreichbare Himmelsqualität bescheiden ist, lohnt ein gutes, genaues GoTo nicht nur wegen des ohne geeiere passenden Bildausschnitts fürs Objekt, nein unter 4 Mag Himmel weiß sogar der Purist GoTo zu schätzen, weil Starhopping ohne genügend Sterne nun Mal ziemlich frustrierend sein kann. Auch bringt ein schlechter Himmel eigentlich erst die ultimative Herausforderung für die fotografische Bildbearbeitung und der Strom kommt endlich sicher aus der Steckdose mit Spannungsregler.
Der Freak der was auf sich hält verkauft spätestens jetzt diese blöden Okulare, weil er sich gar nicht mehr an deren letzte Nutzung erinnern kann. Das Geld investiert er weiter in die Automations-, Computer-, Software- und Bildgebungskette. Ob das Teleskop noch mal vergrößert wird oder ein dauerhafter Kontakt zu gebührenpflichtig anzumietenden Remote Teleskopen in allen Winkeln der Welt aufgebaut wird sind schon die nächsten Fragen unseres Freaks, die er nur mit sich und seinem Geldbeutel bespricht.

Ein seiner Vollendung entgegenstrebender Technikfreak wird naturgemäß in der gewöhnlichen Beobachterwelt der Hobbyastronomen immer seltener anzutreffen sein. Kontakte zu ihm zu knüpfen gelingt am ehesten noch über die Fachboards der Fotografen, Montierungs- und Computerleute.
Sein Weg wird von vielen Hobbyastronomen mit dem anfänglich besprochenen Miss- und Unverständnis betrachtet, ich selbst schließe mich da nicht aus. Die Vollendung seines Weges bringt aber z.B. im Bereich der Astrofotografie oft Ergebnisse hervor, deren Faszination sich kaum jemand entziehen kann.

 

11- Der Sonnenfreak

ein tagaktiver, munterer Geselle, ein regelrechtes Wettermännchen, dessen Anblick schönstes Wetter verheißt, Optiphilius Helioguckix..


Kein Freak ist durch die Wandlung verfügbarer Beobachtungsgeräte in letzter Zeit mit einer derartigen Steigerung seiner Möglichkeiten konfrontiert worden. Fand man anfangs an sonnigen Tagen meistens nur ledergesichtige oder von allen Variationen eines Teilsonnenbrandes gezeichnete Freaks mit unterschiedlichsten Teleskopen an allen möglichen Standorten vor, die auf Befragen kundtaten, dass sie Sonnenflecken im Weißlicht beobachten, Relativzahlen und Zyklusabschätzungen ermitteln so hat sich da dramatisches verändert.
Erhöhtes, ja sogar fast hysterisches Interesse bei breiteren Bevölkerungsschichten fanden und finden nur Planetendurchgänge oder Sonnenfinsternisse.
Es gibt Freaks die reisen solchen Ereignissen um die ganze Welt hinterher und versuchen kein Einziges zu verpassen. Man hat dabei nie die Wetterlage völlig im Griff und in den entlegenen Winkeln der Erde immer die Angst im Nacken rechtzeitig und mit vollständigem, einsatzfähigem Equipment pünktlich vor Ort zu sein, denn auch jahrelange Planung kann durch kurzfristige, unvorhersehbare Umstände als nutzlos erweisen. Pünktlichkeit ist wichtig, denn so manches dieser Ereignisse dauert weniger als zwei Minuten. Ein Freak eben, denn so heiß auf einen Quicky ist nicht jeder Mensch und schon gar nicht in jeder Situation.

Unverändert ist, dass die Sonnenbeobachtung so gefährlich für das Auge ist, dass für z.B. Weißlichtbeobachtungen zwingend ein geeigneter Filter, z.B. Herschelkeil bei Refraktoren oder ein spezieller Öffnungsfilter aus Glas oder Folie eingesetzt werden muss, um der realen Gefahr der Erblindung zu entgehen. Viele Pioniere der Sonnenbeobachtung haben den damals unzureichenden Schutz vor der energiereichen Sonnenstrahlung mit dem teilweisen oder völligen Verlust ihres Augenlichts bezahlt.
Noch länger als für die Wissenschaft dauerte es für den Hobbyastronomen bis auch andere Bereiche des Lichtspektrums mit besonderer Filtertechnik beobachtbar wurden uns schließlich kamen auch erschwingliche Teleskope auf den Markt mit denen man z.B. die H-Alpha und die K-Linie (Kalziumlicht) beobachten und fotografieren konnte.
Ein Bann war gebrochen und mancher Freak fährt so völlig darauf ab, dass Weißlicht für ihn völlig uninteressant ist. Wer von diesen Freaks der Kostenfalle entgehen will, mutiert (wieder Mal) zum zweckorientierten Bastelfreak und ich weiß nicht, ob ich als erstes dieser Geräte ein PST zu sehen bekam oder ob das schon ein Bino-PST oder ein PST Umbau auf 100er Refraktor war. Nochmal der Hinweis, dass diese Freaks wissen müssen was sie tun und wie der funktionelle Aufbau sein muss, um ihr Augenlicht nicht zu gefährden.


Es gibt aber auch noch Freaks, die der Beobachtung mit Weißlicht sehr viel abgewinnen können, zumal da inzwischen auch Filter(folie) für sehr große Öffnungen und dann auch entsprechend Auflösung verfügbar ist.



Der Lohn des Freaks sind einzigartige Einblicke in das Leben eines Sterns, unseres Heimatsterns, schlicht Sonne genannt.
Zumindest Mal diesen Freaks durchs Teleskop sehen, egal ob Weißlicht oder H-Alpha, egal ob mit einem kleinen Pst, einem großen Lunt oder einem Weißlichtteleskop, egal ob Bino, Binoansatz oder einäugig, das ist mein dringender Rat an Jeden.

Wer wirklich mal Zusammenrottung von Freaks sehen will und dazu noch geniale Beobachtungsmöglichkeinen sucht, der Sollte mal Dietmar und seine Truppe beim vierteljährlichen(?) H-Alpha Treffen besuchen. Die weiteste Fahrt lohnt sich.

 

12- Der Equipmentfreak

kennt alles, hat alles, weiß alles. Er ist auf allen erreichbaren Messen präsent und an jeder Neuerung ebenso brennend interessiert wie an guten alten Stücken.
Zu seinem Leidwesen muss er sich aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten die inzwischen das Hobby bietet, irgendwie spezialisieren, denn wirklich ALLES, das geht einfach nicht.
Also macht er erst Mal in visuell, dann in Foto, später eventuell H-Alpha und wieder Foto planetenlastig. Oder er häuft Spezialteleskope wie Schiefspiegler, Apos oder richtig lange Echt-FHs an, kümmert sich ausschließlich um Newtons und deren beste visuelle oder fotografische Auslegung. Überschneidungen mit dem Bastelfreak ergeben sich leicht aus den Zwängen mängelbehafteter Massenproduktion, auch Übergänge zum Technikfreak sind nicht selten.
Oder es geht in Richtung Okulare, wobei die Fixierung auf die Komplettierung des Arsenals für unbedarfte Zaungäste oder Ehefrauen auch schon mal messihafte Züge tragen kann.
Weit gefehlt, denn das alles hat seinen Sinn, wird getestet und sortiert, manchmal zwar etwas planlos, aber keinesfalls sinnlos gehortet.
Ob es nun die Jagd nach seltenen alten Stücken oder nach der jeweils allerneusten Version oder Innovation ist, dieser Freak weiß was er will und er kriegt es, soweit bezahlbar.
Nicht selten findet man bei ihm einen alten Refraktor, ein SC oder einen MN mit klangvollem Namen und Patina mit dem er locker den Beweis antritt, dass Vieles neuer aber nur Weniges besser ist. Andere führen Ähnliches mit altehrwürdigen Ferngläsern vor und mit manchen Okulartypen können solche Freaks ähnliche Beobachtungsbeweise nachvollziehbar, weil praktisch führen.
Sie wissen sehr häufig auch, was wirklich neu ist und was nur neue Kleider oder Namen trägt, was sich nur preislich oder durch Aufdruck unterscheidet und was eben wirklich mal eine seltene Neuerung ist und welchen praktischen Nutzen bei welcher Anwendung es hat.

Ihr Gebaren erscheint denn häufig auch sonderbar bis unverschämt, der Umgang mit ihnen ist manchmal schwierig. Da wird beim Anbieter nicht ein Fernglas oder Okular befühlt, beäugt, beschnüffelt, ausgepackt, notfalls sogar auseinander geschraubt, sondern alles was da ist. Da wird ein Teleskop oder eine Monti im dichtesten Messegedränge nicht zwei Minuten begutachtet sondern zwei Stunden und der Service muss schon das Eine oder Andere zu- und abbauen, wobei Erklärungen und Daten abgefragt werden, die eigentlich nur Optikrechner und Hard-/Softwareentwickler wissen können.
Dazu dann noch bei teuerstem und wertigstem Design Klagen über Gehäusespaltmaß, Okularauszugspiel im Mikrometerbereich oder Kritik an der Haptik einer Knebelschraube. Da muss der Händler kerngesund sein und auch noch Verbesserungsvorschläge an Marginalien seines Glanzstücks hinnehmen bevor der Typ endlich verschwindet, nicht ohne die Bekanntgabe des Messepreises mit einem schiefen Grinsen zu quittieren.
Diesem Freak ist zuzutrauen, dass er eine Stunde später wieder kommt nochmals rumfingert und fragt, dann aber plötzlich, völlig unerwartet kauft. Er weiß was er will und er findet es auch wenn es dauert und er das oft genug nicht offenkundig raushängen lässt.

In seiner Sparte ist der Equipmentfreak jedenfalls sehr häufig ein ernstzunehmender, kompetenter Kritiker, Fachmann und Ratgeber. Wer wenig Zeit hat, sollte kein Gespräch beginnen oder zumindest versuchen, den Gesprächsfaden selbst in der Hand zu halten.
Viel Glück.