07.08.2020

Immer wieder liest man diese oder ähnliche Aussagen:

".....bei 5 mm Okularbrennweite sind 50° Feld sehr eng, man kann, gerade an Dobsons ohne GoTo und Nachführung das Objekt nicht im Gesichtsfeld halten, verliert es leicht wieder, wenn man es denn überhaupt findet.......!"

Von echten Orthos mit "nur" 40° Feld ist da noch gar nicht die Rede und selbst Okulare mit 60° Feld, die vor gar nicht langer Zeit noch als weitwinklig galten, lösen entsprechende Warnungen aus.

Fakt ist, großes Feld bei gleichzeitig guter Transmission, Achs- und Randdschärfe ist wirklich eine super Sache, aber eben auch extrem teuer.

Fakt ist auch, dass solche Warnungen einfach viel zu pauschal angebracht werden, man könnte auch sagen, manchmal stimmt es, oftmals stimmt es nicht oder nur sehr bedingt.

Man liest das so gut wie immer und ohne dass genauer auf das Teleskop geschaut wird an dem ein solches Okular, sagen wir mal mit 50° Eigengesichtsfeld bei 5 mm Brennweite eingesetzt werden soll.

Allerhöchstens wird noch festgestellt, dass 5 mm Okularbrennweite bei dem vorliegenden Öffnungsverhältnis den Rahmen von 1,0 mm AP bis eventuell runter auf 0,5 mm AP für den Höchstvergrößerungsbereich nicht überschreitet und damit als brauchbar angesehen werden darf, allerdings wäre wegen der Problematik des engen Feldes eher an ein Weitwinkel oder gar Ultraweitwinkeldesign, also etwa 65°, besser 82° noch besser 100° Eigengesichtsfeld zu denken.

Okay, unter der Annahme, dass diese Empfehlung jemandem gegeben wird, der für einen 16 Zoll Dobson mit 1800 mm (Ausgangs-)Brennweite nachfragt ist festzustellen, dass wir hier bei 5 mm Okularbrennweite 360fach vergrößern und mit 50° Eigengesichtsfeld von etwas mehr als 0,1° Feld am Himmel sprechen, bei 82° geht es um etwas mehr als 0,2° Feld. Das ist eine Hausnummer, der Vollmond erscheint uns am Himmel mit etwa 0,5° Ausdehnung. Man kann das, auch am guten Dobson, mit dem kleinen Feld locker meistern, 0,1° mehr ermöglichen es aber deutlich leichter und entspannter. Der Rat zum Weitfeldokular ist, auch wenn es deutlich teurer werden kann, wirklich mehr als eine Überlegung wert. Das entspricht durchaus auch meinen Erfahrungen. Hier mal die Gesichtsfelder 50° und 82° mit 5 mm Okularbrennweite und 1800 mm Fernrohrbrennweite übereinander gelegt:

 

Man liest das aber auch und immer wieder, wenn es um nen 150/750er geht oder um Teleskope mit noch weniger (Ausgangs-)Brennweite und da wird es dann doch mehr fraglich. Hier haben wir mit dem gleichen 5 mm Okular 150fache Vergrößerung und bei 50° Eigengesichtsfeld ein tatsächliches Feld am Himmel von über 0,3 Grad. Mit 82° Eigengesichtsfeld sogar deutlich über 0,5°. So sieht der Unterschied aus:

  

Okay, es ist sehr schön mit 5 mm Okularbrennweite den Mond noch komplett ins Gesichtsfeld zu bekommen, aber das Argument, man könne wegen des engen Feldes schlecht nachführen, oder das Objekt halten zieht hier keinen Hering mehr vom Teller. Wer das mit einem 16-Zöller kann kann das mit einem 6 Zöller erst recht.

 

Oder nehmen wir mal den häufig anzutreffenden, sogar schon mal "Volksapo" genannten 80/600er ED-Refraktor. Der ist mit einem 5 mm Okular bei 120fach und schon unter 0,7 mm AP. Das reale Feld ist bei 82° Eigengesichtsfeld mit knapp 0,7° üppig und bei 50° Eigengesichtsfeld mit gut 0,4° immer noch groß.

 

Am häufig anzutreffenden 8 Zoll f/6 Dobson hat man 240fache Vergrößerung anliegen und mit der 50° Variante nur geringfügig weniger Feld als am 16 Zoll f/4,5 mit der oben gezeigten 82° Bestückung bei 5 mm Okularbrennweite.

Wer das locker schafft und dazu rät, der kann sich und anderen also zumindest an Teleskopen mit geringerer Brennweite durchaus mal die Chance geben, es mit einem auf Achsschärfe getrimmten Okular mit etwas weniger Eigengesichtsfeld zu einem möglicherweise deutlich günstigeren Preis zu versuchen.

Erst die kombinierte Brennweite aus Fernrohr und Okular macht das Feld.

Ich z.B. genieße auch am 16 Zoll F/4,5 Dobson (1800 mm Brennweite) ohne Nachführung Beobachtungen im Sonnensystem mit einem Binoansatz plus komakorrigierende Barlow plus Plössl und Ortho Okularpärchen. Aus meiner Sicht mit dem Prädikat empfehlenswert, 50° Feld geht locker, zumindest wenn man seine Lager für die Schwenkachsen, besonders das Höhenlager im Griff und/oder im Gleichgewicht hat. Ab oder unterhalb von 1200 mm (Fernrohr)Brennweite sollte das wirklich niemandem mit halbwegs funktionierendem Gerät Probleme bereiten.

Nicht vergessen sollte man auch, dass der beugungsbegrenzte Bereich bester Abbildung in der Feldmitte beim guten 82° Okular genau so groß ist wie beim guten 50° Okular und dabei ganz erheblich kleiner bleibt, sich eng begrenzt auf die Mitte des Feldes beschränkt.

Wichtig ist auch, sich klar zu machen, dass wir selbst wenn nur von Objekten des Sonnensystems um höherer Vergrößerung gesprochen wird, schon von respektabeln Größenunterschieden der Objekte bei der Beobachtung mit definiertem Fernrohr und Okular reden. Hier mal Mond und Jupiter in gleicher Vergrößerung nebeneinander gestellt, wobei man bedenken muss, dass der Mond näherungsweise immer im gleichen Abstand die Erde umkreist, also seine relative Größe beibehält, während die scheinbare Größe von Jupiter in den Sichtbarkeitsperioden stark mit dem Abstand zur Erde schwankt. Ich habe eine mittlere Größe gewählt.

Dieses Mondbild habe ich (als bekennender Foto-DAU) übrigens am Okular eines Dobsons in der späten Dämmerung mit aufgelegtem Handy gemacht und so gut wie unverändert gelassen.

 

Ganz anders sieht die Sache in allen Belangen für mich bei Deepsky-Beobachtungen im niedrigen und mittleren Vergrößerungsbereich aus, wo jedes Zehntel Grad Feld mehr einfach ein Gewinn für die allermeisten Beobachtungen ist.