22.30 Uhr bis 02.30 Uhr FST: 5 – 5,5 Mag.

 

6“ F/6 Newton/Dobson (150/900)

Übersicht/Aufsuche mit 28 mm UWA Okular, 32fach, 4,7 mm AP

Vergrößerung 1 mit 15 – 10 mm UWA Okular, 60-90fach, 2,5 bis 1,7 mm AP

Vergrößerung 2 mit 9-5 mm Nagler Okular, 100-180fach, 1,5 bis 0,8 mm AP

 

Die hellen Nächte verderben so ganz allmählich den Spaß an GX, und da kommen die Sternhaufen des Sommers um so gelegener, sind doch Sterne, auch wenn sie in geballter Ladung kommen, nicht ganz so empfindlich, was die Himmelsqualität angeht und gerade an Kugelsternhaufen kann man auch unter aufgehelltem Himmel was reißen, wobei die gute Qualität der Optik, wozu zwingend eine gute Justierung gehört, hohe Vergrößerungen mit Auflösungsgewinn belohnen muss um wirklich mit 6“ Öffnung erfolgreich zu sein.

Ich lasse übrigens gleich das 38er WA im Koffer. Etwas mehr Feld bietet es zwar, dafür aber mit 6,3 mm eine deutlich zu große AP.

 

 

Zum Warmwerden M3,

ein heller (5,9 mag), kompakter KS, der schon mal als schwierig zu finden gilt. Ich gehe immer mittig von Mel 111, dem großen, freiäugig sichtbaren Sternhaufen im Haar der Berenike aus, ziehe eine gedachte Linie über den Stern ß (Com) und fahre von dort aus einfach in Richtung Bärenhüter.

Im knapp 3° großen Feld taucht unweigerlich ein heller Wattepuschel auf, so auch gestern Abend wieder. Ungünstig ist dieser Weg nur, wenn man sich von den drei bis vier GX zwischen Mel 111 und dem Stern ß aufhalten lässt.

Schon in der Übersicht, noch unter leicht aufgehellten Bedingungen der späten Dämmerung, präsentiert sich M 3 als ein heller, leicht ausgefranster Lichtklecks der bei 15 mm Okularbrennweite schon in den Außenbereichen granuliert und bei längerem Hinschauen Einzelsternchen blitzen lässt. Man kann den Haufen hoch vergrößern, die Sterne mehren sich, das Zentrum bleibt aber immer mit Watte hinterlegt und kompakt. Er verträgt durchaus 150fach, mir gibt der Anblick um 100fach mehr, über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten.

 

M 53, die Miniaturausgabe in der Nachbarschaft,

schwere Kost, wenn auch einfach zu finden, da direkt neben der Haarwurzel von Berenikes dünner Pracht, also dem Stern Alpha gelegen. Nettes Feld von Sternen mit einem 7,5 mag Wattebäuschchen drin. In einer ganz dunklen Nacht meinte ich, darin eine Granulation auszumachen uns ein zartes Funkeln, gestern nicht. Trotzdem lohnen sich solche Schwenks, denn man weiß ja was das ist und man bekommt auch ein Gefühl für den Unterschied in den Helligkeiten, denn so gewaltig wie sich das auswirkt, erscheinen 1,6 mag Unterschied als Zahl erst mal nicht.

 

Südlich abwärts zu M 5,

nicht an der Jungfrau und ihrem GX-Zierrat hängen bleiben, verblasster Silberglanz dunkler Nächte, ich bin auf Diamantenjagd.

µ und ? Serpens als gerade und dazu die Spitze eines etwa gleichschenkligen Dreiecks in Richtung Virgo gebildet und mit dem Riegl anvisiert. Ein wenig nördlich im Feld steht M 5. So findet man ihn, auch wenn die Sternenkette in Richtung Virgo mangels Transparenz oder wegen Aufhellung auf der 0° Linie fehlt.

Mit 5,7 Mag ist M 5 eigentlich flächenheller als M 3, aber nicht ganz so kompakt und häufig leidet er auch unter dem horizontnäheren Stand.

Dennoch schon in der Übersicht ein prächtiger Wattebausch der schon ein wenig körnig wirkt. Die Sterne lassen sich dann auch bereits mit 15 mm Okularbrennweite nicht mehr lange bitten und bei etwas mehr Vergrößerung stellt sich schon der herrliche Anblick eines Kugelsternhaufens mit vielen Einzelsternen ein. Der beste Anblick für mich lag gestern bei 9 mm Okularbrennweite, 100fach, AP 1,5.

 

Weiter zu M 10 und M 12,

die ich gerne gemeinsam nenne, weil meine Aufsuchmethode mir nie im Voraus sagt, über wen ich zuerst stolpere.

? OPH ist dieses Mal die Spitze des Dreiecks in Richtung Osten, die Schenkel werden von ? im Norden und ? im Süden gebildet und etwa auf die Mitte der Verbindungslinie zwischen diesen beiden Sternen fahre ich von der Spitze des Dreiecks aus zu.

Fast passen Beide in ein Feld, aber einer von ihnen geht immer ins Netz. M 12 zeigt sich gut 1 Mag schwächer als Mm 5, lässt aber schon mit dem mittleren Okular, also bei 15-10 mm eine Auflösung von Einzelsternen im 6-Zöller zu. Ich habe ihn zuerst erwischt, was auch an den kräftigen Feldsternen um den Haufen herum erkennbar ist.

Um M 10 herum sind nur feinere Sternchen vorhanden, auch bleibt er nebliger, da er bei ähnlicher Helligkeit konzentrierter ist. Ein paar feine Sternchen sprenkeln ihn, höhere Vergrößerungen als mit 10 oder 11 mm Okularbrennweite bringen mir nichts, dann wird es wieder matschiger.

 

Für M 14

schwenkt man einfach weiter durch und peilt grob die Mitte zwischen ? und ? OPH im Osten an. Bei 3° Feld langt das locker aus um diesen noch mal 1 Mag schwächeren KS zu finden. auflösen konnte ich ihn nicht, das war aber auch schon mit dem 8-Zöller kaum drin, mehr als etwas gemottelte Struktur kam da nie.

 

Gleiches gilt für M 107,

unterhalb von ? OPH gelegen und mit großem Feld leicht zu finden, wenn der Himmel dort unten nicht zu aufgehellt ist, denn 8,1 mag bei so südlichem Stand lassen keine Wunder erwarten.

 

Wo ich schon Mal da unten rumkrebse schaue ich doch gleich mal nach einem PN, die letzten beiden KS brachten ja auch keine Diamanten.

Direkt über ? OPH sehe ich deutlich den Stern ? und daneben, auf gleicher Höhe bleiben, nur ein wenig in Richtung Westen, also etwa 2,5° zurück gibt es einen winzigen PN

NGC 6309

ist hell genug für 6“, hat eine leicht eckige, längliche Form, ist aber sehr winzig an einen noch winzigeren Stern angelehnt, so meine Erinnerung. Ein wenig musste ich wühlen und zwar von Anfang an mit 9 mm Brennweite bei 100fach, aber dann hatte ich ihn. Recht lichtschwach gegenüber dem Anblick im 8-Zöller und wenn ich ihm weniger Vergrößerung gab zwar heller aber eben auch kleiner, aber definitiv eine erfolgreiche Sichtung.

 

 

Noch weiter runter M 4,

zurück zum Zweck der Übung. Neben Antares, finden ist nicht das Problem, die Frage ist immer, wie sieht der aus. Immer einen Blick wert, aber wie M 31 als GX sehr abhängig von guter Transparenz ist, so ist dieser prächtige KS immer von Horizontaufhellung und dem sehr weiten Weg durch die Atmosphäre beim Blick in Richtung Horizont betroffen. Immerhin zeigt er sich in der Übersicht schon gesprenkelt und lässt bei mittleren Vergrößerungen viele kleine Diamantsplitter funkeln. So hell wie M 5 ist er unter guten Bedingungen eine Pracht.

 

M 80

beschließt den Ausflug in den tiefen Süden. Der nicht auflösbare KS steht von M 4 aus auf halbem Weg von Antares zu ? dem nördlichsten Scherenstern des Skorpions.

 

Höher zu M 56,

einem weit entfernten KS,dessen hellst Sterne bei rund 13 Mag liegen . Ich halte den Sucher auf das letzte Drittel des Weges von M 57 zu Albireo und habe ihn mittig. Ein kleines kugeliges Wattebällchen ist und bleibt er in jedem Okular, ein wenig Gries bei hohen Vergrößerungen, ab und an ein Aufblitzen.

 

M 71,

in der Mitte des Pfeils, ganz anders, so wenig konzentriert, dass er auch als offener Haufen durchgeht, was auch manche Wissenschaftler durchaus so sehen. Ein kleines Ding, schwer aufzulösen, aber höhere Vergrößerungen zeigen Sternchen vor dünnem Nebel glimmen, 11-8 mm Okularbrennweite waren das, soweit ich erinnere, aber ich bin auch langsam die kleinen Fuzzeln leid, die ihre Diamanten vor dem 6-Zöller verstecken wollen.

 

Nochmal hoch zu M 13,

dem Parade-KS des Nordhimmels. Ja er hat schon was mit seinen Ketten und den vielen Einzelsternen. Wohl der beste KS für einen 6-Zöller, einfach schon gemächlich von 15 mm bis 5 mm Okularbrennweite durch vergrößern, ja das macht er mit, 0,8 mm AP bei 180fach.

Ich mag ihn bei etwas weniger Vergrößerung, wieder lande ich bei 100fach, also 9 mm Okularbrennweite.

 

Dann noch M 92,

höher im Herkules, einfach die Spitze eines Dreiecks zwischen den oberen beiden Ecksternen der Raute des Helden, besser noch eine Linie von M 13 zu ? HER und den Peiler auf zwei Drittel des Weges gestellt, Bingo.

Nicht so leicht anzulösen, da kompakter und auch ein wenig schwächer als M 13, aber nicht minder schön, weil eben anders. Er fordert etwas mehr Vergrößerung um sich als KS zu entpuppen und die ganz hohen Vergrößerungen bringen auch nichts, aber er ist immer einen Besuch wert.

 

Man kann tatsächlich derzeit eine ganze Nacht mit Kugelsternhaufen zubringen und wegen der Vielfalt der Erscheinungen ist das keinesfalls langweilig. Es ist die richtige Zeit und es ist sehr spannend, auch und gerade mit kleineren Teleskopen (4-8“).

 

Ich will nicht verschweigen, dass ich es nicht lassen konnte, M 11, Albireo, Cresent, Cirrus und Nordamerika und den Ringnebel zu besuchen. Ich bin und bleibe halt ein Nebelfuzzi. außerdem war Vatertag und da darf Pappi ja mal aus der Reihe tanzen.

Da reden wir dann später mal drüber, anlässlich dunklerer Nächte.