Eine sehr große Wolkenlücke, die sich überraschend auftat, brachte mir eine ungeplante Beobachtungsmöglichkeit ein und ich entschied, dass es für den 6“ + 12“ Dobson reichen müsste. Also um 10.30 Uhr noch mal Frauchen vom Sofa hoch gescheucht und über die Schwelle zur Terrasse mit dem Teil. Sie tut es ja gerne, weil es alleine wirklich schon Quälerei ist, das Teil komplett zu wuchten.

 

Während der Rest des Equipments gemütlich folgt nimmt der Lüfter seine Arbeit auf und so kann es wenig später, noch unter Dämmerungsbedingungen losgehen. helle Sterne sagen, dass die Justierung ausreicht, auch die Fokuslage der beiden Spiegel zueinander passt fast perfekt. Da jetzt noch rumzuschrauben fehlt die Zeit und die Lust, so ein Doppelsystem ist diesbezüglich nicht ganz so trivial, das hält auf.

 

Den Anfang mache ich mit dem Ringnebel, der geht eigentlich immer und in der Übersicht,

mit dem Peiler anvisiert, ist der kleine Nebelklecks mit dem 6“ F/4,8 Spiegel wirklich nicht zu verfehlen. Das 28er UWA bleibt im OAZ, der 6“ Spiegel wird gezogen und der 12-Zöller zeigt den Ring. Der Unterschied ist schon in der Übersicht frappierend und der helle Nebel lässt sich gut hochvergrößern, bis ein imposanter, ovaler Rauchring mit verschleiertem Innenleben im Gesichtsfeld des 5-9 mm Nagler steht, der Zentralstern bleibt unerreichbar.

 

M 13 ist das nächste Ziel, gleich mit 12“. Es ist immer noch recht hell, aber der KS zeigt schon den Anblick, den ich so sehr schätze. Kleine, feinste Puderzuckersternchen und ein nebliger Hintergrund der mehr erwarten lässt. 15 mm bis 11 mm durchzoomen ist ein Genuss, der Haufen wird brillant im Wortsinn, unterschiedliche Sternhelligkeiten und Sternfarben, winzige Splitter in Massen, ein herrlicher Anblick. Auch bei 9 mm Okularbrennweite noch ein sehr sauberes Bild. Ich kann sogar noch weiter runter zoomen aber dann werden die Sterne teilweise schon etwas dicker, das Bild diffuser. Ich muss mich noch daran gewöhnen, auch bei Deepsky nunmehr an Seeinggrenzen zu stoßen.

 

Es wird langsam dunkler, auch die Straßenlampen, die unsinnig an Zeitschaltuhren gekoppelt, die Dämmerung heller machten, sind schon lange aus.

Zeit für Nebel.

Erstes Ziel mit dem Baader O III vor dem 28er UWA ist NGC 7000, der Nordamerikanebel. Über die Sternkonstellation „kleiner Orion“ leicht zu finden, lässt sich die Bucht von Mexiko, der hellste Teil leicht sichten und der Nebel schön abfahren, auch der Pelikan sitzt, als diffuser Nebelklumpen deutlich sichtbar, gegenüber. Nicht eben spektakulär, das Ganze, aber okay. Der Wechsel auf den kleinen 6“ Spiegel ist sehr interessant, denn man kommt fast zu einer Komplettansicht der hellsten Teile des Nordamerikanebels und des benachbarten Pelikans. Wirklich schönes Feld, Öffnung ist eben doch nicht alles.

Der Schwenk zum Cirrus gelingt mit über 3° Feld auf Anhieb, grob über Leuchtpunkt gepeilt und die Knochenhand steht halb im Feld. Das sieht für 6“ wirklich gut aus, also mal den kompletten Anblick mit dem Sturmvogel reinholen und…..enttäuscht sein. Das Feld reicht nicht ganz, es ist zwar alles drin, aber bei F/4,8 versinken die beiden spektakulären Teile in der Randunschärfe des UWAs. Na Klasse, so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Für sich gestellt sieht man schon sehr viel, auch im mittleren Teil des Nebelkomplexes und das steigert sich mächtig, nachdem der 6“ Spiegel in die Parkstellung gebracht ist und 12“ Öffnung anliegen. Mehr Vergrößerung bringt auch noch viele Details, das macht Spaß, wenn auch die Nebelhelligkeit an sich abnimmt, weil sie sich eben auf größere Fläche verteilt.

Dabei kommt dann die Idee, doch auch mal das 38er WA zu versuchen. Donnerwetter, mit knapp über 7 mm AP knallt der Nebel aber richtig rein. Harter O III + 7,1 mm AP bei 42fach, das kommt wesentlich besser als 57fach mit 5,25 mm AP mit dem 28er UWA, außerdem sehe ich deutlich mehr Feld. Wenn ich richtig informiert bin geht es um 46 mm und 41,5 mm Feldblende, auch dieser Unterschied ist deutlich.

Das will ich doch auch Mal mit dem kleinen Spiegel sehen, rein damit. Knapp 20fach und stramme 8 mm AP. Von der AP her absolut sicher zu viel, aber der komplette Cirrus Komplex steht hell und deutlich im Feld und wird nicht von den Randunschärfen entstellt, die selbstverständlich auch hier vorhanden sind. Knapp vorbei ist auch daneben, dieser Anblick ist sehr erbaulich.

Das ist es, was ich sehen will, für solche Anblicke habe ich „Algol“, den bedeckungsveränderlichen Newton gebaut, mein breites, zufriedenes Grinsen bemerke ich ein wenig später, sonst sieht mich ja niemand.

Schauen wir noch mal in Nordamerika vorbei denke ich und handele dabei schon. Whow, das ist es. Eine deutliche Steigerung an Helligkeit und Feld gegenüber dem Anblick mit dem 28er Okular bei kleinerer AP. Gleiches Spiel mit 12 Zoll Öffnung, hier geht es „nur“ um den Unterschied zwischen 7,1 mm und 5,25 mm AP, aber der Nebel zeigt sich, auch bei der sofortigen Gegenprobe, heller und ausgedehnter, trotz geringerer Vergrößerung auch mit Strukturgewinn. Sehr deutlich wird das am schwächeren Pelikan.

Ich brauche ein Okular, welches mir gerade am 6“ F/4,8 Newton mehr Feld und mehr Randschärfe bringt als das 28er UWA und das möglichst Nahe an 7 mm AP. Wieder einmal zeigt sich, dass für mich große AP und großes Feld in der praktischen Beobachtung unentbehrlich sind.

In sofern reduziert sich jedes Okular in seinem Nutzen auf die AP, die Vergrößerung und die Eignung für das Teleskop, auch ein Okular mit 100° Eigengesichtsfeld.

kein 20 mm Okular kann mir in der Praxis ein 30 mm Okular ersetzen.

 

Dies zeigt sich auch an meinem nächsten Objekt, dem wunderschönen, zarten Crescentnebel, NGC 6888. Schon mit dem 6“ Spiegel und mit Über-AP + O III zeigt sich ein zarten Glimmen in der markanten Sternraute. der schnelle Wechsel auf 12“ offenbart dann einen weichen Nebelschleier wie ich ihn früher, mit dem 8-Zöller auch unter besten Bedingungen nie sah. Dieser ovale, Sterngesprenkelte Nebelhauch zeigt mir schwach eine Zweischaligkeit, von zarten Helligkeitsunterschieden durchzogen. Das ist beinahe ergreifend schön, ich kann lange nicht loslassen und vergesse, höhere Vergrößerungen zu testen.

 

Der Hantelnebel, M 27, präsentiert sich gnadenlos hell und wird ohne Filter durchvergrößert. Die Hantelform ist markant hell als Struktur, die sie ausfüllenden, schwächeren Bereiche sehr präsent und irgendwann bekommen sie feine Anhängsel, kleine Öhrchen. Da muss ich in einer besseren, dunkleren Nacht im Feld noch mal ran. Im Garten schätze ich die Grenzgröße auf + 5,5 Mag, keinesfalls 6 und der Mond wird bald aufgehen.

 

Ein Blick nie Milchstraße hinab, gen Süden zeigt mir ordentliche Transparenz am Horizont an, eine recht seltene Gelegenheit. Der Schütze steht zwar tief, aber günstig in einem weniger streulichtverseuchten Bereich, dass will genutzt werden.

M 22 ist ein sehr schöner, heller KS wenn die Bedingungen stimmen. Jou, schon mit 6“ Öffnung zeigt sich im für die Aufsuche ohne Filter wieder bevorzugten 28er UWA schon ein ordentlicher Nebelfleck aus dem beim Wechsel auf 12“ sofort ein kleines Sternfeuerwerk wird. Der erste Eindruck täuschte nicht, die Bedingungen sind gut wie selten.

Ich liebe diesen 12-Zöller und vergrößere durch, bis selbst mit den 82° des 5-9er Nagler der Haufen Format füllend wird.

auch M 28, deutlich schwächer, kleiner, ferner, gibt gerne Einzelsterne preis.

 

Unweit sehe ich schon ohne Teleskop eine fein glimmende, kleine längliche Sternkette, das zeigt mir M 8 an, mit Lagunennebel.

Der O III steckt noch im 38er Okular und der 6-Zöller ist schnell eingespiegelt. ein heller, großer Nebelknoten, auch der Sternhaufen ist trotz Filter noch erkennbar. Etwas abseits ein kleines, schwaches Glimmen, M 20, der Trifid, steht mit im Feld.

altbekannte Wege führen über die Sagittariussternwolke zum Adlernebel (M 16) und zum Schwan (M17). Der Weg wird drei Mal auf und ab gegangen, 6“ und 12“ mit Filter im 38er WA, dann noch mal 12“ ohne Filter und mit dem 28er UWA. Drei mal Hochgenuss und besonders dieser Schwan mit dem zu kurzen hals hat es mir angetan, wie er von zarten Wellen und Schaum umspielt durch das Sternenmeer schwimmt.

Zum Abschluss der südlichen Tour wird M 11, dem Wildentenhaufen noch ein lohnender Besuch abgestattet, ich mag diesen Sternhaufen wirklich sehr und bekomme das Bild panisch aufsteigenden Entenschwarms nach dem Schuss des Jägers tatsächlich hin.

 

Okay, spät ist es geworden, oder auch früh, je nachdem. Der Mond stört schon heftig, steht aber für sinnvolle Beobachtung noch zu tief.

Zum Abschluss noch ein Blick auf M 51 und die inzwischen allseits bekannte SN. Schwächer ist sie geworden, seit dem letzten Besuch, tritt schon wieder hinter die beiden Sterne die mein 12-Zöller mit auflöst, zurück. Dennoch ist sie klar zu halten, wenn man etwas höher vergrößert. Noch einmal staune ich über die Lichtsammelleistung und die Vergrößerungsfähigkeit dieses 12“ Teleskops. Ich kann das Nagler bis auf 5 mm ziehen und sehe eine riesige sowie eine etwas kleinere GX nebendran, helle Kerne und deutliche spiralige Strukturen in der größeren Scheibe. Okay, mit etwas weniger Vergrößerung wird das Bild knackiger und besser.

Nicht dass mich das stört, aber an GX Beobachtung mit 1 mm AP unter nicht mal guten Bedingungen muss ich mich noch gewöhnen.

Ins Haus gehievt habe ich meinen Algol übrigens alleine, das geht auch. Frauchen lag schon längst im Bett. Da bin ich dann auch untergekrochen, sehr glücklich, fast berauscht und überaus zufrieden.

 

Gruß

Günther