Auflösung, Kontrast, Lichtsammelleistung, Vergrößerung und was es sonst noch alles gibt.
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In den verschiedensten Artikeln habe ich Teile oder auch manche Zusammenhänge schon ausführlich erörtert, dennoch hier mal eine komprimierte Draufsicht, eventuell zum besseren Durchblick. 
Grundsätzlich bestimmt die Öffnung eines Teleskops die maximal mögliche, theoretisch erreichbare Auflösung. Das wären dann z.B. für 80 mm Öffnung 1,15 Bogensekunden, für 100 mm runde 1,44 Bogensekunden und für 200 mm Öffnung 0,58 Bogensekunden.
Das steht dann auch immer groß dran, an jedem Teleskop, selbst wenn die Linsen aus Spritzplastik sind oder der schnelle Kugelspiegel auf einer Plastikplatte klebt.
Solche Teile bringen Bilder zustande, bei möglichst niedriger Vergrößerung eventuell sogar brauchbare Bilder, aber das theoretische Auflösungsvermögen der Öffnung erreichen sie bei weitem nicht.
Sie bleiben bei 10, 50, 70% hängen. Ab 80% wird das langsam gut brauchbar und 100% sind unmöglich.
Erstklassige, sehr gut gefertigte Linsenteleskope und ebensolche Spiegelteleskope kommen da im Rahmen ihrer Bauart näher bis sehr nahe ran, über 95% sind Weltklasse oder (häufig genug) falsch ermittelt/gemessen, über 93% in der Praxis, also am Okular und am Objekt nicht mehr nachweisbar, weil von anderen Faktoren überlagert, z.B. Seeing. Das stammt nicht von mir, sondern von Harri Rutten, also einem absolut anerkannten Fachmann, Mitautor des Standardwerks „Teleskop Optics“.
Ja, auch Spiegelteleskope kommen da an Bestwerte ran, sogar solche mit mittig sitzendem Fangspiegel, also einer zentralen Obstruktion.
Kurzer Einschub zur Theorie hinter dem Ganzen, aber nur um das benannt zu haben, dafür gibts Fachliteratur:
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Hier muss man allerdings ein weing aufpassen, denn die oben erwähnten 80% ab denen das brauchbar wird, sind nicht mit der Beugungsgrenze gleichzusetzen, die man bei 0,8 Strehlpunkten (also auch 80% von unerreichbaren 100%) anzusetzen hat.
Dieser Strehlwert sagt aus, wie viel vom ankommenden Licht in der Form des Beugungsbildes landet, welches durch das Optikdesign vorgegeben ist.
Dann gib es noch die EER, welche aussagt, wie viel von dem Licht im zentralen Beugungssscheibchen landet. Um das Maß voll zu machen gibt es noch erhebliche Unterschiede bei der Darstellung von Kontrasten. So kann eine Optik mit niedrigem Strehl hohe Kontraste (schwarz/weiß) durchaus noch im Rahmen der gegebenen Öffnung auflösen, während sie bei niedrigen Kontrasten (mittelgrau/hellgrau) versagt. Das alles drückt sich wiederum in der MTF aus, der m.E. komplettesten Beschreibung der Abbildungseigenschaften eines Fernrohrs.
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Selbst sehr gute APO-Refraktoren bündeln nicht alles Licht im Fokus, vereinigen dort also nicht 100% des  ankommenden Lichts, genau so wie das auch ein sehr guter, wenig obstruierter Newton nicht kann.
Immer wieder liest man solche oder ähnliche Aussagen:
Meines Wissens hat sich die lineare Angabe der Obstruktion wegen der Berechnungen von William P. Zmek zum "Effektiven Kontrastdurchmesser" eingebürgert.
Er stellte fest, dass die visuelle Wahrnehmung eines 20%-Kontrastes, wie er häufig bei der Betrachtung von z.B. Planeten vorkommt, eines obstruierten Systems ungefähr dem eines nicht obstruierten Systems gleichkommt, wenn man den Durchmesser des Fangspiegels vom Gesamttuchmesser der obstruierten Öffnung abzieht.
Damit hat man also mit Angabe der linearen Obstruktion die Aussage zur Kontrastleistung der Optik.


Im handfesten Beispiel sieht das dann so aus und ist in z.B. Fachzeitschriften und Händlerangeboten auch so zu lesen:
Ein Newton mit 203 mm Öffnung und 33 mm Fangspiegel bringt also die Kontrastleistung eines nicht obstruierten Systems mit 170mm Öffnung. Ein 8"SC mit 43% Obstruktion kann maximal die Kontrastschärfe eines Refraktors mit 116 mm liefern. Voraussetzung für diese Aussage ist gleiche Qualität auf beiden Seiten.


Diese Sicht ist, nicht nur meiner Meinung nach, durchaus wert hinterfragt zu werden.
Wie kann ein 20% Kontrast für alle Anwendungen und alle anderen Möglichkeiten herangezogen werden um den entsprechenden Kontrastdurchmesser zu benennen? "Häufig" kann man interpretieren, aber wohl kaum mit immer gleichsetzen.

Aber der Reihe nach:

Will man auf das Kontrastverhalten hinaus wählt man man den Abzug über Durchmesser, egal wie man das nun genau oder ungenau benennt.
Hier bezieht man sich auf den "zmekschen Kontrastdurchmesser".
Der Mann brachte eine Näherungsformel für ganz bestimmte Beobachtungssituationen heraus. Danach soll ein Teleskop mit Obstruktion die gleiche Kontrastübertragung liefern wie ein obstruktionsfreies, dessen Durchmesser um den Betrag der Obstruktion kleiner ist.


Dieser Spezialfall unter definierten Bedingungen mit definierten Details am Planeten wird immer wieder mal zum Rundumschlag benutzt.
Dabei wird, neben den schon von Zmek gemachten Einschränkungen, z.B. auf 20% Objektkontrast zu gerne vergessen, dass es hier auch nur und ausschließlich um Beobachtungen am Limit, also an der Auflösungsgrenze der Augen und des Teleskops gehen kann.
Legt man mal ganz einfach 6" Öffnung und nutzbare AP von 0,7 mm (von mir aus auch 0,5 mm) zugrunde, dann ist eben der 6-Zöller schon fertig wo man am 8-Zöller gerade mal auflösungstechnisch ein wenig gefordert wird und deutlich mehr Licht hat man da eben auch noch. Die Formel ignoriert genau das und noch mehr, die Praxis zeigt das, Zmek selbst weist auch genau darauf hin und genau das kann in der Darstellung der gebräuchlichen Zahlenwerte auch gar nicht abgebildet werden.
Man muss in der Praxis schon mit 30/35% und mehr Obstruktion kommen und gleichwertige Optikgröße und -qualität mit 0 - 20% direkt zum Vergleich da haben, um abseits von sehr guten Bedingungen wirklich unter mehreren Beobachtern fassbar und deutlich vorzeigbar zu machen, dass Obstruktion einen negativen Einfluss hat.

Selbst unter besten Bedingungen braucht man definierte Details und bei Obstruktionswerten von 20% abwärts tun sich auch sehr versierte Beobachter und Optikkenner extrem schwer, noch Unterschiede im Fokus zu sehen. Obstruktion hat sogar auch positive Auswirkungen. Verkleinerung des Beugungsscheibchens z.B., das ist allerdings noch spezieller, kann mal bei extremen Doppelsternen hilfreich sein, aber ein großes Thema ist das nicht.

Es ist also sinnvoll, Obstruktion so klein wie möglich zu halten, aber sie muss auch so groß wie nötig sein. Es ist in hohem Maße kontraproduktiv, wenn am Gesichtsfeldrand die Ausleuchtung sichtbar abnimmt (ab 70% und weniger ist das visuell möglich) oder gar ein zu kleiner Fangspiegel die Öffnung beschneidet.

Liege ich damit im grünen Bereich und berücksichtige noch den meist unterschlagenen Faktor der Lichtsammelleistung, habe ich die visuell möglicher Weise sichtbaren Obstruktionseinbußen des guten Spiegels gegenüber einem obstruktionslosen Teleskop bei gängigen Öffnungsgrößen mit einem Zoll Öffnungszugabe sehr gut kompensiert, teilweise überkompensiert.

Damit nicht genug hat (wieder) der anerkannte Optikfachmann, Harrie Rutten, in letzter Zeit leider kaum noch aktives Mitglied in Forendiskussionen, sich mal einen 8" f/10 APO und einen 8" f/10 Newton mit 30% Abschattung systematisch vorgenommen.
Er kommt zu dem Schluss, dass der Apo im Feld, der Newton auf der Achse besser ist.

Andere theoretische Erörterungen von 6“ f/8 Apo und 8“ f/6 Newton kommen öfffnungsbereinigt zu sehr ähnlichen Ergebnissen.



Dennoch gibt es immer wieder Verrechnungen zu lesen, wo dann unter Zuhilfenahme von Reflektionsverlusten und 30% Obstruktion das Kontrastverhalten eines 130 mm Spiegels auf 80 mm Unobstruiert herunter gerechnet wird, natürlich unter Missbrauch von Zmeck und Sonstigem mehr.

Gerne außer Acht gelassen werden da die Augen des Betrachters und hier muss man mal einen Normalwert zu Grunde legen, der besagt, dass man mit 1 mm Austrittspupille alle Details wahrnehmen kann die im Bild enthalten sind.

Dann liegen am 80er Röhrchen 80fach und am 130er eben 130fach an.

Bis 0,7 mm AP mag noch was gehen, man kann Details größer und damit besser sichtbar machen.

Dann liegen am 80er 120fach, am 130er 195fach an.

Darüber beginnt eindeutig Schärfeverlust, Aufweichung von Details bis zu ihrem Verlust, nur harte Kontraste überstehen das noch relativ schadlos.

Wer dann, aufgrund einer Sehschwäche eventuell erst bei 0,6 mm AP volle Detailvielfalt und Schärfe sieht, wer da dann noch bis 0,5 mm AP was reißen kann, der kann das im 80er Rohr mit 160fach und darüber genau so wie im 130er Teleskop bei 230fach und mehr.

Das nimmt sich nichts und ist auch völlig egal. Die größere obstruierte Öffnung lässt immer höhere Vergrößerungen zu und löst auch immer besser auf. Da mag dann gerne ein 20% Kontrast auftauchen den eine gleich große unobstruierte Öffnung besser auflösen könnte, allein die kleine Öffnung zeigt an der Stelle gar nichts, allerdings meinetwegen mit 100% Kontrast gar nichts. 100% oder 50% von Null sind....jou....Null.



Ganz kurios wird es teilweise wenn der Farbfehler von Linsenteleskopen debattiert wird, der sich bekanntlich aus Farblängs- und -querfehler zusammensetzt wobei je nach Objektivdesign die Gewichtung unterschiedlich ausfällt.

Wenn man sich eine 100/600er Richfieldlinse kauft, will man, soweit man sich ein wenig auskennt, gemeinhin nicht auf hohe Planetentauglichkeit hinaus und ist zufrieden, wenn sich die Sichtbarkeit des Farbfehlers bei 30-50fach in den Grenzen hält, die man für sich selbst als erträglich ansieht. Zu höheren Vergrößerungen hin wird’s halt immer bunter und erst im sinnlosen Bereich, also wenn die Augen wegen Lichtmangel das Farbensehen einstellen und iher Auflösungsvermögen drastisch absinkt, wird das wieder besser.

Da wird dann der Farbfehler bei 30fach, wie auch bei 400fach gerne mal weg diskutiert, weil er ja nicht zu sehen ist. Da ist er aber trotzdem und er bleibt es auch. Der Fokus ist und bleibt kein Punkt sondern ein Streufeld, das ist schlicht systembedingt gar nicht anders möglich.

Auch der Aussage, dass der Farbfehler nur am Planeten interessiert und für Deepsky unwichtig ist, muss man in dieser Pauschalität vehement widersprechen.

Eine der wichtigsten Informationen über Sterne liefern sie uns im optischen Bereich schlicht über ihr Licht. Ihre Licht-Farbe ist nicht nur häufig schön anzusehen gerade bei Mehrfachsystemen mit unterschiedlicher Farbe, die Farbe ist die Information über die Temperatur der Strahlung und damit sagt sie viel über Beschaffenheit, Zusammensetzung, Entwicklungsstadium und Alter des Gasballs aus.

Schaut man sich nun z.B. Sigma Orionis im direkten Vergleich mit einem 80/400 Achromaten und einem 80/480 Triplet APO unter licht verschmutztem Himmel an, so sieht man im Achromaten einen gelblichen Hauptstern und zwei Begleiter mit nur schwer erkennbarer Farbe, beide wirkten bräunlich.
Im APO sieht man einen weißen Hauptstern. Ein Begleiter wirkte eher bläulich, der andere eher rötlich. Außerdem sieht man ganz schwach einen dritten Begleiter!

Der Achromat verfälscht also nicht nur die Farben bis zur Unkenntlichkeit, weil er eben die Farben nicht in einem Fokus bündeln kann, er frisst auch noch Licht und kostet so ganz klar Sterngrenzgröße. Dabei ist das "gefressene" Licht ja nicht weg, sondern verteilt sich als Unschärfe des Farbfehlers im Bild, hauptsächlich um den Spot herum. Er bringt also die öffnungsbedingt mögliche Auflösung bei Weitem nicht.

Das kann dann ein 80/900er Luftspalt Achromat nach Fraunhofer schon besser, ein entsprechender ED noch besser, aber erst ein wirklich farbreiner APO kann das richtig gut und so gut wie ein farbreines Spiegelteleskop guter Qualität eben auch.

Solche Beispiele kann jedermann nach beobachten, man braucht aber genau definierte Bedingungen und Zielsetzungen.

Unter 4 Mag Himmel sieht das z.B. für den schwachen Begleiter anders aus als unter 6 Mag Himmel.

Ach, da habe ich schon wieder ein Spiegelteleskop genannt, ein gutes, bestenfalls so gering wie möglich und so hoch wie nötig obstruiertes, Spiegelteleskop.
Bei großen Öffnungen fällt die Obstruktion eh kaum noch ins Gewicht (rein optisch gesehen), gerade wenn man bei Newtons oder MAK Newtons bleibt.

Bei Teleskopen kleiner als 4 Zoll ist aber auch beim Newton Obstruktion unter 30% linear kaum möglich oder sinnvoll machbar, daher sind eher 5 Zoll Öffnung aufwärts anzustreben und dann gibt es immer noch ein allgemeines Problem, die Fernrohrqualität an sich.


Immer wieder gibt es Beobachtungsberichte und Vergleiche, bei denen z.B. einem normalen Fraunhofer FH mit 80-90 mm Öffnung ein wesentlich helleres, kontrastreicheres Bild bescheinigt wird als einem 100er, 114er oder gar 130er Newton.

Eventuell ist da mal ein Qualitätsunterschied schon über den Preis sichtbar drin, aber längst nicht immer.

Dennoch fällt man dabei der Tatsache zum Opfer, dass kleine Newtons der Billigklasse (teure kleine Newtons gibts kaum noch, nur als Exoten) durch die Bank noch billiger und funktions hemmender zusammen geschustert werden als die allermeisten entsprechenden Refraktoren.

Schlechte Auslegung mit zu hohen Okularauszugstürmen und sonstige Unsinnigkeiten beschneiden den Strahlengang derart, dass nur noch ein Teil der Öffnung genutzt wird, 70% bis 80% Ausnutzung kommen da locker vor und dann haben wir natürlich mit einem für 100% Öffnung gedachten Fangspiegel schon mal locker 40 bis 50% Obstruktion. Jou das haut rein, kostet sichtbar Auflösung, Kontrast und richtig viel Licht, sodass man das deutlich bemerken kann.

Es git sicher z.B. 100er Tal Newtons, auch einige gute und bewährte 114/900er kann man sich anschauen, aber selbst das ist m.E. nicht mehr Stand der Technik und der Müll überwiegt bei den kleinen Newtons bis 130 mm Öffnung bei Weiten.

Man ist daher mit einem kleinen ED oder APO, im Spezialfall auch mit einem langen, fraunhoferlangen (!!!) Luftspaltachromaten besser aufgestellt.


Das ist schon alles und das theorieverbiegende Getöse um die grundsätzliche und massive obstruktionslose Überlegenheit ist damit eben nicht belegt.  Eher belegt ist die Leichtfertigkeit mit der angebliche Gesetzmäßigkeiten und tatsächliche optische Gegebenheiten sogar rechnerisch "bewiesen" werden, von denen bei gleichwertiger Optik wenig bis nichts übrig bleibt, außer dass es offensichtlich beinahe schon eine Gesetzmäßigkeit gibt, nach der man ein gutes optisches System durch miese Ausführung an seine Grenzen und darüber hinaus bringen muss.

Da hat dann jemand den angeblichen 130/650er Newton gekauft, sieht letztlich 90/650er Öffnung zu 40% + x obstruiert und bestätigt die miese Leistung im Vergleich sofort.

Darin die Bestätigung von Berechnungen zu sehen, die z.B. einen guten 80/460 mm APO über einen guten 130/650er Newton mit rund 30% Obstruktion heben, bleibt sehr speziellen Leuten vorbehalten. Der praktische Versuch bringt jedenfalls ein eindeutig anderes Ergebnis.

Ich weiß z.B., dass ein 110er ED so einen 130er Newton knackt. Selbst gesehen hab ich das noch nicht, aber das ist glaubhaft und absolut realistisch.  

Gib dem farbreinen und qualitativ guten Newton ein Zoll mehr Öffnung als dem entsprechend farbreinen Linsenteleskop und Du hast die Obstruktion überkompensiert. Das kann man sich an funktionsorientierten Selbstbauten wie meinem 114/660er jederzeit im Vergleich anschauen und es gibt auch inzwischen Kunde von 130/650er „Klorohr-Newtons“ die tatsächlich zeigen, was gegebene Öffnung und Qualität kann.

Ab 6 Zoll Öffnung wird das dann schon am Massen-Markt zunehmend besser.