Beobachtungsbericht 29/30.05.2021 mit 12 Zoll f/5,3 Dobson

 

Nach langer Durststrecke endlich mal ein Samstag mit blauem Himmel ab dem frühen Abend und der Aussicht auf ein paar Stunden Deepsky von der heimischen Terrasse aus. Kurz nach 23.00 Uhr sollten die Straßenlampen verlöschen und der Mond kommt erst nach 01.30 Uhr ins Spiel.

 

Also schon mal gegen 20.00 Uhr raus mit dem Teil, zum Auskühlen. Das Concenter sagt, die Justage hat gehalten, kein Handlungsbedarf. Auf den Lüfter verzichte ich, es ist Deepsky angesagt, ich stehe auch nicht auf einer quatschnassen Wiese und die Temperaturen fallen nur mäßig. Da reichen dann der Isotubus mit recht offener Spiegelzelle und die lange Taukappe locker aus, das Tubusseeing weit genug herunter zu drücken, weil ich eben keine Beobachtungen mit hohen Vergößerungen vor habe.

In der Dämmerung baue ich dann meine Sucherkombination an und richte noch anhand eines Strommastes in einiger Entfernung mit hoher Vergrößerung aus. Okularanblick bei 200fach, Mastspitze ins Zentrum, dann optischer Sucher mit Fadenkreuzokular, 10,5fach und schließlich der Rigel-Quickfinder als Peiler.

 

Gerade als ich fertig bin, fällt mir am westlichen Horizont ein heller, sich schnell aufwärts bewegender Lichtpunkt auf. Schnell, kein Geblinke, das ist die ISS und die hole ich mir.

 

Telrad in den kleinen Kreis.....top, optischer Sucher in die Fadenkreuzmitte.....top, Wechsel auf das 28er UWA und Treffer. Nachführen quer über zwei Achsen, guter Dobs. Es gelingt mir sogar, den Baader O III als ersten Filter im Schieber noch rein zu drehen und aus dem gleißend hellen Lichtpunkt wird eine grüne, geteilte Strukur. Ich sehe wohl zwei größere Flächen der Sonnensegel und dazwischen hängt so was wie der Rumpf. Den Anblick kenne ich schon von anderen geglückten Beobachtungen. Meine Hoffnung auf ein paar mehr Details der inzwischen gewachsenen Station erfüllten sich nicht. Trotzdem ist das immer ein Erlebnis. Eventuell ist auch derzeit die Bahn recht ungünstig, denn sie führte nur in mittlerer Höhe über meinen Himmelsausschnitt und die Station verschwand wieder am südöstlichen Horizont.

 

 

 

Sicher ist es recht sportlich, mit 1,5° Eigengesichtsfeld die ISS von Hand nachzuführen, aber mit einem gut laufenden Dobson und etwas Übung gelingt das und man erkannt sogar Details, wenn man Grau oder eben O III filtert. Man nimmt was man hat.

 

Danach noch ein wenig Vorbereitung, Nachschau auf Stellarium, was denn ab der späten Dämmerung in südlicher Richtung schon zu sehen sein könnte und wie es dann aussieht, wenn nach 23.00 Uhr die Dämmerung so langsam voranschreitet und die Straßenlampen verlöschen.

 

Okay, Sternhaufen gehen eigentlich immer und M 13 im Herkules steht gegen 22.30 Uhr schön hoch im Südosten. Die Peilung gelingt, der Kugelsternhaufen ist schon im 10x50 Sucher zu sehen und steht dann auch mittig im Übersichtsokular. Äähhhhh jou, da ist was, aber ziemlich dürftig. Das passiert, wenn man vergisst, den O III raus zu nehmen, der war von der ISS Beobachtung noch im Strahlengang. Rausdrehen das Ding und dann kommt die Erleuchtung, der prominente Kugelsternhaufen aus der Liste Messiers ist wirklch nett anzusehen. Schon mit nur 60fach glitzern mir feinste Einzelsternchen in Masse entgegen und es ist keineswegs dunkel um mich herum.  Das lässt sich auch über 80fach, 120fach bis 200fach problemlos steigern, ein wahres Sternenmeer leuchtet einem da entgegen. Einzig die etwas unmotivierte Suche nach der kleinen Hintegrundgalaxie gebe ich, aufgrund der aufgehellten Bedingungen und weil mir gerade auch nicht einfällt, auf welcher Seite des KS sie zu finden ist, auf. 

Danach wende ich mich kurz dem Sternbild Leier und dort dem Ringnebel, Messier 57, zu. Ein netter, heller Rauchkringel, der mir heute mit dem 20er Lunt Ultraweitwinkel Okular, ohne Filterung, bei nur 80fach, am besten gefällt. Hell schwebt dieses interessante Objekt in einem schönen Umfeld aus unterschiedlichsten Sternen.

Dann wende ich mich in Richtung Südwesten, dem Bootes zu. Dort suche ich den Kugelsternhaufen M 3 auf. Damit tut sich Mancher schwer. Ich finde ihn inzwischen sehr zuverlässig, mit 2-3 Anläufen, als Spitze eines gedachten gleichschenkligen Dreiecks zwischen Arkur, dem Hauptstern des Bärenhüters (Bootes) und dem Stern 20 Bootes darüber. Hilfreich ist, wenn das Sternbild Coma (Haar der Berenike) wenigstens schwach erkennbar ist, dann kann man sich noch eine zusätzliche Hilfslinie zwischen 20 BOO und 43 COM bilden. Knapp darunter muss die Spitze des Aufsuchdreiecks enden, dann hat man M3 zumindest im Feld des optischen Suchers. Hell genug für den 50 mm Sicher ist der Kandidat, aber ziemlich kompakt. Im Übersichtsokular präsentiert er sich dann nicht sehr ausgedehnt und dicht gepackt, in einer echt auffälligen Sternraute stehend, mit extrem feinem Sternenstaub gesprenkelt. Dann öffnet er sich mit höherer Vergrößerung aber sehr schön. So schön, dass ich eine neue Zeichnung nach Fernrohranblick angefertigt habe. Aus der Rohzeichnung am Fernrohr wurde dann das Bild unten rechts.

 

   

 

In  der Zwischenzeit gingen die Straßenlampen aus, eine wahre Wohltat, wobei nur schwaches Rotlicht fürs Zeichnen dann doch recht grenzwertig ist.

Damit ging es aber zum Hauptzweck der Beobachtung, ich wollte wieder mal einige Galaxien vom großen Wagen bis zum Sternbild Virgo (Jungfrau) mit dem 12-Zöller beobachten, auch wenn die beste Zeit, schon, dem Wetter sei Dank, durch ist. Wir haben halt schon die "weißen", kurzen Nächte in denen es nicht mehr stockdunkel wird.

 

M 51/NGC 5195, die Whirlpool Galaxien zum Eingewöhnen und wie immer ein Hingucker mit 12 Zoll. Schon mit dem 20er Lunt, aber dann mit dem Nagler Zoom bei 120fach deutliche, längliche "Löcher" in der flächigen Helligkeit von M 51, also die Andeutung der Spiralarme.

M 63, die Sonnenblume, auf dem Weg in die Jagdhunde kurz mit dem Übersichtsokular, ebenso die etwas viereckig aussehende NGC 4449 und M 94 mit dem hellen Kern im diffusen Wattebausch.

 

   

 

Aber dann zu Wal und Hockeyschläger, an der Grenze zu Coma. Der Wal, NGC 4631, liegt im Newtonanblick auf dem Rücken und hat die kleine Begleitgalaxie NGC 4627, die den "Blas" darstellen soll, unter sich. Die sehe ich aber heute nur am Rande der Einbildung. Auch der Hockeyschläger, NGC 4656, in dieser Beobachtungslage westlich oben drüber, bleibt etwas dünn und fadenscheinig, ist aber gut erkennbar.

Ich nehme noch M 64 mit, die mir ihr schwarzes Auge blinzelnd zeigt und dann tauche ich in den Virgohaufern ein.

 

Dieser Galaxieenhaufen in der Jungfrau beitet für 12 Zoll Öffnung eine Umnenge aun Beibachtungszielen, auch unter nicht ganz optimalem Himmel. Ich surfe einfach nur hindurch, ohne mit mit der Identifizierung der einzelnen Mitglieder aufzuhalten, hangele mich durch Markarians Galaxienkette. Das habe ich schon gezeichnet.

 

 

So verlasse ich nach einem kurzweiligen Spaziergang mal die gewohnten Pfade und versuche mich an einem Galaxieenpärchen in der Jungfrau, welches manche Kartenwerke gar nicht verzeichnen.

Es handelt sich um NGC 5363 und NGC 5364, oberhalb von  dem Stern 93 VIR in Richtung Bärenhüter. Von der gedachten Geraden zwischen 79 VIR und 93 VIR zieht man dort einen rechten Winkel mit knapp der halben Schenkellänge, der ein klein wenig zu macht. Der Winkel hal also nicht genau 90°, sondern 100 Grad. Im Sucher war nichts zu sehen, aber beim dritten Anlauf hatte ich eine GX im 28er Übersichtsokular. Auch mit Augenverbiegen blieb es bei einer GX, die aus einer extrem hellen, länglichen Kernregion und einem, wie durchscheinend aussehenden, Halo bestand, dessen Helligkeit nach Außen abnahm, ohne dass ich irgendeine Grenze festmachen konnte. Es war aber eben nur eine Galaxie, deren Aussehen sich auch bei höherer Vergrößerung nicht änderte, außer dass die wahrnehzmbare Fläche zunahm. Dann konnte ich, ich meine, mit dem 20er Okular, etwas weiter entfert als gedacht, einen schgwachen ovalen Schimmer wahrnehmen, der einmal gesehen, deutlich wurde und zu halten war. Ein etwas hellerer Kern mit eine schwächeren Randzone schälte sich aus dem dunklen Umfeld. 

Mit 12,4 Mag und 13,2 Mag visueller Helligkeit liegen die beiden GX gar nicht so weit auseinander, allerdings verteilt NGC 5364, als große Spirale diese Helligkeit auf eine wesentlich größere Fläche und das macht sie visuell, gerade unter ungünstigeren Bedingungen deutlich unscheinbarer als ihre linsenförmige Nachbarin mit den helle, aktiven Kern. Die beiden Galaxieen gehören zu einer ganzen Gruppe, sind aber davon die visuell grßten und auffälligsten Mitglieder.

 

  

 

Ich habe die neue Zeichnung mal neben die alte vom Wal und Hockeyschläger gestellt.

 

So ganz langsam wurde es doch kühl. aber gleich in der westlichen Nachbarschaft, in Serpens, der Schlange,  gibt es noch mit M 5 einen sehr schönen Kugelsternhaufen und ganz unten flackert Antares, der Hauptstern des Skorpions, am Horizont.

Messier 5 erweist sich wieder mal als durchaus konkurrenzfähig zu dem berühmteren M 13, aber M 4 bei Antares leidet doch sehr unter dem Dunst und der Aufhellung am Horizont. Er schaut heute im 12-Zöller so aus, wie ich ihn mit dem 6-Zöller unter besseren Bedingungen kenne.

 

 

 

Zum Abschluss schaue ich nochmal schnell nach dem Cirrus Komplex im östlichen Flügel des Cygnus (Schwan). Mit dem harten Baader O III vor dem 28er Okular geht da schon Einiges. Die Zeichnung zeigt die Knochenhand, NGC 6992/5. Weil das so ordentlich ging muss auch mein heimlicher Favorit noch sein, der Crescentnebel, NGC 6888, ebenfalls im Schwan, unterhalb des Bruststerns, gelegen. Das Innere des Nebels präsentierte sich flächig, matt schimmernd, hell ausgefüllt, mit eindeutigen Strukturen. Das geht nicht immer, auch nicht mit 12 Zoll Öffnung. Die Transparenz des Himmels war hoch im Osten offensichtlich gut.

 

  

 

Kurz vor 02.00 Uhr baue ich schnell ab, verstaue die Okulare im Koffer und ziehe den Dobs unter Dach. Eine schöne Deepsky Tour ist zu Ende. Ich war eventuell ein wenig schnell, aber das war der Hunger nach langer, wetterbedingter Enthaltsamkeit. Viele schöne Objekte habe ich ausgelassen, aber es werden hoffentlich noch viele weitere gute Nächte kommen.