25.08.2020

Da steht die scheinbar banale Frage im Raum

"Kann man die Cassiniteilung im Ringsystem von Saturn mit 3 Zoll Öfffnung auflösen!?"

oder es wird die Sichtung von

Farbunterschieden auf dem Jupitermond Ganymed mit 4-5 zölligen Teleskopen

berichtet und debattiert.

Man sieht sie doch, die Cassiniteilung.........und dann geht wie üblich die Keilerei los.

So etwas lässt sich eigentlich recht einfach vermeiden, indem man definiert was Auflösung ist, nur wird da wieder der theoretische Ansatz gesucht und natürlich unterscheiden sich die Ansichten und das wird wie immer zelebriert bis man sich in tausend Nebenschauplätzen verkeilt hat und/oder genügend Kontrahenten aufgeben, dann wird es ja langweilig.

Der praktische, visuelle, beobachtende Ansatz ist dagegen seit Jahren bekannt, m.E. unstrittig und wird von Hobbyastronomen die beobachten und ihre Beobachtungen dokumentieren auch mehrheitlich und objektübergreifend angewendet. Das ist ganz selbstverständliche, alltägliche Praxis. Es kann sein, dass Hobbyastronomen die mit unterschiedlichen, auch größeren Öffnungen beobachten hier etwas genauer beschreiben, weil es schlicht mehr zu beschreiben gibt.

Wenn ich einen rundlichen Nebelfleck "auflöse", kann das von einem PN über eine GX bis zum offenen oder zum Kugelsternhaufen noch alles sein, also ist die Natur des Objekts da noch nicht "aufgelöst". Den Lagunennebel kann ich in guten Zeiten auffinden, indem ich eine strichförmige Aufhellung am Südhorizont mit bloßem Auge sehe. Im Fernrohr löst sich dieser Strich in Einzelsterne und einen Sternhaufen auf. Auflösung ist also durchaus ein kritisch zu sehender Begriff den man besser genauer beschreibt. Als Einzelbegriff ist er ultimativ zu sehen. Da kommt nichts mehr, wir sehen was es an dem Objekt für uns zu sehen gibt. Von da her hat wohl Cassini die nach ihm benannte Teilung in den Saturnringen im Wortsinn aufgelöst. Wir wissen heute, dass da mehr ist, lösen also auf was unser Himmel und unsere Fernrohre hergeben und können es beschreiben.

Da steht dann z.B. bei einem Kugelsternhaufen

-als runde Aufhellung, Wattebausch ähnlich erkannt

-in den Randzonen einige aufblitzende Einzelsternchen gesehen/aufgelöst

-viele Einzelsterne aufgelöst, Zentrum neblig gesehen

- bis vor das helle, neblige Zentrum Einzelsterne aufgelöst

und so weiter.

Das ist nun zwar maßgeblich, aber nicht ausschließlich öffnungsabhängig, auch Seeing, Grenzgröße, Transparenz pp spielen da mit rein. Ich habe das früher schon mal an M 13 darzustellen versucht.

 

 

 

 

 

Es ist klar erkennbar völlig unsinnig sich hier zu streiten, ob M 13 im ersten oder im letzten Bild aufgelöst ist, wir sehen immer einen Grad der "Auflösung".

Man kann das auch sehr sinnvoll an der Cassini-Teilung beschreiben oder zeichnen, die sich ja in der vollen Auflösung die uns heute zur Verfügung steht, auch keineswegs als leere schwarze Linie zwischen hellen Ringzonen zeigt. Der Suchbegriff "Saturnringe" unter Wikipedia hilft da weiter und auch größere Amateurteleskope lassen schon eine Ahnung davon zu. Die Ringstellung, also die Öffnung des Ringsystems zu unserer Betrachtungsebene, spielt natürlich auch eine entscheidende Rolle.

Es ist also einfach und sinnvoll, vor allen Dingen wesentlich eindeutiger, den Auflösungsgrad zu beschreiben den man sieht, als dass man nur solitär mit "aufgelöst" operiert.

-Cassini in den Ansen als dunkelgraue Linie aufgelöst/gesehen

-Cassini in den Ansen schwarz, darüber hinaus als schmaler und grauer werdende Linie gesehen/aufgelöst

-Cassini schmal, schwarz, wie ausgestanzt als Umlaufende Linie gesehen, vor der Planetenkugel grau

-Cassini breit, scharf begrenzt, aber mit einem Grauschleier an der äußeren Kante......

und so weiter.

Hat man dazu noch Beobachtungszeit und -ort, die Teleskop- und Okulardaten, sowie eventuelle Filter oder Korrektoren parat ist die Beobachtung gut und nachvollziehbar dokumentiert.

Nötig ist das nicht, um Spass an seinen Beobachtungen zu haben, aber ich persönlich habe festgestellt, dass Nachvollziehbarkeit, auch nach Jahren noch, den Spass für mich selbst verlängert......! Ganz nebenbei weiß ich dann solche aufkommenden Debatten und die theoretisierenden Klimmzüge auch sofort für mich zutreffend einzuschätzen.

Dass man eine Linie, so wie wir nun mal z.b. die Cassiniteilung häufig sehen, schon dann erkennen kann, wenn sie deutlich schmaler ist als wir sie eigentlich bräuchten um sie auflösen zu können, ist hinlänglich bekannt und oft genug beschrieben.

Ob wir da aber wirklich immer eine so schmale Linie sehen ist fraglich, denn wir sehen eine durchgängige Linie auch dann, wenn sie durch eine Punkt- oder Strichreihe gleicher Strichbreite gebildet wird. Objekttreue Abbildung unterhalb der Auflösungsgrenze gibt es nicht.

Sehen wir dann mehr als da ist oder weniger? Ist das "aufgelöst"?

Wenn wir unser ferngesteuertes Raumschiff durch die so erkannte, ansonsten unbekannte Lücke schicken wollen haben wir jedenfalls die Chance auf einen Totalverlust mindestens um schlappe 50% gesteigert.

Ich kann in den breiten, etwas dunkleren Sicheln in den Ansen der Ringe, die mit den spitzen Enden die die äußere Ringkante schneiden und die man mit 3-5 Zoll Öffnung meist dokumentiert sieht, nicht wirklich das erkennen, was bei höherer Auflösung mit 6 Zoll Öffnung + X die Cassini Teilung als schmale, dunkle Linie definiert.

 

Die Ganymed Geschichte ist anders und doch ähnlich. Wenn jemand berichtet, da mit einem 4-Zöller ein Scheibchen mit Helligkeits-/Farbunterschieden gesehen zu haben, so muss man dies nicht bezweifeln. Es gibt dafür, wenn man überzieht, in unserem Visus, in der Optik, in Beugungserscheinungen und/oder kaum wahrnehmbaren Seeingeinflüssen und allem was ich vergessen habe zu nennen, eine Vielzahl an möglichen Ursachen und deren Kombinationen.

Darüber kann man also in solchen Fällen, jedenfalls wenn man möchte, deutlich mehr erfahren als über tatsächliche Details am beobachteten Objekt.

Nur mal schnell, abstrakt und planlos erstellt sehen wir hier was unser Visus macht:

 

Geht so weit vom Bildschirm weg, dass das Raster nicht erkennbar ist und fixiert einzelne der farbigen Punkte konzentriert und längere Zeit. Die sind absolut einfarbig. Bei Vielen werdet ihr Farbunterschiede "erkennen".

Auch im Nachtmodus

ändert sich da wenig bis nichts. Hellere oder dunklere Ränder, Zentren, körnige Punkte, bananenförmige Strukturen. Auch im Nachtmodus, also auf dieser dunkel gestalteten Seite im verdunkelten Zimmer und mit abgedeckten hellen Störquellen ist das so. An dem rudimentär und eigentlich eher zu dunkel als zu hell dargestellte "Planeten" kann man bei konzentrierter Fixierung eines "Mondes" manchmal sogar eine Fortsetzung der durch das Scheibchen verdeckten Struktur "wahrnehmen".

Spannender wird alles andere erst, wenn ein Teleskop zumindest mal theoretisch das tatsächliche Auflösungsvermögen eines gesuchten Details erreicht und unseren Augen so aufbereitet zeigt, das sie es erkennen können, wir also in der Lage sind, den Rahmen dieses Auflösungsvermögens zu nutzen.

Die Wahrnehmung von Farbunterschieden an einem Mond- oder Planetenscheibchen mit einem Teleskop, auch hoffnungslos weit unterhalb dessen Auflösungsvermögen für echte, reale Details, also da wo das Teleskop, auch unter allerbesten Voraussetungen, lediglich ein strukturloses, farblich homogenes Scheibchen zeigen kann, ist schon mit diesem einen praktischen Ansatz leicht erklärbar.

Damit ist das Sommerloch geschlossen.