24.09.2020

Mars kommt jetzt, Ende September 2020 schon vor Mitternacht auf beachtliche Höhen über dem südöstlichen Horizont und stellt in dieser günstigen, weil nahen Opposition ein sehr lohnendes Ziel dar.

Das geht auch schon mit kleinen Öffnungen, auch mein 6-Zöller kann das orangerote, ovale Bällchen schon mit deutlichen Helligkeitsschwankungen auf der Oberfläche zeigen, großflächige Details sind also sichtbar.

Dennoch schadet größere Öffnung und ein wenig mehr Aufwand auch hier nicht.

So bringe ich, wann immer es geht, den 12 Zoll f/5,3 Newton/Dobson auf der heimischen Terrasse an den Start. Bis ich damit aber solche Anblicke sehe

sind einige grundsätzliche Dinge zu beachten.

Ich persönlich komme mit meinem Binoansatz + komakorrigierende Barlow + Plössl-/Ortho Okularpärchen an Mond und Planeten zu deutlich besseren visuellen Ergebnissen, als monokular mit verschiedensten geeigneten Okularen von Nagler bis Ortho.

Hier spielt m.E. die Komakorrektur und vor allen Dingen die Aufteilung des Lichts auf zwei Kanäle, sowie das entspannte, weil gewohnte, beidäugige Sehen für mich die Hauptrolle.

Obwohl das Licht auf zwei Kanäle aufgeteilt wird ist Mars im 12-Zöller bei 300-400fach immer noch sehr hell und manchmal bleibt man schon viel früher im Seeing stecken, kann nur 200fach oder auch 250fach vergrößern. Dann muss Lichtdämpfung her. Man kann auch durch nicht blendendes Umgebungslicht die Dunkeladaption der eigenen Augen verhindern, aber dazu später.

Zunächst mal wird nur Seeing akzeptiert, welchs als atmosphärisches gar nicht und als lokales Seeing nur durch eine Fahrt zu einem besseren Standort zu beeinflussen wäre.

Mit einem Isotubus und einer funktionierenden saugenden Lüftung, etwas Zeit zur Temperaturanpassung und der Vermeidung von aufgeheizten, wärmespeicherfähigen Flächen in der unmittelbaren Umgebung (Wände, Böden, Dächer) kann man einen 12-Zöller durchaus so weit bringen, dass anstelle von 150-200fach standardmäßig 250-300fach, ja sogar öfter mal  400fach drin sind.

Eine bis zum Sonnenuntergang voll besonnte Hausnische mit dunklen Terrassenfliesen ist halt zwei Stunden später oftmals noch untauglich, während ein luftiger Bereich, der Nachmittags schon Schatten bekommt sich bereits in der Dämmerung als durchaus gut brauchbar erweisen kann, insbesondere wenn man am Teleskop die Lüftung schon 20 Minuten laufen hat.

Nun gut, derzeit steht Mars eh erst ab 22.00 oder 22.30 Uhr in sinnvoller Höhe aber schon so früh geht durchaus mal so etwas,

wenn man das Seeing an und im Teleskop (Tubus- , Beobachter-, Standortseeing) minimiert und das atmosphärische Seeing halbwegs gut ist. Wenn das atmosphärische Seeing noch besser ist, was auch hier durchaus passiert, geht noch mehr.

Bei dieser Zeichnung spielte aber auch die Lichtdämpfung noch eine entscheidende Rolle. Gewohnheitsmäßig beobachte ich Planeten bei nicht blendendem Umgebungslicht, welches ich quasi über indirekte Beleuchtung aus dem Haus heraus, durch die bodentiefen großen Fenster erreiche. Mars ist trotzdem, eventuell auch durch das leuchtende Orangegelb, immer noch sehr hell, auch bei 250-400fach.

Mein Doppelpolfiter mit einstellbarer Dämpfung wirkt hier sehr gut, die dunkleren Bereiche der Marsoberfläche sind besser sichtbar, wenn die hellen Bereiche gedämpft werden. Da muss jeder seine individuell passende Einstellung finden.

Man kann aber auch durchaus mal andere Filter ausprobieren, sogar zweckentfremden. Die Zeichnungen sind dann immer das gemittelte Ergebnis aus allen Beobachtungen.

So drehe ich öfter mal, gerade wenn nur niedrigere Vergrößerungen möglich sind, den weichsten UHC-Filter aus dem Filterschieber rein. Unter einem kräftigen Blauschleier, der stärker die Randbereiche als die Mitte der Planetenscheibe betrifft, kann man sehr viele Helligkeitsunterschiede, also reale Oberflächenstrukturen wahrnehmen, die im dunkler gewordenen Bild deutlich besser und weitläufiger wahrnehmbar sind, als ohne diesen Filter. Bei genauem Hinsehen ist die bläuliche Randbetonung nicht gleichmäßig, sondern z.B. im Bereich der Nordpolregion flächiger. Hier werden vorhandene Wolkenschleier betont.

Das animiert, auch mal andere Filter auszuprobieren.

 
Der CLS-Filter (city light) war nicht besser als der UHC, viel Blauschleier.

Harte O III Filter wie der Baader, aber auch weiche O III und härtere UHC-Filter gefielen mir ebenfalls nicht, zu viel Blaustich.

Dann kamen die Farbfilter zum Zuge, welche ja in der Regel eher als Planetenfilter deklariert werden, wobei sie ursprünglich, im Hauptzweck, farbfehlerbehafteten Linsenobjektiven zu deutlicherer Detaildarstellung durch Unterdrückung der nicht fokussierbaren Farben verhelfen sollten. Der Fokus fällt mit dem jeweiligen Filter etwas anders und damit günstiger für das durchgelassene Restspektrum.

Rotfilter - Kontrastanhebung, gute Dämpfung, deutliche Bildberuhigung

Orange - ähnlich rot, nicht ganz so krass, der rote Planet eben

Grün - guter Kontrast, Wolken, Nordpolkappe, Rand - gewöhnungsbedürftige Einfärbung

Blau - Südpolkappe verstärkt, Wolken am Nordpol leicht verstärkt der Rest etwas dunkel, aber deutlich, ziemlich extrem, gewöhnungsbedürftig

Violett - noch extremer als blau, mir zu heftig

Hellgelb Filter - mein Favorit am Mars, man lese und staune. Leichte, aber deutliche, und ausreichende Kotrastanhebung aller Details.  Das war an allen Okularen von den 32er Plössls bis zu den 12,5er Orthos festzustellen. Dazu kommt eine angenehme, natürlich wirkende Farbgebung.

Zweiter Sieger, bei niedrigen Vergrößerungen, also größerer AP sogar mit Gleichstand, ist der Orange Filter. 

Mit viel Geduld an Okular und Skizzenbrett, Ausnutzung der guten Seeingmomente, einer entspannten und doch konzentrierten Herangehensweise kann man dann seine ganz persönliche Freude haben. Bei mir kommt dabei so

etwas heraus. Solche Zeichnungen haben einen bleibenden Erinnerungswert und die nächste, annähernd ähnlich günstige Konstellation liegt für mich, vom Lebensalter her, in unerreichbarer Ferne.

 

Okay, beim Abgleich mit Fotos wird die eine oder andere Ungenauigkeit oder Schwäche in den Zeichnungen auffallen. ist die Polhaube nicht etwas groß, fehlt da nicht eine markante dunklere Zone?

Das passiet z.B. bei der Übertragung von der Rohskizze auf die Feinskizze, bei der Kolorierung oder auch beim Feinschliff für die Bildschirmtauglichkeit. So etwas wird immer passieren wenn ich zeichne.
Irgendwo in dieser Kette, gerade an der Rohzeichnung, wo im Schummerlicht skizziert, radiert und ausgebessert wird, gehen schon mal feine Details verloren. Oder sie werden schlicht übersehen, vergessen, weil es so wahnsinnig viel zu sehen gibt. Das häufig nur sehr kurz und dann ne Weile gar nicht und das Auge sucht, findet Anderes.


Da haben es Fotografen besser (oder auch nicht). Sie können stundenlang vor Standbildern sitzen und sie bearbeiten!

Ein wenig künstlerische Freiheit steckt also in den Zeichnungen immer drin. Ich neige aber eher dazu, etwas weg zu lassen, flächiger, nebulöser, unschärfer darzustellen, als dass ich guten Willens ein nicht real vorhandenes Detail, oder besser eines ohne realen Hintergrund in den Blickpunkt rücke.

 

Okay, der Grat zwischen Übertreibung und Banalität kann schmal sein.

Ich bin aber weder Künstler noch Wissenschaftler, nur ein Beobachter der Skizzen von seinen visuellen Wahrnehmungen erstellt. Der Anspruch liegt dabei in einem möglichst hohen Wiedererkennungs- und Erinnerungswert.