Erste Voraussetzung für einen guten Newton ist sein guter Justierzustand.

Egal wie gut oder schlecht das Spiegelset ist, nur wenn es einen 100prozentig justierten Verbund im Teleskop ergibt, kann es seine, ihm gegebenen, 100% Leistung bringen.

Da wird viel verschenkt, trotz Cheshire, Laser, Concenter, Filmdose. Alles mittig, konzentrisch, rund und blabla..., so weit so gut, warum klappt das oft nicht oder nur mit Kompromissen? Um aufzuzeigen, wo es hakt, nehme ich nun mal das Justiermittel heraus, bei dem die Fehler am anschaulichsten werden und mit dem es wegen vorgegebener Fehler auch (genau aus diesem Grund) zu Problemen kommen kann.

 

Das Concenter ist im Prinzip eine einfache Lochkamera und wenn man durch das Loch schaut, sieht man runde, in eine durchsichtige Plexiglasscheibe eingeätzte Kreise, hinter denen man dann sowohl Fangspiegel als auch Hauptspiegel sehr deutlich und in ihrer jeweiligen Lage zum OAZ sieht. Alles rund und mittig einlochen und gut, jau....denkste, geht oft nicht. Hat man den Fangspiegel rund, kriegt man den Hauptspiegel nicht drunter, kriegt man den Hauptspiegel drunter ist der Fangspiegel wieder oval und so weiter.

Der Grund dafür ist simpel, denn das kann nur bei exakter Ausrichtung aller Komponenten auf die optische Achse, welche auch noch mittig durch den Tubus (oder das Gitterrohr) laufen muss, funktionieren. Im Einzelnen beginnt das beim Okularauszug.

 

    

 

Als erste Maßnahme muss der Okiularauszug exakt auf den gegenüberliegenden Punkt der Tubuswand ausgerichtet werden, wenn (beim Gitterrohr mit Monoring) kein Tubus da ist, muss man sich behelfsmäßig etwas genau da hin konstruieren. Nun gilt es, nicht etwa die Basis, sondern die Mitte des Auszugsrohres exakt auf diesen Punkt zu richten. Man nimmt also ein Maßband, misst ihn ein und markiert ihn. Dann richtet man mit dem Concenter oder einem justierten Laser im Okulaarauszug den Okularauszug genau auf diesen Punkt ein, wozu man meistens an der Basis unterlegen, seltener Einstellungen an der Basis des Okularauszugs vornehmen kann. Wichtig ist es, wie gesagt, das über das Okularaufnahmerohr des Okularauszugs zu prüfen und nicht nur die Basis einzurichten, denn auch ein mechanisch gut aussehender Okularausszug muss nicht zwingend gerade laufen, kann ein etwas verkipptes Auszugsrohr haben. Untauglich sind lediglich Okularauszüge bei denen das Auszugsrohr krumm ist oder die Abweichung zu extrem ausfällt. Gut gelungen ist die Sache, wenn der Okularauszug in allen Auszugsstellungen am Punkt bleibt. Nur wenn dieser erste Schritt erfolgt ist, kann ein Fangspiegel exakt im 90° Winkel und ohne seitliche Verdrehung exakt auf den Hauptspiegel treffen.

 

Die zweite, wichtige Voraussetzung dafür ist, dass Offset berücksichtigt werden kann. Unter diesen beiden Voraussetzungen könnt ihr nun hergehen und den Fangspiegel montieren. Bei mit Offset geklebten Spiegeln wird die Spinne mittig im Tubus eingemessen. Dann muss lediglich der Fangspiegel rund und mittig im Okularauszug erscheinen. Ist der Spiegel rund, was im Chesire sehr gut und im Concenter mit erschreckender Genauigkeit zu sehen ist, dann haben wir vom Okulaarauszug bis zum Fangspiegel die exakte optische Achse mit 90° abgewinkeltem Fangspiegel und auch ohne seitliche Verkippung. Bei mittig unter der Fangspiegel-Spinne montierten Fassungen für den Fangspiegel ergibt sich ein Problem. Man muss jetzt schon über die Spinne den Offsetversatz herstellen und dazu auch die Haltelöcher der beiden senkrechten Streben am Tubus um diesen Betrag (wenige Millimeter) versetzen. Ansonsten wird die Spinne schief, was zu vergrößerten Spikes (im Extremfall sogar doppelt) durch mehr Beugungserscheinungen führt und das ist nicht gut für den Kontrast und die Abbildung.

 

Berücksichtigt man hier Offset nicht, dann muss man beim nächsten Schritt den Fangspieegel aus dem 90° Winkel ziehen, sonst bekommt man den Hauptspiegel niemals rund und mittig drunter. Damit wird aber der Fangspieegel im Anblick durch das Concenter wieder oval. Ich greife vor, aber genau hier liegt der größte Knackpunkt!

 

Nehmen wir also an, der Okularausszug ist eingerichtet und der Fangspieegel sitzt schön mittig und rund davor. Nun bauen wir den Hauptspiegel ein oder entfernen die Abdeckung, welche wir zuvor im Tubus hatten (z.B. ein Blatt Papier) um uns ganz auf den FS konzentrieren zu können. Wichtig ist dabei, dass der Hauptspiegel mittig in seiner Fassung und diese wiederum mittig im Tubus montiert ist. Dies ist bei käuflichen Newtons meistens mit hinreichender Genauigkeit der Fall und muss bei Selbstbauten große Beachtung finden. Eine Überprüfung lohnt immer. Zu weiche, sich in den Schellen durchbiegende, Tuben oder auch Durchbiegungen und Verwindungen von labilen Stangenkonstruktionen sind hier ebenfalls Gift.

 

Nun steht der Hauptspiegel im Anblick durch das Concenter oft sehr weit ab von der Mitte des Fangspiegels, aber da muss er hin.

 

Kann Offset berücksichtigt werden, muss man einfach nur den Fangspiegel vom Okularauszug weg (seltener näher dran) bewegen, ohne dabei seinen runden Anblick zu verändern. Oft fallen jetzt auch noch winzige seitlich Abweichungen (Verdrehungen) auf. Jedenfalls wir es nun erst richtig genau. Wenn man durch das Concenter betrachtet, den Fangspiegel wirklich rund und mittig im Okularauszug hat und gleichzeitig den Hauptspiegel rund und mittig im Fangspiegel sieht, hat man automatisch den richtigen Offsetbetrag eingestellt. Geht das nicht, ist Offset falsch geklebt, oder der Spiegel etwas verdreht geklebt, eventuell auch der Hauptspiegel nicht mittig im Tubus. Dann muss hier nachgebessert werden.

Fast ideal sieht das für den Fangspiegel alleine, also mit abgedecktem Hauptspiegel, im Ergebnis so aus:

 

Man sieht im linken Bild rechts noch einen kleinen dunklen Rand am Ring, den man über minimale Korrekturen an den Fanspiegel Justageschrauben weg bekommt. Im rechten Bild der Kontrollblick mit dem Okularauszug am äußeren Anschlag. Beim Vergleich mit dem Bild am inneren Anschlag zeigt, ob der Okularauszug gerade läuft und der Justagezustand gleichbleibend ist. Hier passt das sehr gut, es muss nichts an der Basis eingestellt werden.

Nimmt man nun die Abdeckung für den Hauptspiegel weg, steht der immer noch mehr oder weniger weit außermittig.

Das kann man dann über die Hauptspiegeljustierschrauben korrigieren und damit den Hauptspiegel exakt unter den Fangspiegel stellen, sodass die Mittenmarkierung des Hauptspiegels exakt mittig im kleinen Lochkreis des concenters steht. Es geht auch ganz ohne Mittenmarkierung, dann muss man den äußeren Rand des Hauptspiegels exakt in die Kreise stellen.

Diese Justage hat im Übrigen ein Einsteiger gemacht und perfekt vollendet, einen Tag nach Erhalt seines ersten Newton Teleskops. Es ist ein 12 Zoll Dobson mit voreingestellten Fangspiegeloffset.

Bei der mittigen Fangspiegel-Halterung ohne Offset muss man spätestens jetzt entscheiden, ob man Offset über die Spinne einstellt oder zwangsweise den Fangspiegel so verkippt, dass er den Hauptspiegel voll und mittig erfasst. Damit gibt man den runden Anblick des Fangspiegels auf und auch die optimale, mittig durch den Tubus laufende, optische Achse mit dem Fangspiegel im 90° Winkel zu Tubus und Hauptspiegel. Lässt man den Fangspiegel rund, läuft Licht vom Hauptspiegel am Fangspiegel vorbei. Für beide Fälle gilt, dass man von diesem Moment an immer Zweifel an der Exaktheit der Justierung hat, denn der Anblick kann ab jetzt nicht mehr stimmen und man fischt im Trüben.

 

Versetzt man hingegen die Spinne, wird man zwar die Spinne nicht mehr mittig im Schnittpunkt der Abbildung sehen, sondern eben leicht versetzt, aber man hält die optische Achse und damit die optimale Ausleuchtung und Abbildungsleistung des Teleskops.

 

Es streiten sich viele Geister, ob das visuell entscheidend ist, man kann einen solchen Newton ohne Offset auch über die Justierung am Stern zu guten visuellen Leistungen überreden, einfacher und sicherer ist es aber m.E., sich ein Mal die Mühe zu machen.

Nun gut, wir haben also nun auch den Hauptspiegel mittig unter dem Fangspiegel, diesen mittig vor dem Okularauszug, idealer Weise sogar mit exaktem Offset. Dann müssen wir nur nach die Mittenmarkierung des Hauptspiegels über die Hauptspiegel-Justierschrauben einlochen, sei es nun mit Laser oder mit dem Concenter.

 

Das war es schon, aber halt, da sieht doch was gar nicht konzentrisch aus. Ist zwar alles rund, aber diese verflixte Mittenmarkierung steht neben der gedachten Weiterführung der mittigen Spinne, also etwas vor dem gedachten Achsenkreuz, das alles sieht irgendwie eierig aus, obwohl es rund ist. Jepp, genau so soll das sein. Das ist das einzige Mal wo man beim Blick durch den Okularauszug exakt eingestelltes Offset sieht. Am Stern sieht man das nicht, gut justiert. Beim Blick von vorne in den Tubus bemerkt man, dass der Fangspiegel nicht ganz mittig, sondern etwas vom Okularauszug weg versetzt steht.

 

Nimmt man den Offsetversatz über die Spinne vor, versetzt also die Spinne um den Offsetbetrag, liegt der Punkt übrigens genau auf dem Achsenkreuz. Das Achsenkreuz der Spinne und der darunter mittig angebrachte Fangspiegel erscheinen beim Blick von vorne in den Tubus, leicht vom Okularauszug abgerückt, außermittig.

Das sind also 100%. Es wird winzige Abweichungen geben, nichts ist perfekt. Mal ist die Fase des Fangspiegels etwas aus dem Ruder gelaufen, mal stimmt die Offset-Klebung um ein Zehntel nicht oder beim Einmessen des Okularauszugs hat es doch nicht ganz exakt gepasst.

 

Okay, Schwamm drüber oder auch noch Mal ran, aber wichtig ist, dass man es so gut wie möglich macht und weiß, was man macht. 95% sind schon saugut, 80-90% sehe ich öfter als mir lieb ist. Das sind dann die angeblichen "Gurkenspiegel", die nie ihre Leistung zeigen durften. Richtige optische Gurkenspiegel sind tatsächlich recht selten geworden.

 

Egal, den letzten Schliff holt man sich am Stern. Das ist gar nicht so einfach, denn die erforderlichen hohen und höchsten Vergrößerungen für absolute Genauigkeit scheitern meistens am Seeing. Nur gut, dass man die beste Leistung ohnehin nur bei sehr guten Seeing und entsprechender Möglichkeit zu hohen Vergrößerungen braucht. Darunter muss das Teleskop ja nicht sein volles Auflösungsvermögen ausspielen. Wenn es aber klappt, mit V 1,5xD und mehr, dann sollte man die Möglichkeit nutzen. In so hoher Vergrößerung kann man am mittelhellen Stern im Fokus den ersten Beugungsring sehen und versuchen, den Stern berührungslos in dessen Mitte zu stellen, ihn absolut rund und gleichmäßig ausgeleuchtet zu sehen. Dann haben wir wirklich 100% justiert.

Ist das unmöglich, muss es nicht Mal an der Justierung liegen. Hier kommen auch Fehler beider Spiegel, wie z.B. Asti schon zum Tragen, also halt so gut wie möglich, dann hat man volle Leistung.

Eine minimale Defokussierung des Sterns, bei der man im durch Obstruktion beeinflussten Abbild des Sternscheibchens in die Mitte einen winzigen, hellen Lichtpunkt in einem kleinen schwarzen Loch mit exakt runden Lichtkreisen im winzigen Sternscheibchen sieht, wenn richtig justiert wurde, ist für eine ordentliche Justierprüfung auch noch akzeptabel. Riesige Sternfladen und wabernde Scheibchen sind zu ungenau und lohnen die kleine Mühe kaum.

Oft sieht man dreieckige Figuren, statt runde Sterne. Häufig ist ein astigmatisch gequetschter Fangspiegel in Fassung oder ein zu sorgloser Umgang mit Klebemassen die Ursache. Drei kleine Blobs reichen und der Fangspiegel darf 2 mm Luft haben, quasi auf den Blobs schweben.

Sehr gerne werden auch herstellerseitig die drei Halteklammern des Hauptspiegels wie Schraubstöcke eingesetzt. Der Hauptspiegel braucht ebenfalls Luft und wenn man eine darunter gelegte Papierecke noch unter dem Klammerbacken herausziehen kann, ohne sie abzureißen, dann ist das richtig.

Insgesamt muss die komplette Mechanik eines guten Newtons natürlich in der Lage sein, die Justierung zu halten, sonst kann man keine gute Abbildung im Hochvergrößerungsbereich erwarten. Beim Schwenk des Teleskops vom Zenit zum Horizont sollte sich so wenig wie möglich an der Justierung ändern. Passiert da zu viel, besteht Nachbesserungsbedarf.

Ich mache es so gut wie möglich, schlecht wird es von alleine.

 

Der folgende Artikel wurde aus gegebenem Anlass am 27.11.2020 verfassst und in der Rubrik "Aufgespießt" veröffentlicht. Hier als Anhang eingepflegt:

Und immer wieder einmal wird an dem Mythos der problembehafteten Newtonjustage gestrickt, ob bewusst oder unbewusst, ob berufen oder nicht, die Probleme und Fragestellungen der Einsteiger werden nicht gelöst, sondern hochgekocht.

Kürzlich las ich in der Überschrift etwas von Verwirrung und ja, diese Verwirrung wurde in der Folge nicht behoben, sondern gepflegt. Da half es auch nicht, dass die benutzte Justierhilfe ein Concenter der Firma Spheretec war, eines der einfachsten und genauesten Hilfsmittel die mir derzeit bekannt sind. Geht man nach der sehr simplen Anleitung des Herstellers vor kommt man zu einem sehr guten Justierergebnis.

Da ist dann unter viel TamTam und wenig Hilfreichem auch absolut und völlig Falsches zu lesen und das wird auch noch mit Beifall bedacht:

".....Das Concenter-Okular kann man nicht zur 100%igen Ausrichtung des Fangspiegels nutzen, jedenfalls nicht in jedem denkbaren Fall. Es funktioniert nur leidlich, wenn der Spiegel exakt zentrsich geklebt ist (nicht seitlich versetzt) und auch einen exakten 45-Grad-Winkel hat........"

Überlegen wir uns mal selbst, wann ein ovaler (Fang)Spiegel nach der Umlenkung des Strahlenkegels aus dem Tubus heraus, also von der Okularauszugsseite her betrachtet exakt rund erscheinen kann und dazu noch mittig in einem weiteren, diesmal runden (Haupt)Spiegel zu sehen ist  und wann nicht.

Rund ist er, wenn er im passenden Winkel zur Schräge steht, also 45°. 

So erfasst die untere, dem Hauptspiegel zugewandte Kante den sich vom Spiegel bis zur Spitze im Fokus verjüngenden Strahlenkegel aber früher als die obere Kante. Der Strahlenkegel ist dort also noch breiter als weiter oben und genau das sehen wir, wenn wir den abgeschnittenen Kegelstumpf von der Okularauszugsseite her betrachten, wenn wir die Spitze des Kegels in die Mitte stellen. Der Kegelstumpf sieht zwar rund aus, der Ausschnitt aus dem Hauptspiegelbild ist aber nicht mittig.

Um nun von der Okularseite her den Hauptspiegel mittig unter dem Fangspiegel zu sehen, müssen wir den Kegelstumpf entsprechend verschieben und das ist........OFFSET.

Bei einer Justierhilfe die einen konzentrischen und mittigen Anblick für des korrekte Ergebnis der Justage fordert ist die Einstellung des Offset also eine absolut zwingende Voraussetzung und dann funktioniert sie auch ganz ausgezeichnet. Auch eine verdrehte oder anderweitig falsche Positionierung des Fangspiegels oder eine falsch geklebte Mittenmarkierung des Hauptspiegels fällt hier ebenso unweigerlich auf und kann/muss behoben werden, wenn man den bestmöglichen Justierzustand erreichen will.

Eine Überprüfung oder gar Verbesserung dieser Concenter-Justage ist nur noch am Stern sinnvoll. Hier würde dann z.B. noch extremere Genauigkeit erreicht und/oder es würde auffallen, wenn z.B. der Mittelpunkt der Hauptspiegelparabel nicht exakt dem geometrischen Mittelpunkt des Spiegels entspricht. Überprüfungen mit Lasern, die ja auch ihren eigenen Justier- und Lagezustand im Okularauszug haben, kann ich aus Erfahrung nicht empfehlen, das Concenter liegt da meistens besser......aber genau damit fangen dann schon die völlig unnötigen Zweifel an die niemand braucht und die dann zu fruchtlosen Nachbesserungsversuchen führen bei denen noch sogut wie nie eine sichtbar bessere Abbildung heraus kam, schon gar nicht reproduzierbar.

Wer gute Grafiken und Erklärungen zum Thema braucht findet sie unter Anderem hier:

http://www.seeing1.de/2a_justage.html