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Nebelfilter

Grundsätzliches gibt es erst Mal da
http://www.svenwienstein.de/HTML/nebelfilter.html
verfeinert und sehr lesenswert da
http://www.svenwienstein...ebelfilter_visuell.html

und da linkt man dann hin. Das sollte eigentlich verständlich und klar sein, aber das ist es ganz offensichtlich eben doch nicht.

(Eigentlich will ich ohne solche Verweise auf andere Quellen auskommen, mich auf meine praktischen Ergebnisse beschränken, aber diese Links, besonders der zweite, sind unerlässlich, weil nach meiner Meinung das Beste was zu diesem Thema je veröffentlicht wurde. Die Herangehensweise ist praxisbezogen und einzigartig)



Nix klar, weil die in den Links enthaltenen Infos nun mal auch erschlagend wirken können, weil forenübergreifend und literaturübergreifend immer wieder unterschiedlichste Meinungen zu finden sind und man nicht weiß, wem, wer oder was…..und ganz ehrlich, eigentlich will man wissen, welchen Filter man denn nun unbesehen kaufen kann, damit man diese Nebel endlich mal überhaupt oder besser noch in voller Pracht sehen kann.
Können diese selbst ernannten Fachleute nicht einfach mal sagen, kauf Dir das und sei glücklich? Nein, immer dieses herum Gerede mit tausend Mal wenn und aber.

Ich bin nun kein Fachmann, ich bin Freak, genauer gesagt Nebelfreak, immer auf der Jagd nach dem besten Ausblick auf irgend so ein Emissionsgewölk von dem man normaler Weise gar nichts sieht, ein einigen Fällen ein klein wenig und nur in einer handvoll von Fällen schon ohne Filter ein respektables Objekt.

Ich mache das nun schon eine kleine Ewigkeit und muss inzwischen sagen, dass diese simple Frage nach dem besten Filter nicht zu beantworten ist, ganz einfach weil sie völlig falsch gestellt ist.
Das ist gar keine Kritik, denn ich habe sie auch schon gestellt und mir zwischendurch sogar Mal eingebildet, ich wüsste die Antwort. Einbildung ist auch eine Art von Bildung.

Grundsätzlich stimmt, dass man für die Beobachtung von Emissionsnebeln einen Filter wählen sollte, der auf der Linie der Emission möglichst hohen Durchlass bietet und alles restliche Licht möglichst stark blockt. 100% Durchlass auf der Linie sind damit schon mal ausgeschlossen und über 90% höllisch schwer zu erreichen, da die Bedampfung mit den Filterschichten auf höchstem technischem Niveau erfolgen muss und das wird teuer. Eine Kausalkette die uns Hobbyastronomen sattsam bekannt ist und nicht selten eine Gratwanderung zwischen Verzicht und Ruin heraufbeschwört. Der Mittelweg ist nicht leicht zu finden und bedeutet beim Thema Filter, wenn man da zum Freak wird, schlicht auf Zeit zu spielen und die Dinge nacheinander anzugehen.

Ich greife vor, also zurück zu den Anforderungen, denn nicht immer ist Nebel und sonst möglichst nichts das allein sinnvolle Ziel. Ein Mix aus Sternen und Nebel ist am Himmel nicht selten, auch für das Auge häufig angenehmer, einfach schöner. Außerdem entspricht dieser Mix viel mehr den realen Gegebenheiten und darauf kommt es uns bei der visuellen Beobachtung ja auch ein wenig an. Dann haben wir auch häufig noch Reflektionsnebel im Bereich der großen Nebel, Gas- und Staubwolken, welche vom Licht eingebetteter oder abseits stehender Sterne nur beleuchtet und nicht selbst angeregt werden. Diese Reflektionsnebel werden von engen Filtern schlicht ausgeknipst. Starhopping ohne Sterne ist außerdem etwas abstrakt und praktisch undurchführbar.

Ein weiteres Problem ist, dass diese Nebelchen sich nun mal fast durch die Bank nicht an eine Emissionslinie halten, sodass man einen Durchlass auf gleich drei Linien bräuchte. Das auch noch jeweils ganz eng gibt es nicht auf ein Filtergläschen gedampft, da muss man schlicht breitere Wege zu den Transmissionsspitzen gehen, wenn man alles sehen will.

Noch etwas ist wichtig und das ist der Standort. Je dunkler ein Standort ist, um so mehr kann ein Nebelfilter zeigen. Es ist schlicht und ergreifend so, dass man zwar mit einem harten O III Filter an einem ungünstigen, weil stör- und streulichtverseuchten Standort, z.B. den dort ohne Filter nicht sichtbaren großen Orionnebel (M 42) noch sichtbar machen kann, aber niemals werden wir den Anblick des Nebels so hinbekommen wie das an einem besseren Standort möglich wäre.
Jeder Filter setzt bei der am Standort gegebenen Sterngrenzgröße an, kein Filter kann den Unterschied zwischen 6 Mag Himmel und 5 mag Himmel ausgleichen.
Hat man nun aber einen sehr guten Himmel, na sagen wir mal 6,5 Mag und mehr, dann muss man aufgrund der explodierenden Sternenzahl die da sichtbar wird, erst mal die Leitsternbilder suchen und kann dann an seinen Lieblingsnebelchen erleben, dass ein harter O III völlig unnötig ist, ja geradezu unästhetisch, weil er nicht mehr Nebel rausholen kann als eh schon da ist, aber eben dem Sternenmeer die Schaumkronen nimmt, ein geradezu ödes Bild.
Hier kann ein so genannter LPS oder CLS Filter, so genannte Stadtlichtfilter das beste Mittel der Wahl sein und der bringt eben in der Stadt so gut wie nix bis wirklich überhaupt nix.
Verkehrte Welt? Nein, falsche Webung.

Eine durchaus große und beachtenswerte Gruppe von Nebeln stellen die Vertreter der kleinen, hellen PNs dar und ich erwähne sie hier, weil sie auch dem Beobachter unter ungünstigen, aufgehellten Bedingungen, z.B. am Stadtrand, mit entsprechenden Filtern durchaus lohnenswerte Beobachtungsziele bieten. Siue brauchen hohe Vergrößerungen, oft um überhaupt Fläche und damit Erkennbarkeit zu bieten, aber auch größere, bekanntere Kandidaten lassen sehr hohe Vergrößerungen zu und damit wird halt der Hintergrund schon über die AP schwarz/dunkel genug für interessante Beobachtungen.


Wie wird nun, unter solchen Vorzeichen, aus einem Einsteiger mit seinem 114/900er ein Nebelfreak und wie stattet er sich mit Filtern aus?

Zunächst einmal faszinierte der Orion Nebel schon ohne Filter und das tut er auch immer noch. Alle Nebel die hell genug sind, schon ohne Filter unter seinen annehmbaren Bedingungen mit 5-6 Mag Himmelsqualität gut sichtbar zu sein, faszinieren.
Dennoch wird zunächst ein Astronomik O III und dann ein Astronomik UHC in 1 ¼“ angeschafft. Die Nebel verändern sich beim Einsatz der Filter, Strukturen heben sich hervor, andere verblassen, die Nebelausdehnung wächst, UHC und O III bringen deutlich unterschiedliche Anblicke.
Was ist besser? Das ist für mich nicht die richtige Frage denn der Reiz liegt in den Unterschieden. Es gibt Listen nach dem Motto + ist gut, - ist schlecht, das trifft aber nur teilweise zu, manchmal nach meinem Geschmack sogar gar nicht. Häufig ist das reine Interpretationssache und auch Sache der beim Test verwendeten Öffnung und der herrschenden Himmelsqualität.
Leicht ist festzustellen, dass unter etwas Mondlichtstörung oder sonstigen aufgehellten Bedingungen der O III das Objekt besser zeigt, während auf dem dunklen Acker der durchlässigere UHC beeindruckt. Selbst ein CLS-Filter von Astronomik, der eigentlich fürs Fernglas angeschafft wurde, kann unter besten Bedingungen (+ 6 Mag) am Fernrohr überzeugen, wenn es um einen sterngesprenkelten Nebelhauch geht.
Weitere Objekte, ohne Filter nicht erreichbar, kommen hinzu, Schemen von Nichts oder einfach auch kleine planetarische Nebel, die sich mit hoher Vergrößerung herausblinken lassen, weil Sterne verblassen, während die Nebel heller werden und Fläche gewinnen.
Oops, der Freak träumt, denn die Nebel werden nicht heller, sie halten die Helligkeit. Nichts wird durch einen Filter heller. So fällt denn auch auf, dass dem O III beim Hochvergrößern sehr schnell auch das Nebellicht ausgeht, während der UHC dann noch gut einsetzbar ist. Alles eine Sache der AP und der grundsätzlichen Helligkeit des Objekts.

So weit, so gut, der 114er hat ausgedient, ein 8“ F/6 Dobson setzt neue Maßstäbe und ein paar Versuche mit, auf das neue 2“ Übersichtsokular aufgelegten, Filtern (zwischen Augenlinse und Auge) machen schnell klar, dass ein 2“ Filter dringend benötigt wird.
Störlicht, Streulicht, schlechte Filterwirkung bei schräg auftreffendem Licht, es geht, aber gut ist anders und der Freak braucht das nun Mal gut, wozu sonst ist der 8zöllige Lichtgigant den gut?
Schnell muss er her, hart muss er sein, Cirrus, Nordamerika, Helix warten schon.
Baader O III ist erste Wahl und eröffnet, kaum angekommen, neue An- und Einsichten.
Da bleibt dem Nebelfreak glatt die Spucke weg. Öffnung satt plus wirklich harte Filterung, da greift die Knochenhand des Cirrus geradezu nach dem Auge und die gedrehten Stränge des benachbarten Sturmvogels sieht man zum ersten Mal wirklich. So viele Nebel gewinnen dramatisch an Substanz, dass der 8-Zöller fast über eine komplette Saison dauerhaft mit dem Übersichtsokular und dem 2“ O III Filter bestückt bleibt. Alles andere wird zur Nebensache.

Eigentlich erst mit dem Aufsatteln einen 4“ Richfielders rücken die 1 ¼“ Filter wieder richtig ins Blickfeld, denn so cool der komplette Cirruskomplex oder auch Nordamerika + Pelikan mit dem Übersichtsokular und dem harten Baader O III auch rüberkommen, so oft Ungläubige davon überzeugt werden können, dass 4“ Öffnung und ein harter O III sich eben nicht ausschließen, der direkte Wechsel vom 8-Zöller auf den 4-Zöller ohne Okularwechsel ist hochinteressant.
Dabei fällt auf, dass am 4-Zöller ein 22er LVW + Astronomik O III oder gar Astronomik UHC äußerst lecker kommt. Es wird fleißig hin und her gewechselt und so reift die Einsicht, dass es sehr auf AP und Objekt ankommt, welcher der Filter nun die besten Anblicke zeigt, man kann sich nächtelang mit unterschiedlichen Okular-Filterkombinationen durch die verschiedensten Nebel hangeln und so mache ebenso unverhoffte wie geniale An- und Einsicht genießen.
Es wundert nicht mehr, dass manche Leute mit nur einem Filter das eine oder andere Objekt als nichts sagend abtun, während man selbst da so ganz anderer Meinung ist, beziehungsweise wird.
Von solchen Erkenntnissen bis zur Anschaffung weiterer Filter in 2“ sind es nur ein kleine Schritte, die auch nicht immer mit großen Kosten verbunden sein müssen.
2“ Filter sind zwar nicht für jeden Nebel erforderlich, eher für die Wenigsten, aber genau diese Wenigen sind auch die Paradeobjekte. man kann sie mühelos über die Reduzierung auch für 1 ¼“ Okulare bis zu sehr hohen Vergrößerungen, wie sie viele PNs zulassen einsetzen, umgekehrt geht das nicht.
Zwar sind teure Filter meistens etwas enger und sind mit höherer Transmission auf den Linien gesegnet, aber auch manches günstige Produkt mit breiterer Charakteristik hat seine Berechtigung. Einzig die Qualität eines Filters an sich ist nicht nur, aber doch in stärkerem Maße bei günstigen Produkten fraglich, aber inzwischen ist die Erfahrung da, solche Matschfilter zu erkennen und ein etwas aufgepepptes Astromedia Handspektroskop dient ersten, grundsätzlichen Tauglichkeitstests durchaus ausreichend.
Der Nebelfreak hat enge und harte Filter sowohl als O III als auch als UHC, einzig bei H-Beta nutzt nur gnadenlos enger Durchlass bei visueller Beobachtung, denn sinkt die Empfindlichkeit des Auges ohnehin auf runde 20% und da ist Störlicht einfach Gift. Knallig helle Nebelwolken kann man also bei H-Beta von vorne herein vergessen.

Der Nebelfreak hat fertig und wieder diese tausend wenn und aber gebracht. Immerhin ist das ein Versuch, die Schwierigkeit zu erklären, die ihm die simple Frage nach DEM Filter einfach bereiten muss.

Ich denke, als Anhaltspunkt und Empfehlung für den ERSTFILTER unter ungünstigen Bedingungen bis 5 Mag auf jeden Fall an einen harten O III.
Kann man auch 5-6 Mag erreichen, ist ein etwas weicherer O III keine ganz schlechte Idee.
Nahe 6 Mag und darüber kann man als Erstfilter durchaus einen guten, engen UHC nehmen.

Alles Weitere ergibt sich oder auch nicht, denn diese Nebel, abseits der Standardobjekte wie Orionnebel, Hantelnebel, Schwan, Ring und Lagune müssen nicht süchtig machen, sie können.
Erst jenseits dieser Standardobjekte und unter einigermaßen guten Bedingungen (+5 Mag) werden mehrere Filter zunehmend interessant bis unentbehrlich.
Unnötig zu erwähnen, dass auch Öffnung immer gut kommt, wobei für mich ganz eindeutig klar ist, dass ich als Nebelfreak meinen neuen 12-Zöller wirklich sehr schätze, aber eben nur, weil da noch ein 6-Zöller für großes Feld eingebaut ist. Die beiden wichtigen Eigenschaften für einen Nebelfreak sind nun mal großes Feld und große Öffnung, das beißt sich gewaltig und ist nur über zwei Teleskope oder eben zwei in Einem zu lösen.


Nun gut, gehen wir das Thema mal etwas produktorientierter an und die einzelnen Typen durch.
Es geht rein um die visuelle Beobachtung.
Schon vor den langen Text setze ich die Tatsache, dass sich meine Erfahrungen und nur die kann ich hier bringen, fast punktgenau in der Balkengrafik von Sven zur Transmissionswertung niederschlagen. Ein erstaunliches Ergebnis, welches aber eigentlich nicht überraschen kann, weil eben Beobachtung und Theorie/Messung sich bestätigen.

Harte O III Filter:

Hier entscheidet zunächst mal der rote Balken in der Grafik, der ist ohnehin weit wichtiger als seine bescheidene Länge gegenüber den Transmissionsbalken glauben machen könnte, bei diesem roten Balken entscheiden kleinste Unterschiede.
Hart im Sinne von wirklich eng sind nur der Baader O III und der Thousant Oaks.
Beide spielen in einer Liga und die etwas längeren Transmissionsbalken des TO haben eventuell für einen sehr versierten Beobachter schon ausgereicht, um diesem Filter den Vorzug vor allen anderen O III filtern, auch dem Baader zu geben.
Hier spielen aber auch die Bedingungen und die Vorlieben des Beobachters eine Rolle, eventuell sogar Serienschwankungen, wie sie z.B. auch ein Bekannter erlebt hat, bei dem erst der dritte gelieferte Baader O III das brachte, was er zuvor schon vom Baader gewohnt war.
Der Baader ist nun nicht der teuerste O III, aber bei Weitem nicht der billigste, eigene Tests zeigen, dass solche Ausrutscher eigentlich eher selten sein sollten, aber es gibt offensichtlich und belegt Unterschiede. Auch mein Baader O III weicht leicht von den anderen einem kleinen Astromedia Spektroskop Test unterzogenen Filtern ab, ist aber sehr gut. Dieser Test mit dem simplen Astromedia Spektroskop reich bei Weitem nicht an die Qualität richtiger Messungen heran, erlaubt aber doch eine grobe Einschätzung des aktuell vorliegenden Filters und deckt sich erstaunlich gut mit den Messungen und Grafiken die Sven vorstellt.

Wie kommen nun die so höchst unterschiedlichen Meinungen zu diesen harten Brocken zustande?
Ein harter O III ist definitiv an den allermeisten Objekten nur für große AP gedacht und bringt da den größten Gewinn. Damit kann man unter schlechten Bedingungen z.B. einen M 42 (Orionnebel) überhaupt erst sichtbar machen oder den Cirrus unter mittleren Bedingungen fast in voller Pracht sehen. Unter guten Bedingungen liefert er z.B. am Orionnebel oder auch am Ringnebel nur ein anderes Bild, welches man nicht als besser empfinden muss, während er z.B. den Crescent Nebel fassbar macht.
Das alles ist natürlich auch immer öffnungsbezogen also abhängig von Lichtsammelleistung und Auflösung. Der Filter bringt sowohl am 80er ED als auch am 12“ Dobson was er bringen soll, seine Leistung hängt nicht von der Öffnung ab. Der Beobachter hingegen hängt mit seiner Wahrnehmung an der Öffnung und an der möglichen AP.
Verwendet er also am 80er ED oder auch am 114/900er das übliche 32er Übersichtsokular hängt er bei 4 mm oder knapp unter 5 mm AP fest und Vergrößerungen von knapp 20fach bis 30fach sind auch nur bei wirklich flächigen Objekten aussagekräftig.
Selbst wenn die Ausstattung 7 mm AP zulässt, wie das z.B. bei Richfieldern 100/600 mit einem 42er Okulare der Fall ist, haben wir zwar volle AP, aber nur etwa 15fache Vergrößerung anliegen. Dafür gibt es nur eine handvoll Objekte und die muss man eben mögen, um sich daran zu erfreuen. Gerade diese Handvoll großer, heller Objekte sind allerdings auch die Parade- und Vorzeigenebel, die nicht nur Nebelfreaks in freudiges Erstaunen versetzen können. Nun kann man daran gehen, zu ergründen, ob das Bild auch mit 5 mm AP oder sogar darunter noch passt, oder ob es zu dunkel wird.
Dazu muss man einfach wissen, dass mit der Abdunklung des Hintergrundes (zu kleinerer AP hin) auch eine Verteilung der Nebelhelligkeit auf eine größere Fläche einher geht, also wird auch der Nebel dunkler.
Je mehr Öffnung uns zur Verfügung steht, umso größer ist also der Nebel bei gegebener Helligkeit mit gleicher AP. Öffnungsunabhängig bleibt Hintergrund- und Objekthelligkeit bei gleicher AP immer gleich, die veränderte Wahrnehmung erfolgt über Objektgröße und Auflösung (das ist immer so, auch bei Sternen).
Bei kleiner Öffnung entscheiden also die Herangehensweise und die Erwartungshaltung, nicht die Untauglichkeit solcher Filter über Wohl und Wehe.
Auch mit großer Öffnung geht uns also mit steigender Vergrößerung an einem Objekt irgendwann das Licht aus, weil es sich eben auf immer größere Fläche verteilt. Mit einem harten O III gehe ich objektabhängig bis etwa 3 mm AP runter, selten weiter (Ausnahmen bestätigen die Regel) und häufig ist schon spätestens bei 4 mm AP der Wechsel zum weicheren O III angesagt.

Mittelharte O III Filter:

Aus eigener Erfahrung kann ich hier nur den Lumicon O III nennen, der neu und mit härterer Charakteristik aufgelegte Astronomik O III dürfte sich einreihen (nicht selbst getestet, sondern Vermutung).

Man beachte, wie wenig sich der rote Balken bei Sven verschiebt, dennoch kommt da schon sehr viel mehr Störlicht durch, dafür ist auch die Transmission auf den Linien merklich höher. Diese Filter schlucken schon deutlich weniger Sternenlicht und sind unter grundsätzlichen Beobachtungsbedingungen über 5 Mag wirklich eine Empfehlung, gerade wenn man nur auf einen einzigen O III Filter abzielt und/oder das Okular mit der großen AP (über 6 mm) einfach nicht an den Start bringen will, weil man mit dem Okular für 5 mm AP alles hat, was man braucht. Es bleiben mehr Sterne als bei den ganz harten Sachen und man wird nicht immer das allerletzte Detail aus der Anwendung in der Übersicht herausholen können, dafür kann man auch zu der kleineren AP und damit zu mehr Vergrößerung und mehr Auflösung hin etwas schieben.
Nicht nur für kleine Öffnungen ergeben sich mehr Spielräume.


Weiche O III Filter:

Alles was bisher nicht genannt wurde fällt, soweit bekannt, in diese Kategorie, unabhängig von Preis und Leistung.
Der Televue O III ist ein sehr breiter Geselle und er matscht. Dazu ist er noch teuer, auch Televue ist also in der Lage, Murks zu produzieren. Nur unter sehr guten Bedingungen ist ihm ein ordentliches Bild zu entlocken, hohe Vergrößerungen mag er nicht.
Astronomik (alt mit breiterem Durchlass) und Castell O III spielen für mich an meinen Teleskopen in einer Liga und das bestätigt das Balkenlager von Sven ebenso wie der Astromedia-Test. Dumm nur, dass der Castel wegen Lieferung einer miserablen Charge zumindest vorläufig eingestampft wurde. Diese Schwankungen von gut bis unbrauchbar bei einem einzigen Produkt ziehen sich einfach durch das Thema, wobei die günstigen Filter sicher etwas häufiger betroffen sind.
Bleiben die restlichen Kandidaten und es ist schon mehr als eine Vermutung, dass die preisgünstigen Filter von einen, eventuell von zwei Bändern bei fernöstlichen Herstellern fallen und nach Kundenwunsch bedruckt werden. Da hilft nur, selbst zu testen und notfalls vom Kauf zurück zu treten, denn die Qualitätskontrolle wird nicht immer (siehe Castell) aber doch oft genug dem Endkunden überlassen.
Unnütz sind solche Filter mit breitem Durchlass keinesfalls, denn man kann damit eben auch noch mit 4 mm AP abwärts aus so manchem Objekt noch jede Menge herausholen, auch unter guten Bedingungen und mit großer AP bleiben viel mehr Sterne übrig und so ergibt sich eben an Mischobjekten aus Sternen und Nebel sehr häufig der beste Anblick.
Hier ist aber auch der Übergang zu den UHC-Filtern fließend und für Sparfüchse interessant.



UHC Filter:

Diese Filter sollte für den visuellen Einsatz neben den beiden O III Linien noch die H-Beta Linie mitnehmen.
Die fotografisch sicher interessanten Linien im Roten (H-alpha) sind hier völlig uninteressant, da visuell nicht sichtbar, bzw. nur mit extrem engen und teuren Filterkombinationen für die Sonnenbeobachtung in diesem Bereich verfügbar zu machen, weil die Intensität hoch genug ist.
Also H-Beta und man sollte einen UHC-Filter nicht kaufen, um nun den Pferdekopf mit 5“ Öffnung prächtig herausholen zu wollen, oder auch den California-Nebel, wobei der unter guten Bedingungen und mit großer AP eventuell so zu knacken sein kann. Der Gewinn an reinen H-Beta Objekten ist meistens recht gering und stellt sich zunehmend aber schleppend mit größeren Teleskopöffnungen ein.
Ein UHC Filter nimmt diese Linie noch mit, je enger, umso besser, aber ganz eng geht halt hier nicht. Man sieht eher an Standardobjekten wie dem Orionnebel, dass sich da deutlich Veränderungen gegenüber O III oder auch der Beobachtung ganz ohne Filter ergeben. Wieder sind es Veränderungen die man nicht besser finden muss, aber durchaus besser finden kann. Auch viele planetarische Nebel reagieren hier gut. Nochmals können wir objektabhängig (Mischobjekte bevorzugt) mit der Vergrößerung höher gehen, also kleinere AP anwenden als bei den O III Filtern bevor uns das Licht ausgeht.

Wenn es überhaupt einen „harten“ UHC gibt, so ist es der Lumicon UHC, mit dem wirklich hervorragende Beobachtungen unter annehmbaren bis guten Bedingungen möglich sind.
Aus der Balkengrafik von Sven geht hervor, dass dieser Filter manchen weichen O III bezüglich der Störlichtunterdrückung übertrifft und die Linien mit hoher Transmission erfasst. Auch die simple Astromediaspielerei macht klar, dass dieser gute UHC recht eng auf die drei relevanten Linien abgestimmt ist, so eng, wie ein UHC nur sein kann und enger als z.B. der Televue O III für seinen Bereich.
Relativ nahe dran sind Thousant Oaks und Meade Narrowband (= UHC), aber die kenne ich nicht persönlich und ab da kommt schon die Überleitung zu den

breiter ausgelegten UHC-Filtern

die halt nochmals mehr Störlicht durchlassen, nochmals höhere Vergrößerungen brauchen, um einen dunklen Himmelsgrund unter nicht so günstigen Bedingungen zu erzeugen, was nichts anderes heißt, als dass sie unter schlechten Bedingungen und mit großer AP ziemlich wirkungslos bleiben. Das sind schon Filter für speziellere Fälle und Anwendungen, keine Universalgenies, wie es manche Werbung gerne hätte.
Solche Filter setzt man richtig, wenn mindestens ein O III vorhanden ist.

Der Televue und der Orbinar, spätestens aber Astronomik und Baader UHC-E leiten für mich zu den so genannten Deep-Sky Filtern über, die oft fälschlich als Stadtlichtfilter beworben, lediglich an sehr guten Standorten letzte Reste von Störlicht dämpfen können, dann aber fast keine Sterne mehr kosten und dem Nebel etwas mehr Kontrast verleihen.

Solche Deep-Sky Filter (auch UHC) machen sich gut an Ferngläsern, bereits einseitig und ab 8x40 oder 7x50 geht das los, das Hirn rechnet das unterschiedliche Bild beider Augen schon passend. Der Baader Skyglow macht sich ganz gut am Planeten, Jupiter in giftigen Falschfarben aber auch für manche Details mit deutlicher Kontrastanhebung (der Astronomik CLS kann da auch was). Dafür muss man diese Teile m.E. nicht kaufen, Spielereien mit vorhandenem Equipment gehören halt dazu.

H-Beta-Filter:

Der reine H-Beta Filter ist für die visuelle Beobachtung sehr speziell, es gibt nur wenige Paradeobjekte, wie den Pferdekopf und den California-Nebel.
Die Empfindlichkeit des menschlichen Auges sinkt hier bereits rapide und selbst unter landläufig guten Bedingungen setze ich Mal 8“ Öffnung als Minimum an, um mit so einem Filter Spaß zu haben.
H-Beta Beobachtung ist grau vor schwarzem Grund, knallige Helligkeit darf nicht erwartet werden. Wieder ist es M 42/43, an dem man seine Wirkung gut testen kann, denn von diesem Mischobjekt bleibt genug übrig um zu zeigen, was H-Beta Beobachtung bedeutet. Wenn ich rund um den Bruststern des Schwans interessante Nebel sichte sieht schon ein Mitbeobachter eher nichts, wenn ich den California-Nebel gut strukturiert bezeichne kommt von ihm eher die Aussage, dass da eventuell was sein könnte. Öffnung, Erfahrung, Geduld, einlesen in das Objekt, Teleskopwackeln, absolute Störlichtabschirmung der Augen, volle Dunkeladaption, das alles gehört bei H-Beta noch zwingender dazu als bei jeder anderen Beobachtung.
Am Pferdekopf habe ich mir mit 8“ die Zähen ausgebissen, ein/zwei Mal den Hauch eines Lochs in der schwachen Nebelbank auf der das Pferdchen grast. Mit dem neuen 12-Zoller nicht besser, aber die guten Bedingungen fehlten bisher. Gute Bedingungen bedeuten nicht nur dunkeln Himmel, sondern in dem Fall auch beste Transparenz und einen möglichst hohen Stand des Objekts über dem Horizont.
So etwas findet man z.B. in der ersten klaren Nacht nach wochenlangem Dauerregen (kein Staub). Dann noch Neumond ein Standort für 6mag + x .
Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Das ist alles, was ich erfahren und beobachtet habe kann helfen, mit dem hervorragenden Artikel von Sven eventuell etwas besser umgehen.
Die eigene Entscheidung nimmt das immer noch niemandem ab und das ist auch gut so.
Erwartungen, Anforderungen und Ansprüche, auch der Visus der Menschen und ihre Herangehensweisen, all das ist nun mal sinnvoller Weise verschieden.