Gestern Abend zeichnete sich wieder einmal ab, dass der zunächst noch etwas zirrige Himmel gegen Mittermacht brauchbar werden würde.

Okay, raus in den Garten mit dem 12-Zöller, um Mitternacht sind die Straßenlampen eh aus und zu lange sollte es auch nicht gehen.

Ein gelungenes Foto des Draco Triplets (NGC 5982/5985/5981), welches ich von Anonius sah, gab den Ausschlag, mich in der Nach nur mit diesem oft vernachlässigten Sternbild zu beschäftigen.

 

Bis es so weit war beschäftigte ich mich aber noch mal mit Saturn und hatte hier deutlich besseres Seeing als in der Nacht zu Himmelfahrt. Ich konnte mit dem Binoansatz bei runden 300fach gewinnbringend beobachten, wirklich sehr lecker. Es ist für mich bei Weitem nicht immer so, dass der Binoansatz mir mehr bringt als die einäugige Beobachtung, aber gestern Abend konnte ich den Vorteil der scheinbar höheren Vergrößerung durch das beidäugige Sehen wirklich Mal ausreizen. Alle Details von Donnerstag noch mal etwas größer, prägnanter, ohne Schärfeverlust.

 

Nun gut, Draco wartet nach dem Verlöschen der Straßenlampen und ich ermittele etwas später im kleinen Wagen 5,5 Mag.

Dieses Triplet ist mit einem 12-Zöller noch lange kein Vorzeigeobjekt, aber man kann es relativ einfach im vom hinteren Kasten des kleinen Wagens in Richtung Herkules weisenden Knick des Drachenkörpers.

Im großen Feld des 28er Übersichtsokulars erblicke ich dann auch zunächst ein schwach glimmendes, ovales Wölkchen. Es ist die kompakte NGC 5982, die mittlere der drei GX mit 11,1 Mag Helligkeit. Darüber sehe ich ein etwas größeres, längliches, schwächeres Wölkchen, es ist die 11 Mag helle NGC 5985. Sie erscheint schwächer, weil sich ihre Helligkeit auf größere Fläche verteilt.

Unterhalb von 5982 meine ich, schon im Übersichtsokular eine winzige, längliche Aufhellung dingfest zu machen, indirekt ist das zu halten. Das wäre dann NGC 5981, eine schmale Spindel mit 13 Mag.

Das 14er Pentax schafft endgültige Klarheit, alle drei GX sind deutlich sichtbar, auch die schwache Spindel mit 13 Mag. Unter besseren Bedingungen ginge sicher mehr, aber so richtig ergiebig wird das nicht, mit Details. Finden und Sichten ist hier auch mit 12“ Öffnung schon viel. Höhere Vergrößerungen als 14 mm ließen sogar die schwache Spindel von 5981 wieder verschwinden, auch 5985 wurde zusehends schwieriger. Schon mein 15-10,5er Zoomwan konnte ungezoomt die schwächeren GS nicht so gut herausarbeiten wie das Pentax, auch die noch günstigeren Kandidaten wurden noch mal ausgepackt und fielen, wie schon bei der Himmelfahrtsbeobachtung abzusehen, deutlich ab. Es ist wirklich nicht viel, was bei sehr guten Okularen mehr kommt, aber an so grenzwertigen Objekten sieht man es eben doch deutlich.

Draco hat aber auch richtige Sahnestückchen für 12“ Öffnung zu bieten und die gehen auch mit weniger Öffnung.

Etwas außerhalb, in Richtung Dechsel des großen Wagens, steht mit M 102 eine kleine aber sehr helle (9,9Mag) Spindel, schon eingerahmt von Sternchen und wenn man vom Triplet darauf zusteuert, kommt man zuvor schon bei NGC 5907 vorbei, einer sehr feinen, lang gestreckten Spindel mit immerhin 10,4 Mag Helligkeit.

 

Der Drache hat ein Katzenauge und das ist blau.

Mittendrin, zwischen gerecktem Hals und Körper verzeichnen die Karten NGC 6543, ich finde ihn indem ich die beiden dem vorderen Kastenpaar des kleinen Wagens zugewandten Sterne 44 und 22 Draco als Grundlinie eines etwa gleichschenkligen Dreiecks nehme dessen Spitze dann im Drachen liegt. Mit 12“ Öffnung zeigt schon das Übersichtsokular ein kleines bläuliches Scheibchen, im 6-Zöller zum Beispiel ist das mit dem gleichen Okular noch „ein Sternchen“ aber auch schon blau. Da kann man dann mit sehr hoher Vergrößerung rein und das Ding gewinnt an Fläche. Die Helligkeit des Winzlings liegt bei 8,1 Mag, als da kann man schon Fläche draus machen, ohne dass das Licht ausgeht.

Etwas Aufmerksamkeit und bedächtiges Vorgehen empfiehlt sich allerdings, denn man muss sich schon ein wenig in das Scheibchen einsehen und dann kommt schon bei nicht allzu hohen Vergrößerungen plötzlich sehr deutlich der helle Zentralstern mühelos als nadelspitzes Zentrum des Nebels heraus. Wem es nicht gleich gelingen will, der schaue mal etwas vorbei, also indirekt. Spätestens ab 8“ sollte das gelingen, ich gehe bei Gelegenheit mal mit dem 6-Zöller ran.

Mit dem Zentralstern in Mittelpunkt meine ich, im hellen Nebelzentrum eine sehr feine wolkige Rasterstruktur gesehen zu haben, eine Andeutung der komplexen Strukturen, die auf guten Fotos sichtbar sind, auch einen Halo um den Hellen Kern konnte ich ansatzweise indirekt erahnen, er vergrößerte den direkt sichtbaren Bereich aber nur sehr wenig.

Immerhin ein bläulicher PN mit Zentralstern und großer Helligkeit. Der macht mit 20“ bestimmt ordentlich was her.

Auf dem unteren Schenkel meines gedachten Dreiecks gibt’s noch eine GX, NGC 6503. sie steht mit 10,2 Mag auf ein langes, etwas zerzaustes Oval verteilt schön zwischen Sternchen eingebettet und bildet einen schönen Abschluss meiner Drachentour.

 

Vor dem Abbau denke ich noch mal an das Katzenauge, ich kann solche Bilder wirklich speichern und abrufen. Da fällt mir Stefan ein, der kürzlich NGC 6210 im Herkules verpasste. Der PN ist doch noch kleiner und ich vermutete schon, dass er im Übersichtsokular am 8 oder 10-Zöller kaum von einem Stern zu unterscheiden ist.

Ein Schwenk bestätigt die Vermutung, auch im 12-Zoller bei fast 60fach ist da nur ein „Sternchen“, es ist allerdings bei genauem Hinsehen wieder verräterisch bläulich.

Das 14 mm Okular zeigt den PN eindeutig dann flächig.

Den Abschluss mache ich dann bei M 13 und dem gebe ich mal 6 mm Okularbrennweite. Nach so viel GX-Watte und PN-Glimmen, mal ein Format füllendes Sternenmeer. Der Himmel gibt das her, hat sich offensichtlich noch ein wenig gebessert, sehr schön sind die unterschiedlichen Sternfarben im KS auszumachen, außen locker und innen dicht gepackt.

M 92 kommt auch noch dran, etwas schwächer, aber nicht unbedingt schlechter.

 

Sehr zufrieden und sehr entspannt gehe ich daran, abzubauen. Kalte Füße gab es dieses Mal auch nicht, es ist warm und man könnte ja noch so viel, wären da nicht die täglichen Anforderungen, denen auch Genüge getan werden muss. Also will ich wirklich zufrieden sein, Übertreibungen können sich rächen.