BB vom 04./05/2014 mit 12“ f/5,3 Dobson aus dem heimischen Garten, in der Spitze etwa 5,5 Mag

 

 

Der Samstag war mit Gartenarbeit ausgefüllt und das Wetter wurde immer besser. Gegen Abend lachte mich ein fast wolkenloser und ausnahmsweise tatsächlich sehr blauer Himmel an. Heftige Winde und Regenfälle in den Tagen zuvor hatten es offensichtlich geschafft, den inzwischen allgegenwärtigen (Flugzeug)Dunst in höheren Luftschichten wegzuräumen.

Also stellte ich den 12er schon recht frühzeitig in den Garten, da zum Rausfahren einfach der Elan fehlte. So warf bereits in der fortgeschrittenen Dämmerung erste Blicke zum da noch recht hoch im Westen stehenden Sichelmond die signalisierten, dass das Seeing zumindest brauchbar war.

So konnte der etwas darüber stehende Jupiter durchaus freudvoll mit dem Nagler Zoom auf etwa 200fache Vergrößerung gebracht werden und zeigte dann auch nochmal seine wunderschön pastellige Bänderung schon mit deutlichen Verwirbelungen, Knoten, Verdickungen der Bänder selbst.

Der kleine Mars blieb wenig später bei gleicher Vergrößerung doch wesentlich blasser, zumal er mir seine hellere Seite zeigte. Neben der kleinen Polkappe waren aber doch einige Helligkeitsvariationen der rötlich/gelben Grundfarbe zu sehen und ich nahm mal einen Grünfilter zu Hilfe, der den Kontrast noch etwas anhob. Eindeutige Wolkenstrukturen, die ich kürzlich mit dem 6-Zöller schon sah, konnte ich dieses mal nicht dingfest machen, eventuell haben sie sich reduziert oder abgeschwächt.

Die Nähe zum Haus war bei der inzwischen deutlich spürbaren Kühle nicht schlecht, so wurde dann erst mal noch eine weite, wärmende textile Schale um den fröstelnden Hobbyastronomen gelegt. Die kleine Pause war wegen der noch brennenden Straßenlampen ohnehin zu verschmerzen, denn erst nach deren Abschaltung sollte es auf GX-Jagd gehen.

Bis es so weit war kamen noch die Kugelsternhaufen M 13, M 92 und 6229 im Herkules, und M 3 im Bootes an die Reihe. Ich hadere ja manchmal etwas mit der Qualität des 12er Spiegels, aber dieses Mal war ich höchst angetan von der enormen Auflösung und diesem Puderzucker auf schwarzem Samt Anblick bei niedrigerer Vergrößerung und der enormen Steigerung der Auflösung beim Reinzoomen. Mag sein, dass dabei die längere Abstinenz vom 12-Zöller und die recht häufige Nutzung der 4,5 und 6 Zöller eine Rolle spielt. Der 16er kommt ja noch seltener aus der Parkposition, aber da soll nun Abhilfe her.

Immerhin gelang der Abstecher von M 13 zum kleinen PN 6210 mit dem Nagler bei etwa 13 mm Brennweite auf Anhieb, überhaupt verlernt man das Starhopping offensichtlich doch nicht so schnell, jedenfalls staunte ich mehrfach über meine Zielsicherheit. Der PN selbst blieb hell und leicht verschoben rundlich oval, auch mit Filter (2x O III, 1xUHC im Schieber) sowie mit hoher Vergrößerung blieben mir schwächere Außenbereiche verwehrt.

Dann doch schon mal ein Blick auf M 51, trotz der immer noch brennenden Lampen, denn es war schon spät. Offensichtlich schaltet man die Lampen Samstag auf Sonntag später aus als an anderen Wochentagen. Die Spätheimkehrer aus den Kneipen mit ihren alkoholgeweiteten Pupillen müssen ja geblendet werden, damit sie sich sicher fühlen. Immerhin war der Mond für mich schon untergegangen.

Erstaunlicher Weise sah das schon im 28er UWA sehr voluminös aus und hatte schon so was wie Löcher in der Fläche als Andeutungen von Spiralstruktur. Die Transparenz des Himmels. war also wirklich nicht schlecht. Der Anblick im Naglerzoom war dann wirklich erbaulich.

Sodann der Schwenk zum Leo Triplet, diese blöden Lampen müssen ja irgendwann ausgehen. Trotz der Störung alle drei sofort deutlich und gut sichtbar im Feld des 28er UWA, immer wieder ein schöner Anblick. Auch die Vierergruppe unter dem Bauch des Löwen wurde besucht und NGC 2905 vor dem Kopf sowie NGC 3344. Laut Reiseatlas „ähnelt sie der Milchstraße“, dieses kleine , schwache Puschelchen zwischen zwei feinen Sternchen über dem Rücken des Löwen. So sehen wir also aus etwa 30 Millionen Lichtjahren Entfernung betrachtet aus.

Knips, Licht aus. Herrlich, endlich, lange nach Mitternacht.

Vom Schwanz des Löwen aus fällt man beim Schwenk in die Jungfrau eigentlich zwangsläufig über M 98 oder M 99 und wenn man zwei doer drei der GX dann hat, weiß man wo man ist. So hangele ich mich dann zu Markarians Galxienkette durch und vernachlässige über den Genuss (wie üblich) die Identifizierung. Das Erfassen der Vielfalt der Erscheinungsformen und die Freude über die gute Sichtbarkeit auch kleinerer, schwächerer Mitglieder des Virgohaufens siegt.

Irgendwann setze ich mal ab, denn ich will auch noch den Sombrero sehen, der wesentlich tiefer steht.

Das geht noch locker und da fällt mir, noch tiefer, der allerfeinst sichtbar Raabe ins Auge, da war doch was!?

Ah ja, NGC 4361, PN, Zentralstern, schwacher Nebel. Also 13 mm Brennweite zur Aufsuche, gleichschenkliges Dreieck zu den beiden oberen Kastensternen der Raute und los.. Ein wenig hin und her und kreuz und quer zeigt da erst mal nicht, also schiebe ich mal den Castell O III vor und setze nochmal an. Bingo, hab Dich schon sehr schnell. Ein schwaches rundes Nebelbällchen kreuzt den Weg und wird gehalten, kein Zentralstern. Also Filter weg und das Bällchen ist etwas schwächer, aber immer noch da, eventuell in der Mitte etwas heller. Zoomen wir mal ein wenig höher, so auf 160/170fach und schon zeigt sich eindeutig und mittig ein Sternchen in der immer noch deutlichen Nebelblase. Ein feiner PN.

Nun aber der Sombrero, M 104, die ich vom Spica ausgehend mit dem 28er UWA auch recht schnell finde. Sie macht schon in dieser Vergrößerung einen ansehnlichen, länglich ovalen Eindruck und bietet mir dann mit dem Nagler bei höheren Vergrößerungen das recht detailreiche Bild eines Ovales mit spitzen Enden, einem hellen Kern und darüber und darunter leicht ungleicher Helligkeitsverteilung. Die sonst oft wahrgenommene gerade, beinahe harte Kante (Dunkelband) mit dem darüber nur noch schwach glimmenden Halo war nicht sehr ausgeprägt, die GX wirkte eher wie eine homogene Einheit, so habe ich sie eigentlich noch nie gesehen.

Ngc 4697 weiter oberhalb ist eine schöne, helle Ellipse und von dort aus suchte ich mir noch NGC 5746 am hinteren Ende des oberen Auslegers von Virgo in Richtung des Schlangenträgers. Eine schöne, nicht allzu helle GX in Kantenlage direkt neben 109 Vir.

Wer mich kennt weiß, dass die eingeschlagene Richtung kein Zufall ist, denn nur wenig weiter in Richtung Schlangeträger befindet sich mit M 5 ein sehr schöner Kugelsternhaufen, aber zunächst mal besuche ich einen seiner unbekannteren Brüder, NGC 5634. Ordentlich hell rund und sehr klein findet man ihn schräg unterhalb von NGC 5746 im unteren Ausleger der Virgo zum Schlangenträger hin. Auf- oder anlösen konnte ich ihn auch mit dem 12-Zöller nicht, aber das Bällchen leuchtet nett zwischen Sternen hervor. Mag sein, dass da schon ein paar winzige Randsterne das Haufens selbst dabei waren.

Dann aber endlich M 5 ins 28er UWA geholt. Welch eine Pracht, Donnerwetter. Als KS-Fan hole ich ihn oft ins Okular, aber so gut ist er selten zu sehen. Aus einem sehr dichten Zentrum in dem trotzdem schon zahlreiche Einzelsonnen funkeln, lösen sich nach außen hin zahlreiche lockerer stehende Sterne auf und die formieren sich zu gebogenen Ketten und rundlichen Mustern. Fast ist man an ein käferartiges Wesen mit rundem Leib und mehreren Fühlern erinnert. Eine Vergrößerungssteigerung verträgt der Haufen brilliant, belohnt mehr Auflösung mit unzähligen weiteren Sternen bis er das Feld sprengt und darüber hinaus wenn man mag.

Ich kann mich kaum satt sehen und wollte ja eigentlich weiter zu den ebenfalls sehr beobachtenswerten KS im Schlangenträger, aber da fällt mir auf, dass dieser M 5 die am Abend unter dem doch störenden Einfluss von zwei Straßenlampen in der Nähe beobachteten prominenten KS deutlich schlägt. Mit denen war ich da noch sehr zufrieden.

Also zurück zu M 13 und M 3. Beide nun tatsächlich deutlich besser, brillianter als wenige Stunden zuvor, aber ja, dieser M 5 zu dem ich noch einmal zurückkehre ist mein Favorit (für diese Nacht).

Ich lehne mich zurück und lasse die Augen über diesen ergreifend schönen Sternenhimmel wandern. Nach einer Weile bemerke ich, schleichend und durch eine tiefe Zufriedenheit hindurch, dass ich ganz nebenbei erbärmlich friere. Es ist schweinekalt geworden und ich bin hundemüde.

Die Uhr zeigt kurz vor Zwei und ich beende die Beobachtung. Der Dobs kommt unter das Terrassendach, die Okulare in den Koffer und ich keine 15 Minuten später ins Bett.