21/22.05.2020 Beobachtungsbericht M 13 plus NGC 6207 und mehr

 

Es wird schon kaum noch richtig dunkel, die "weißen Nächte" sind da, saure Gurken-Zeit für Deepsky?

 

Der 6 Zoll f/4,8 Dobs steht auf dem Balkon und ich warte für den Versuch nicht nur M 13, sondern auch die kleine Hintergrundgalaxie NGC 6207 zu erwischen mal bis 23.00 Uhr ab. Das Puschelchen ist mit nur 11,4 Mag Flächenhelligkeit ausgewiesen, da oben hab ich vor Verlöschen der Straßenlampen gerade mal 5 Mag, danach 5,5 Mag.

Das wird also auch von der Theorie her knapp, weil ich unter diesem Bedingungen mit dem 6-Zöller "Punktlichtquellen" bis unter 12 Mag auflösen kann. Sternbeugungsscheibchen sind hier näherungsweise als Punktlichtquellen zu definieren. Bei den 11,4 Mag der GX geht es definitiv um Flächenhelligkeit.

 

Ich nehme zur Aufsuche den Peilsucher und das alte 20er Widescan mit 84° Feld in den Okularauszug. Nicht eben berauschende Randabbildung an f/4,8, aber M 13 steht schnell mittig im über 2 Grad großen Feld. Bei 4,1 mm AP ist der Hintergrund aber immer noch weit weg von schwarz, eher mittelgrau.

Nun kommt eine einfache Barlow zum Zuge, was in der Kombination etwa 14 mm Brennweite und 2,9 mm AP ausmacht, ein deutlicher Fortschritt sowohl für die Vergrößerung mit 50fach also auch für die Dämpfung der Hintergrundhelligkeit und ich kann mit dieser Kombi noch bis 75fach, bei rund 2 mm AP zoomen.

Beim Umrunden von M 13 fällt mir dann schon mit 50fach ein hellgraues Fleckchen auf, welches sich auch mit 80fach sicher halten lässt. Zeitlich wirklich exakt passend sieht es plötzlich durchs Okular aus, als werfe sich ein dunkler Schatten über mich. Das kenne ich schon, die Straßenlampen sind aus. Ich bleibe mit dem Auge am Okular und kann sehen, wie die GX nun nochmal deutlich gewinnt, heller hervorsticht. Nicht gerade eine Leuchtkerze, kein „easy going“, aber gut machbar. Die Skizze gibt Position und Ansicht gut wieder.

 

  

 

Es geht also auch was in den hellen Nächten und mit kleinerer Öffnung, man muss nur mit der AP ein wenig spielen und wenigstens den Straßenlampen und anderen direkten Störlichtquellen ausweichen. Es geht nicht mal so sehr um die ultimative Okularqualität. Das alte 20er Widescan ist bei genauer Betrachtung z.b. den moderen Nagler-Typen oder auch meinem 20er Lunt  in allen Belangen unterlegen, aber die Gegenprobe zeigt es hier nicht mit dem riesigen Nachteil oder gar mit dem Unterschied zwischen sehen und nicht sehen. Da macht am gleichen Gerät die passende AP einfach deutlich mehr aus.

 

Richtig übel sieht es aber immer noch, auch ohne Straßenlampen, in Richtung des ewig funkelnden Lichts von Antares, dem Hauptstern des Skorpions, aus. Der "Strahlemann" steht blass blinkend vor einem grauen Hintergrund und wird nur von wenigen Sternen flankiert die hell genug sind. Die freisichtige Grenzgröße sinkt bis zum Horizont deutlich unter 5 Mag.

 

Was wird wohl da von M 4 übrig bleiben ist die Frage im Hirn und fast selbstständig deckt sich der Leuchtpunkt des Peilers wenig später mit Antares um im davon ausgehend angepeilten mittigen Fußpunkt eines flachen Dreiecks mit Sigma SCO den prominenten Kugelsternhaufen zu suchen. Erstaunlich hell und sofort sichtbar zeigt er sich schon bei 50fach, allerdings will die Auflösung in Einzelsterne auch bis 80fach nicht so wirklich in großer Zahl gelingen, ab und zu blitzt mal hier, mal da was auf.

 

   

 

Ähnlich verhält es sich auch beim Schwenk auf exakt gleicher Breite nach Osten. Ich treffe beinahe unausweichlich auf Messier 19, einen weiteren prominenten Kugelsternhaufen im Schlangenträger, wenn ich knapp zwei Drittel der Strecke von Antares zu Theta OPH zurückgelegt habe und mich etwas unterhalb der Verbindungslinie halte. Von Haus aus fast eine Magnitude schwächer und ganz erheblich kleiner kommt das neblige Fleckchen ins Bild. Etwas höher vergrößert fällt seine außergewöhnlich ovale Form sehr gut auf, mehr ist in der Lichtsuppe fast nicht zu erwarten. Blickweise ein leichtes Glimmen und Glitzern an manchen Stellen zeigt sich aber mit etwas Geduld dann doch.

 

  

 

Nochmal einen echten Tacken schwächer zeigt sich M 9, aber immerhin, der kompakte KS mit 7,6 Mag Helligkeit ist auch unter diesen schwierigen Bedingungen eindeutig zu finden und zu sehen.

Er steht oberhalb von M 19 im Schlangenträger, zwischen den Sternen Eta und Xi.

 

  

 

 

Nach noch schwächeren und noch südlicheren Funzeln habe ich nicht mehr gefahndet. Es hat aber Spass gemacht, sich diese Objekte, die ich schon mit mehr Öffnung und/oder unter besseren Bedingungen als wahre Sternenmeere gesehen habe, mal ein wenig als Wattekugeln zu "erarbeiten". Mit geduldigem Einlesen kriegt man auch durchaus den einen oder anderen Lichtfunken ab.

Wirklich erstaunlich ud faszinierend ist auch, wie sehr sich die Anblicke ein und des selben Objekts durch veränderte Bedingungen, unterschiedliche Öffnungen und Herangehensweisen unterscheiden können.

 

Es geht auch unter widrigen Bedingungen und in den weißen Nächten ohne echte astronomische Dunkelheit durchaus etwas das über Doppelsterne und offene Sternhaufen wie die Plejaden hinaus geht.

 

Der passenden Einstellung von Equipment und Beobachter kommt dabei entscheidende Bedeutung zu.