Der 12-Zöller steht schon länger im Garten und sollte vom Samstag dem 12.09.2020 auf Sonntag, 13.09.2020 hauptsächlich der Beobachtung von Jupiter, Saturn und Mars dienen.

Schon an den Abenden zuvor war die Beobachtung von Jupiter und Saturn trotz des tiefen Standes der Beiden teilweise recht erfreulich verlaufen. Ab 22.00 Uhr stellte sich bei mir jedoch nicht nur schlechtes Seeing ein, sondern auch ein Dunstschleier. Offensichtlich handelte es sich tatsächlich um den verwehten Rauch der Waldbrände in den USA. Das gab den beiden tief stehenden Planeten den Rest, auch Deepsky war erheblich eingeschränkt.

Blieb zu späterer Stunde der Mars, dessen deutlich höherer Stand sich ab Mitternacht positiv auswirkte. Ich konnte mit dem Binoansatz locker über 300fach gehen, obwohl die ultimative Schärfe auch unter 200fach mit Lichtdämpfung nicht erreichbar war. Es blieb immer ein leichter Grauschleier im Bild.

Unterhalb der, gegenüber den Beobachtungen von Mitte August, deutlich kleiner gewordenen Eiskappe am Südpol (im Newtonbild oben) erstrecken sich großflächig dunklere Regionen die sich aber teilweise nebelartig aufgehellt zeigten. Dennoch zeigte sich am Übergang zu den helleren Gebieten (Amazonis Planitia) Terra Sirenum diffus dunkler abgesetzt und Solis Lacus erinnerte unter den gegebenen Bedingungen fast am eine Wirbelstruktur. 

Für Olympus Mons, Arsia Mons und andere (Vulkan)Berge in den helleren Bereichen darunter reichte der Kontrast nicht.

Die durchgängig verwaschen wirkenden Randbereiche waren am unteren Rand etwas breiter ausgeprägt. Das als Sichtung von Wolkenschleiern über der Nordpolregion zu werten halte ich jedoch für gewagt.

Immerhin, es gab viel zu sehen.

Am Abend waren wieder die "rauchig/rußigenen Zirren" deutlich zu bemerken, Jupiter war gegenüber "normalen" Bedingungen merklich dunkler und mit seinen schwachen Kontrasten einfach nicht so detailreich wie sonst mit 12 Zoll Öffnung. Er stand schon freiäuging in einem Halo leicht wechselnder Größe. So und besser kann das unter guten Bedingungen mein 6 Zöller auch.

Für den Beginn des Kallisto Durrchgangs war ich etwas zu spät dran und ob es sich bei einem graubraunen, verwaschenen Fleckchen, welches ich später ab und zu auf der Planetenscheibe zu sehen glaubte um den Mond oder um pure Einbildung handelte, weiß ich nicht. Eine Sichtung sieht jedenfalls anders aus. Man weiß da ist was und das ist gefährlich.

Saturn mit seinen flächigen Bändern und Ringen war da schon ergiebiger, wenn auch mit dem Binoansatz zu hohen Vergrößerungen hin schon beinahe zu dunkel.

Also blieb es bei 160 bis 200 fach und aus der Rohskizze entstand diese Zeichnung

 

Am nächsten Abend, dem 14.09.2020 ging dann auch Jupiter recht brauchbar. Allerdings waren keine höheren Vergrößerungen drin, weil dann die kleinen ruhigen Momente zu klein, vor allen Dingen zu kurz und zu selten wurden.

Immerhin war die Parade der Monde noch mit im Gesichtsfeld. Der große rote Fleck saß sehr prominent auf dem SEB (südliches Equatorialband) und es sah so aus, als wenn er die STrZ (südliche tropische Zone) beinahe abschnürte.

Vor dem Fleck zeigte das SEB blickweise deutlich zweigeteilt, die Verwirbelungen dahinter blieben zu diffus.

Das NEB (nördliches Equatorialband) ist derzeit sehr breit und zeigt im hier sichtbaren Bereich einen deutlichen dunklen Streifen in der Mitte.

Und noch ein Nachschlag, Mars vom 15.09.2020, kurz vor Mitternacht, gute Bedingungen für den 12 Zöller mit Binoansatz bei 200 bis 300fach. Mal Versuche mit Farbe!

 

  

 

Im Übrigen ist ganz klar, dass diese Zeichnungen aus der Summe vieler guter (Seeing)Momente entstanden sind. Ohne viel Geduld, Akribie beim Scharfstellen und der passenden Okular- und/oder Vergrößerungswahl, sowie

 

hohe Konzentration auf die Beobachtung kann man auch bei guten Bedingungen so rauskommen wie es bei schlechten Verhältnissen schon geht.

Wenn das alles ist, was man mit einem 12-Zöller unter brauchbaren Bedingungen aktuell sieht, dann stimmt von der Justage bis zur passenden Lichtdämpfung Einiges nicht, denn solche Details kann man auch mit guter, deutlich kleinerer Öffnung sauberer rausholen, wenn man will.