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19.07.2020 bis 07.08.2020

 

Update:

Am 26/27.07.2020 zwischen 23.00 Uhr und 0.20 Uhr habe ich den Kometen nochmals mit dem 10x56 Fernglas beobachtet. Erst gegen Ende der Beobachtung war er auch an der Einbildungsgrenze noch mit bloßem Auge zu erkennen. Im Fernglas war die Koma sehr hell, der Schweifansatz breit gefächert. Dabei lief die linke, westliche Kante hell, scharf begrenzt und sehr gerade vom Kern weg, während der rechte Rand breit und diffus öffnete.

 

Der Farbeindruck war nicht mehr ganz so grünlich, sondern ging eher in Richtung neutral weiß.

Hinter der scharf begrenzten und deutlich helleren westlichen Kante des Schweifs vermute ich als Ursache den Ansatz des Gasschweifs, der den Staubschweif überlagert.

Ohne Hilfsmittel wird der Komet nun zunehmend schwierig bis unmöglich bzw bleibt exzellenten Bedingungen vorbehalten. Mit einem Fernglas ist der Anblick für mich immer noch spektakulär aber nun ist der Wechsel aufs Fernrohr sicher auch sehr spannend.

 

Am 20.07.2020 war es sehr klar und der Komet ab 23.00 Uhr immer noch mit bloßem Auge zu erkennen, wenn man wusste wo er war. Mit zunehmender Dunkelheit wurde das besser. Ich beobachtete ab 22.45 Uhr mit dem 10x56 Fernglas. Der Staubschweif ließ sich wieder sehr weit verfolgen, den Gasschweif meinte ich ab 23.45 Uhr im Ansatz ganz schwach wahrnehmen zu können, aber das war am Rande der Einbildung, eventuell auch darüber hinaus. Man weiß ja von den tollen Fotos, dass er da ist und das ist gefährlich. Deutlich wahrnehmbar war allerdings die nunmehr eindeutig grünliche Färbung der Koma und des Schweifansatzes. Bei den ersten Beobachtungen herrschte hier eindeutig ein gelblicher Eindruck vor. Das hat sich von Beobachtung zu Beobachtung in Richtung eines hellen, zarten Grünstichs geändert.

Etwa um 23.00 Uhr war für 2-3 Sekunden ein heller Bolide im gleichen Sichtfeld zu sehen der aus Richtung des großen Bären, knapp rechts des Kometen auf gleicher Höhe senkrecht in Richtung Horizont stürzte und grünlich leuchtend verglühte.

Am 19.07.2020 ab etwa 23.00 Uhr immer noch mit bloßem Auge zu erkennen, im Fernglas sehr schön.

Am 18.07.2020 ergab sich zwischen 23.00 Uhr und 23.50 Uhr nochmals ein Chance zur Beobachtung, da sich am zunähst durchgängig weißgrauen Nordhorizont eine kurzzeitige Besserung einstellte.

Der Komet ist immer noch spektakulär und stand zum Beobachtungszeitpunkt knapp über dem hellsten Stern (Talitha 9 UMa) in der vorderen Tatze des großen Bären, Ursa Major. Siehe Positionsskizze am linken Rand der Zeichnung.

 

Bei der wechselnden Transparenz der Dunstschicht war es erstaunlich, wie weit sich der Schweif in guten Momenten mit dem 10x56 Fernglas verfolgen ließ. Die Koma (der Kometenkern) erschien auch in Zugrichtung von einem kleinen Halo umhüllt, der fast bis zu dem Stern vor den Kopf des Kometen reichte und der Schweifansatz erschien gegenüber den früheren Beobachtungen nach Osten hin diffus verbreitert. Nach dem ersten Drittel verjüngte sich der Schweif in Richtung des westlichen Randes und lief immer schmaler und schwächer werdend aus. 

In den guten Phasen war der Komet gut mit bloßem Auge als feiner Strich, wie ein Anhängsel am dem Stern sichtbar.

Der auf Fotos häufig gut erkennbare Gasschweif, westlich des Staubschweifs, war visuell auch mit dem Fernglas nicht erreichbar.

 

Am 13.07.2020 konnte ich den Schweifstern  bereits in der Abenddämmerung, ab 22.30 Uhr bis 23.30 Uhr, von einem erhöhten Standort aus, beobachten. In der fortschreitenden Dämmerung wurde er mit bloßem Auge immer deutlicher sichtbar und bot im 10x56 Fernglas einen grandiosen Anblick, wobei sich dieses mal, bei besserer, transparenterer Horizontsicht als in der Nacht zuvor, der Kopf des Kometen sehr hell und deutlich gegen den Schweif, der erst etwa in der Mitte des rundlichen Kopfes ansetzte, abhob. Die Zeichenutensilien lagen zu Hause, aber der Komet stand so hoch, dass ich die leise Hoffnung hegte, ihn noch knapp aus dem Dachdenster heraus zu erwischen.

Die Bestätigung der Hoffung

   

wurde dann auch angefertigt, wobei nun auch die Dynamik der Himmelsbewegung auffiel. Der Kometenkopf senkte sich recht schnell dem Dach des benachbarten Hauses entgegen. Der klar erkennbare Bereich des Schweifs fächerte, wie in der Nacht zuvor nur mäßig auf und ließ sich mit dem Fernglas diffuser werdend auf einer Känge von etwas mehr als 4° verfolgen.


 

Wieder war der westliche Bereich etwas länger zu halten und dieses Mal war deutlicher erkennbar, dass der östliche, kürzere Rand sehr diffus und schwach sichtbar stärker auffächerte.

 

 

Erstbeobachtung:

In der Nacht vom 11. auf den 12.07.2020 war es endlich so weit.

Nachdem ich noch in der Nacht zuvor gegen 03.00 Uhr vergebens auf eine etwas erhöhte Kuppe fuhr um einer dicken Wolkenbank zuzusehen wie sie viel zu langsam dahin kroch um mir einen Blick auf die Zielregion zu gestatten war ich dieses mal schon um 01.00 Uhr unterwegs.

Die Kuppe von der Nacht zuvor erwies sich für die Zeit als geringfügig zu niedrig, Capella kam nur knapp über den Horizont und so wechselte ich auf einen etwas höher gelegenen Standort.

Von dort aus sollte der Komet schon mit bloßen Auge knapp über dem Horizont auftauchen.

Im Schnittpunkt einer langen Linie von Alcor im "Großen Wagen" (Teil des großen Bären) über dessen oberen hinteren Kastenstern Dubhe und einer zweiten, kurzen Linie von Capella über Menkalinan im Fuhrmann lag der Standort des Kometen hier knapp über dem Nordhorizont.

Genau in diesem Bereich war der Himmel aber durch Dunst und Schleierbewölkung weißlich aufgehellt und die Sterngrenzgröße deutlich herabgesetzt. Es handelte sich nicht um leuchtende Nachtwolken und erst mit dem 10x56 Fernglas konnte der Komet als erstaunlich großer heller Balken die Wolken durchdringen.

Kurz darauf hatte sich der Spuk verzogen und es bot sich mit bloßem Auge der Anblick wie ihn die obere Zeichnung zeigt.

Mit dem Fernglas war nun der Komet in voller Pracht zu bewundern. Die helle, gelblich leuchtende Coma mit einer nahezu sternförmigen Kondensation fast an der Spitze  ging mit fließender, zunächst nur sehr leichter Helligkeitsabnahme in einen langen, mäßig auffächernden Schweif über, der fast senkrecht, ein wenig nach Osten geneigt in den Himmel wuchs und etwa in der Mitte  von einem westlich, senkrecht über dem Kern stehenden Stern flankiert wurde.

  

Vom auf ganzer Breite sehr hellen Schweifansatz aus erhielt sich noch bis fast zur Hälfte des sichtbaren Schweifbereichs ein heller Mittelstrahl und der westliche Schweifteil war etwas länger zu halten als der östliche Bereich, was einer etwas breiteren Auffächerung am Ende geschuldet sein könnte.