Am 26.05.2012 konnte ich mal so richtig meinen neuen 12“ Sonnenfilter (Baader Astro Solar visuell) einweihen.
Ich hatte mich vor längerer Zeit dazu entschlossen, eine Fertiglösung für 30 € zu bestellen, die nichts weiter ist, als ein Tubusabschlussdeckel  mit Folie bestückt. leider musste ich beim Auspacken feststellen, dass die 200 mm freie Öffnung außermittig ausgeschnitten sind, was bei meinem Fernrohr absolut nicht geht, da der einspiegelbare 6“ Spiegel im 12er Tubus  natürlich mittig sitzt.
Also ein 33x33 cm großes Stück Folie nachgeordert und auch gleich bemerkt, dass Sondermaße über A 4 Format teurer sind.
Den 30 cm Ausschnitt im Tubusdeckel habe ich mit der Stichsäge gemacht, da das sehr gut und sauber ging, habe ich auch gleich den Sperrholzring auf den ich die Folie dann aufgeklebt habe. Eigentlich ist das eine Aufgabe für die Oberfräse, aber es ging aus so recht gut, vor allen Dingen leiser.

Die Spannung stieg, denn wie oft hört und liest man über die seeingbedingte Untauglichkeit großer Öffnungen hierzulande, gerade bei der Sonnenbeobachtung, wo der Tubus den wärmenden Strahlen unseres Heimatgestirns ausgesetzt ist und kleine Teleskope allein schon durch die atmosphärischen Turbulenzen im Vorteil sein sollen.

Nun gut, schaun wir Mal, mein Fernrohr hat eine Korklage über dem Tubusblech und eine ordentliche saugende Lüftung. Mit dem 6-Zöller und den 8-Zöller hatte ich nie Probleme, aber 12“ ist eine andere Hausnummer. Durch Einspiegeln des 6-Zöllers kann ich auch einen brauchbaren Vergleich herstellen.

Okay, Filter aufs Rohr, noch etwas Veloursfolie über die „Nasen“ der Halterung, um auch wirklich einen strammen Sitz für absolut sichere Beobachtung zu gewährleisten und los geht’s. Schattenwurf an den RB-Seitenwangen auf Null stellen und beim Höhenschwenk mit Blick in den leeren OAZ wird’s plötzlich hell, Sonne eingestellt.
Schon der Blick mit dem 15 mm Okular, welches ich als Einstiegsvergrößerung wähle, entlockt mir ein vernehmliches „Uiiiii“.
Komplettsonne bei etwa 100fach  und schöne, hart kontrastierte Fleckengruppen. Was mich aber hier schon erstaunt, ist die fast greifbare Strukturiertheit der Granulation und die durch Eruptionen ausgelösten schleifigen Fehlstellen darin.
Hochzoomen bis etwa 160fach ist problemlos möglich, der Sonnenrand zeigt ein leichtes Flimmern, aber die Strukturen auf der Sonne bleiben weitestgehend ungestört.
Ich bemerke, dass mir der Wind hilft. Schläft er ein, stört ganz offensichtlich die vom angewärmten Boden der Terrasse aufsteigende Luft, weht das Lüftchen wird das Bild klar.

Nun kommt der Binoansatz ins Spiel. Mit der Barlow als GWK Ersatz und zwei 26er Plössl-Okularen bestückt messe ich 1,8 mm AP, was 170facher Vergrößerung entspricht.
Da könnte man meinen, das macht kaum mehr her als die eben noch anliegenden 160fach.
Weit gefehlt.
Die Beeinflussung durch Seeing bleibt etwa gleich aber alles sieht deutlich, also wirklich sehr deutlich größer aus und Details sind leichter zu erkennen, werden irgendwie präsenter. Der Vergrößerungszuwachs durch beidäugiges Sehen ist schon beim Zwinkern im Fernglas leicht festzustellen, genau das passiert mit dem Binoansatz auch.
Es geht um Faktor 1,3 oder auch 1,4, zumindest wird das soweit ich weiß allgemein als Vergleichswert akzeptiert Konservativ mit 1,3 gerechnet haben wir also schon 220fach und nicht 170fach anliegen, gefühlt hätte ich sogar noch etwas mehr unterstellt.
Wunderbar strukturierte Flecken mit kleinsten Verästelungen und Helligkeitsunterschieden lassen sich hervorragend beobachten, aber die Granulation hat es wirklich in sich. nicht mehr nur sandpapierartige Strukturen, sondern bei größeren Granulen ist schon eine netzwerkartige  Bienenwabenstruktur zu sehen.
Das kann der gleich mal eingespiegelte 6-Zöller nicht, auch nicht, wenn ich ihn anstatt der 26er Plössl die 14,5er  oder 12er Okulare spendiere, womit dann in etwa Vergrößerungsgleichstand zum 12-Zöller mit den 26er Okularen herrscht..
Dabei bemerke ich, dass ich Probleme mit dem Seeing bekomme, und das obwohl ich mit der halben Öffnung als zuvor und mit ähnlichen Vergrößerungswerten beobachte.
Das widerspricht heftig Vorstellung vieler Beobachter und ein wenig überrascht es auch mich. ich kann aber machen, was ich will, kann auch die wesentlich höhere Obstruktion beim kleinen Spiegel bedenken, was bei hohen Vergrößerungen sicher einen Anteil am flauen Bild hat und die Seeingempfindlichkeit erhöht, alles lässt sich aber so auch nicht erklären.
Spaßeshalber zieh ich Mal dem 6er Spiegel und schaue, wie es mit der 14,5er Okularen im Ansatz am 12er ausschaut, da kommen dann 1,15 mm AP rum, 260fach und Mal 1,3 gerechnet annähernd 340fach.
Okay, da stehen wir voll im Seeing, aber so viel schlechter als mit dem 6-Zöller ist das auch nicht, allein schon die Größe der wabernden Strukturen ist imposant. In ganz kurzen Momenten wird es fast annehmbar und ich erinnere mich auch noch an die beiden 17er WAs, die dann versucht werden, aber zu viel ist zu viel.
Die 26er Plössel kommen wieder rein und nie war mir klarer als in diesem Moment, dass Weniger manchmal Mehr ist.

 

Beispielskizze mit 6 Zoll Öffnung



Diese Beobachtungen haben gestern begonnen und wurden heute noch drei Mal wiederholt.
Das Ergebnis steht.
12“ Öffnung sind kein Hindernis für erstklassige Sonnenbeobachtung Weder das Seeing, noch der Standort Gartenterrasse in lockerer Bebauung waren in irgendeiner Form Sonderklasse oder schwer erreichbare Ausnahme. Eventuell hätte es ein guter 8 oder 10-Zöller auch getan, sie standen nicht zur Verfügung. Der gute 6-Zöller konnte jedenfalls auflösungstechnisch nicht mithalten und hatte keinen Seeingvorteil. zumindest bezüglich des Tubusseeings hätte er eigentlich die Nase vorne haben müssen, denn er steckt ja im gleichen Tubus wie der 12-Zöller und hat dort mehr Raum.

Heute  werden noch die Beobachtungen am Mond und am Saturn komplettiert.

Der Vergleich 12“ F/5,3 und 6“ F/6 (mit geringerer Obstruktion als der 6“ F/4,8) fehlt mir noch und wird nachgeholt.

Gruß
Günther