Kürzlich war schon die Spiegelmitte, also ein zentraler Berg oder eine tiefe Mulde, Thema. Das ist eines der häufigsten Probleme (nicht nur) günstiger Spiegel aus Massenfertigung, welches sich aber z.B. beim Newton mit einen passenden Fangspiegel leicht entschärfen lässt.

Der zweite große, gleichrangige, immer zu prüfende Knackpunkt solcher Spiegel ist die Randzone, die häufig genannte "abfallende Kante" oder auch ein "hochgezogener Rand".

Fangen wir aber mal mit den drei Haltebacken der häufig verwendeten Spiegelzellen an. Die sind ab Werk nicht nur immer (!) zu fest angezogen und verspannen den Spiegel, mein 12-Zöller (im Bild unten rechts) hat dadurch sogar Verspiegelungsschäden davon getragen. Häufig (gerade bei kleinen Spiegeln) sind sie recht groß und fassen schon mal gerne 3-5 Millimeter auf die verspiegelte Fläche. Das macht zusätzliche Beugungserscheinungen, wie jedes Hindernis im Strahlengang. Dann kommt häufig noch eine unsauber geschliffene, sägezahnartige Fase hinzu

   

sowie nicht selten noch die bereits erwähnte abgesunkene oder erhabene Zone am äußersten Rand der verspiegelten Fläche. Man sieht in solchen Fällen auf Fotos mehr oder weniger ausgeprägte Halos um Sterne, der Kontrast leidet merklich.

Sieht man das auch visuell immer wieder deutlich, sollte man über Abhilfe nachdenken. Man kann die Haltebacken kürzer und schmaler, oder eine Lagerung ganz ohne diese Klammern machen, die Fase des Spiegels schwärzen

 

oder man geht alle Eventualitäten mit einer ringförmigen, schmal- und glattrandigen Blende an, die sich z.B. auf die Haltebackenbefestigung schrauben lässt und alle potenziellen Fehlerquellen im Randbereich des Spiegels so knapp wie möglich abdeckt. Man verliert damit 3-6 mm, im Extremfall auch mal 10 mm Öffnung, gewinnt aber, falls das Problem an der Stelle zu suchen und zu finden war, mit geringem Aufwand extrem viel Abbildungsqualität, vor allem Kontrast im Hochvergrößerungsbereich.

Es ist also, wie schon beim "Zentralberg", wieder mal nicht die so gerne be- und verrechneten 18-25%ige Obstruktion auf deren Abträglichkeit für den Kontrast man so häufig und beinahe reflexartig argwöhnisch schaut. Beim Durchschauen sieht man davon eher nichts, da muss man schon auf 30% + X gehen. Es sind Auswirkungen von Fehlern in der Lagerung des Spiegels am Rand oder des Spiegelrandes selbst, die leicht 0,1-0,2 Strehlpunkte kosten. Sie können schon mit wenigen Millimetern Randabdeckung, also sehr geringem Öffnungsverlust, vollständig behoben werden.

Man bewegt sich dabei durchaus innerhalb der "Herstellertoleranzen" für Rohlinge. So gibt es bei der "8 Zoll Größe" nachweislich Rohlinge zwischen 198mm und 204 mm Durchmesser und die verspiegelten Flächen sind jeweils abzüglich Fase nochmal ~ 2-3 mm kleiner. Wir reden also schon hier von einer Spanne zwischen ~ 7,6 und 8,0 Zoll. Das ist ein Unterschied, aber kein Drama.

Für Leute, die aufs Geld schauen müssen und doch ein gutes Teleskop wollen, gibt es durchaus gangbare Wege.
Die führen letztlich nicht zwingend zum Tuning und Selbstbau, sondern eventuell auch zu einem hiesigen Dobsonanbieter, von denen einige im günstigen Preissegment auch bessere und sinnvollere Mechanik, optimale Fangspiegelgrößen und Fokuslagen für Chinaspiegel anbieten.

Dieser Block ist neu in das Thema

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