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Weil dieses Gerät immer wieder in der Einsteigerberatung auftaucht, mal ein kurzer Leitfaden, wie sinnvolles Zubehör für erfolgreiche Beobachtung mit diesem Teleskop aussehen sollte.


Man kann diesen Leitfaden auch noch auf 6 Zoll F/6-8 oder auf 10/12 Zoll F/5 anwenden.


Ich beschränke mich auf die reine Teleskoperstausstattung, Karten, Stühle, Kleidung, Tuning bleiben zunächst außen vor, wie auch die spätere Vollausstattung, da hier die individuellen Anforderungen und selbst gemachte Erfahrungen zunehmend greifen.

 



Sucher sollten Finder sein:

Im Normalfall kommt der Dob mit einem optischen Geradsichtsucher 8x50, den man als Einsteiger nach Möglichkeit mit einem Peilsucher (Telrad, Rigel-Quickfinder, Leuchtpunktsucher-Red Dot)kombinieren sollte.
So ein Geradsichtsucher ist problematisch vom Einblick her, für mich ein wahrer Genickbrecher und Leute mit Rückenbeschwerden sollten vorsichtig sein, eventuell zu einem Winkelsucher greifen. Jedenfalls wird man gerade zu Beginn der Beobachterlaufbahn einen Peilsucher sehr schätzen, weil er längeren Einblick für Aufsuche mit dem optischen Sucher vermeidet, aber ab und zu auch einen Kontrollblick durch den vergrößernden optischen Sucher schätzen, denn viele helle DS-Objekte zeigen sich schon im großen Feld eines solchen vergrößernden Suchers.


Das Übersichtsokular:

Die Eintrittskarte zum Teleskophimmel, für mich das wichtigste Okular, denn was man nicht findet kann man nicht beobachten.
Diese Dobsons verfügen in aller Regel über einen OAZ mit 2 Zoll Steckmaß und das Übersichtsokular sollte dann auch 2" Steckmaß bieten, denn nur so lässt sich das mögliche große Gesichtsfeld auch erreichen, weil das maximale Feldblendenmaß eines 1 1/4 Zoll Okulars bei 27 mm endet und ein 2" Okular gute 47 mm bieten kann.

Sehr entscheidend ist auch die Wahl der richtigen AP (Austrittspupille) und die ist bei großem Feld und geringer Vergrößerung groß. 7 mm werden uns Menschen im Mittel als Maximum ausreichen aber dieses Maximum ist nicht unbedingt angesagt.
Hier greift ein zweiter Faktor und zwar die Himmelsqualität, welche im Mittel am bevorzugten Beobachtungsplatz erreichbar ist.
Diese Himmelsqualität, ausgedrückt in MAG lässt sich ungefähr ermitteln, indem man mit freiem Auge (ohne Hilfsmittel) ein Sternfeld betrachtet und schaut, welchen kleinsten/feinsten Stern (fst-finest star) man erkennt. Beliebt und bekannt ist die Polsequenz (Kleiner Wagen) und die reicht für die Ermittlung des passenden Übersichtsokulars auch locker aus.


http://www.home.uni-osnabrueck.de/ahaen ... htpol.html
Diese Ermittlung sollte in einer mondlosen Nacht geschehen, denn das sind die Nächte für Deepsky.
Zufällig ergibt sich eine Vergleichbarkeit der reinen Zahlenwerte. Unter einem 7 Mag Himmel kann man gewinnbringend ein Okular mit 7 mm AP einsetzen und unter 5 Mag Himmel sollte das Übersichtsokular etwa 5 mm AP liefern. Eine geringfügige Überschreitung des Wertes kann akzeptabel sein, gerade bei sehr guten Okularen, Unterschreitungen sind problemloser, führen aber häufig zu Feldverlust, da nur sehr langbrennweitige Okulare bis 30 mm Brennweite wirklich die volle Feldblende nutzen und das auch längst nicht in jedem Fall.
In unserem Beispiel 8" F/6 bietet ein 42 mm Okular 7 mm AP, ein 30 mm Okular 5 mm AP.
Erste Auswirkung einer an die Himmelsqualität angepassten AP ist die Vermeidung eines zu aufgehellten Himmelsgrundes beim Blick durch das Okular. Der Kontrast steigt, was das Erkennen schwacher, nebliger Objekte erleichtert. Hinzu kommt noch eine leichte Steigerung der Vergrößerung und so kann ein DS-Objekt die Schwelle der Erkennbarkeit für den Beobachter leichter überschreiten.
Dieses Übersichtsokular ist also das "Arbeitspferd" für die Aufsuche und das Genussokular für großflächige Objekte, Sternmuster, mehrere Objekte in einem Feld und Milchstraßenspaziergänge.
---Für Beobachtung schwacher, großflächiger Gasnebel mit entsprechenden Filtern (O III, UHC, Hß) wäre eventuell auch unter ungünstigen Bedingungen ein Okular mit maximaler AP die bessere Wahl, allein das sollte späteren Überlegungen und Käufen aufgrund eigener Erfahrungen vorbehalten sein, denn auch mit 5 mm AP sind solche Filter sehr gut einsetzbar. Auch der Sonderfall von zwei unterschiedlichen Standorten, also z.B. ein Balkon mit 4,5 Mag und ein Standort auf dem Acker bei 6 Mag kann ein Spezialfall für zwei Übersichtsokulare sein.---

Qualitätsmäßig sind am 8 Zoll F/6 Dobson das 31er Nagler, oder auch das 35er Pano ganz sicher das Maß der Dinge, leider auch vom Preis her.
Günstig und gut bis brauchbar ist die komplette "Erfle-Klasse", die geht schon bei einem Zehntel des Preises für ein neues 31er Nagler los. Das Mittelfeld dazwischen bietet reichliche Möglichkeiten.


Mittlere DS-Vergrößerungen:

An einem 8 Zoll F/6 Dobson man im Bereich zw. 20mm und 10 mm Okularbrennweite, also zw. 60 und 120fach sehr interessante Beobachtung im Deep Sky machen, sei es nun schon eine Detailvergrößerung eines großen und/oder hellen Objekts oder die Aufsuche und Sichtung schwacher Objekte.
Ein wenig kommt es hier schon darauf an, ob nun das Übersichtsokular 38 mm Brennweite oder 28 mm Brennweite hat, denn man sollte und will schon einen deutlichen Unterschied erkennen.

13-17 mm Okularbrennweite sollten hier passen, wenn es zunächst Mal nur ein einziges Okular werden soll und immer noch ist ein möglichst großes Eigengesichtsfeld wünschenswert.

Wieder ist ein Nagler eine sehr gute Wahl (inzwischen von den Ethos-Okularen übertroffen), Erfles durchaus okay, aber die Möglichkeiten vervielfältigen sich deutlich, zumal auch die Preise guter Okulare nicht mehr ganz so abschreckend sind.


Hochvergrößerung, Planeten und Deepsky:

3,5 mm bis 10 mm Okularbrennweite sind hier am 8 Zoll F/6 Dobson angemessen, wobei die häufig genannte Höchstvergrößerung von 2xD-Öffnung bei 400fach liegt, was mit einem 3 mm Okular erreicht wird.
Das muss aber erst Mal das Teleskop (Qualität/Justierung) und das Seeing hergeben, also rate ich, die Bälle hier zu Anfang flach zu halten, gerade wenn es nur ein oder zwei Okulare sein dürfen/sollen.
Sehr nett macht sich hier immer ein Zoom, wie z.B. das 8-5 mm Speers Waler oder auch ein Zoomset, weil einfach mit einem Okular, ohne Umstöpseln, ein erheblicher Vergrößerungsbereich abgedeckt wird. Das erlaubt von Anfang an, sich an die teleskop-, seeing- und Objektverträgliche Maximalvergrößerung heranzutasten und man muss nicht von allen Brennweiten eine Festbrennweite kaufen, mit dem Risiko, dass so ein Okular dann nicht zu den eigenen Ansprüchen passt. Ohnehin werden solche Einzelkäufe in der Summe meistens eher teurer.

Wenn es zunächst eine Festbrennweite sein soll, sind 6-7 mm ganz nett, bei zwei Möglichkeiten wären eher 9 mm und 5-6 mm sinnvoll. Wieder ist Rücksicht auf das nächstgelegene Okular zu nehmen. Ist es z.B. ein 17mm Okular, wird man die schmerzliche Lücke zu 7 mm schneller schließen wollen als wenn ein 13 mm Okular vorhanden ist.


Es läuft also letztlich auf drei bis vier Okulare zum Einstieg hinaus und die genannte Brennweitenstaffelung weist Lücken auf, die man nach eingen erkannten Bedürfnissen schließen kann, aber nicht muss. Ich kenne z.B. viele Beobachter, die langfristig kein Okular zw. 30 mm und 16 mm Brennweite vermissen.
Ganz wichtig ist mir dieser Link:
http://www.svenwienstein.de/HTML/okular ... obson.html
wobei bereits einige neuere Okulare und/oder Lables fehlen, was zu dieser Betrachtung überleitet:
http://www.astrotreff-deep-sky.de/okula ... t4550.html


Wichtige Filter:

1. SONNENFILTER, sinnvoll nur als Objektivschutzfilter und günsitg aus Baader-Sonnenschutzfolie Astro-Solar-visuell im Selbstbau herzustellen.

2. Neutrale LICHTDÄMPFUNGSFILTER, entweder als Graufilter in verschiednen Durchlassstufen (ND 9 zum Einstieg) oder als variabler Polfilter erhältlich.
Solche Filter sind für die ambitionierte Mond und Planetenbeobachtung an einem 8" Newton m.E. unentbehrlich, da selten so gutes Seeing herrscht, dass man nahe oder an der Maximalvergrößerung beobachten kann. Andererseits reicht die Lichtsammelleistung locker aus, um schon bei 0,8 mm oder 1 mm AP Blendung und/oder Detailüberstrahlung auszulösen, was die Erkennung vorhandener Details erschwert bis unmöglich macht. Das Fehlen einer sochen Lichtdämpfung ist, neben unzureichender Justierung, ein Hauptgrund für die Mähr vom Newton als Lichteimer ohne Planetenqualitäten.

2. NEBELFILTER (O III, UHC, Hß sind entscheidende Hilfsmittel bei der Beobachtung von Emmissionsnebeln (GN/PN) und ihre Nutzung ist am Teleskop mit 8 Zoll Öffnung sehr empfehlenswert, allerdings auch ein sehr komplexes Spezialgebiet in dem man sich austoben kann oder auch nicht. Als Erstanschaffung und fürs "Reinschnuppern" empfiehlt sich (zumindest unter ungünstigen Bedingungen) ein harter/enger O III, unter guten Bedingungen hat auch ein guter UHC seinen Reiz.
Da gerade die schönsten und spektakulärsten dieser Objekte mit erheblicher Flächenausdehnung glänzen und auch größere AP erfordern, sollte es unbedingt die 2" Ausführung des Filters sein, na klar, die ist teurer.

So liegen wir also mit dem Einsteigerdobson bei 400 € Neupreis und legen für eine solide Erstausstattung nochmal mindestens 300-400 € dazu, die sich problemlos verdoppeln lassen. Das ist erforderlich, wenn wir das Leistungsvermögen dieser Geräte sehen wollen, welches sich mit dem üblichen Beipack gerade Mal ankratzen lässt.

Den Beipack kann man zunächst mal integrieren oder man kann versuchen, ihn beim Kauf gleich einzutauschen, ohne allzugroße Erwartungen in den erzielbaren Preisvorteil zu setzen.
Selbst dann, wenn das Geld locker sitzt, warne ich vor sehr teuren Einsteiger-Vollausstattungen. Wer die eigenen Bedürfnisse und Anforderungen (z.B. an Gesichtsfeld, Augenabstand, Einblickverhalten pp) nicht kennt, kann auch sehr teuer sehr weit daneben liegen.

Der Gebrauchtmarkt ist hart und gibt selten mehr als 50-70% des Neupreises her. Das ist für (Fehlkauf-)Verkäufer ärgerlich, für umsichtige Käufer eine gute Option.