Dautphetal, 21.00 bis 0.00 Uhr, 6“ F/6 Newton/Dobson(Baustelle)

Grenzgröße im Verlauf von 5,5 auf 6,2 Mag steigend, Frost, trocken, sehr gute Transparenz

 

Neben der Freude über die nach langer Durststrecke überhaupt wieder einmal mögliche Beobachtung war der Abend als Test für den 6“ F/6 und die erfolgten Umbauten wichtig, ich wollte wissen, ob ich den Rückschritt von 8“ auf 6“ Öffnung verkraften kann.

So wurde es eine Begegnung mit alten Bekannten unter geänderten Voraussetzungen.

Neben dem Newton und der inzwischen durch eine Zusatzwange an das gestiegene Gewicht angepassten RB sollte auch das „neue“ 20er Widescan sein erstes echtes Firstlight haben.

 

M 44 – Krippe

Der ausgedehnte Sternhaufen ist ein Richfieldobjekt ersten Ranges und ging immer so gerade eben mit 8“ F/6 und dem 38er WA bei 2° Feld durch, gefiel mir im 100er Richy immer besser. Der 6“ F/6 bringt mit dem Okular knapp 3° und das merkt man deutlich. Richfield „medium“ könnte man sagen, jedenfalls schwebt der Sternhaufen sehr schön im Raum.

 

M 42 - Orionnebel

Wieder mit Farbe, selbst mit >“nur“ 6". Im 38er grünstichig, im 28er mit leichtem Wandel ins bläuliche in den hellsten Regionen ums Trapez und mit dem 20er Widescan dann diese zarte, rostbraunrote Tönung in den Schwingen. Das Trapez zeigt sich fünffach, die rechte Schwinge wesentlich breiter aufgefächert und heller als die linke Schwinge, der Lückenschluss zum Kreisbogen gelingt links nicht ganz. Viele Strukturen in den Schwingen bleiben heute etwas diffus, aber der rötliche Stich in den hellsten Regionen ist bei 45fach und 3,3 mm AP eindeutig vorhanden.
Ich werde es nicht los, das Thema. Farbe.

M43 ist deutlich nebulös vorhanden, ebenso wie die Reflektionsnebel des „Runnig-Man“ (NGC 1977) als zarter Schleier die Sterne umgeben.

 

NGC 2237 (2244) – Rosettennebel

Schon bei der Aufsuche des offenen Sternhaufens mit dem 28er UWA, ohne Filter, fand ich die einprägsame doppelte Sternkette deutlich von Nebel umgeben, auch und gerade, weil er „nur“ zwei Drittel des Feldes ausfüllte und sich der dunklere Hintergrund des Feldrandes deutlich abhob. Mit dem Baader O III reduzierte sich die Ausdehnung der Nebelrose etwas, die Kerngebiet traten dafür aber deutlich hervor und zeigten sich auch quellwolkenartig strukturiert, eine Wahrnehmung in die ich mich allerdings auch ohne Filter einlesen konnte, wobei der Wechsel zum 20er Widescan trotz des kleineren Feldes und weniger Helligkeit, hilfreich war.

 

NGC2359 – Thors Helm…

lag zu vorgerückter Stunde schon recht horizontnah, wurde aber nach einem sehr sauber aufgelösten M 50 doch als nächstes Ziel auserkoren. Hier wurde im Zielgebiet allerdings sofort der O III in das 28er UWA geschraubt, der Nebel verrät sich unter solchen Bedingungen und mit so „wenig“ Öffnung ansonsten nicht. Unweit der mit dem Rigel Peilsucher mittig zw. Sirius und Alpha Mon. anvisierten Stelle tauchte der helle Halbmond des Nebels dann auch im 2,5° großen Feld auf. Bis zu 3° Feld sind mit 6° F/6 möglich, das hat schon was, gerade in Verbindung mit Peilern bei der Aufsuche. Beim Wechsel auf das 20er Widescan wurde ein Blick ohne Filter riskiert und erwartungsgemäß war da nichts. Filter drauf und die „Lampe“ war wieder an, faszinierend. Details sind bei diesem Nebels schwierig, leichte Helligkeitsunterschiede in einem breiten Halbmond, das war es, aber immerhin.

 

M 46/47

Das ungleiche Paar offener Sternhaufen liegt ja noch etwas tiefer, doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Die Transparenz war deutlich schlechter, dort unten, aber die beiden Haufen, selbst der mit sehr feinen Sternen glänzende M 46, ließen sich herrlich auflösen. allein der schon häufiger unter besseren Bedingungen so schön vor M 46 stehende, kleine planetarische Nebel NGC 2438 wollte sich nicht so recht zeigen und war erst mit dem 10er Speers + O III definitiv festzunageln, da war aber der Sternhaufen schon arg gerupft.

Genug gequält, tiefer Objektstand bringt Frust, ein wenig höher sind die Bedingungen super.

 

M 65/66, NGC 3628 –Leo Triplett und mehr…!

Die schöne Dreiergruppe war schnell aufgesucht und zeigte sich schon im 28er UWA sehr hell. Klein und fast gedrängt stehen die drei GX im Feld, wobei mich die einfache, lockere Präsenz der NGC mit 6“ doch überrascht. Mit dem 20er Widescan sieht das dann in etwa so aus, wie mit 8 oder 10 Zoll im Übersichtsokular und das ist eigentlich der Anblick, der mir bei diesem Trio sehr gefällt. Die benachbarte Gruppe um M 96 ist ebenfalls nett, gefällt mir aber persönlich nicht so gut.

Noch ein kurzer Schwenk zur häufig vernachlässigten NGC 2903, einer schönen kleinen Spirale vor dem Kopf des Löwen, die den berühmten Nachbarn an Helligkeit kaum nachsteht und auch im 6-Zöller eindrucksvoll im Gesichtsfeld der Okulare schwebt.

 

Die Zeit ist fortgeschritten und trotz (oder gerade wegen) einer längeren Aufwärmpause ist mir schon recht kalt, so beschließe ich den Abend in der Nachbarschaft.

 

Mars

hat sich schon wieder deutlich von der Erde entfernt und wird auch nicht mehr voll beleuchtet, sodass sich ein kleines rotes Ei im Übersichtsokular präsentiert. Das Ei ist leicht doppelt, was mir nicht gefällt und so wird ein heller Stern anvisiert, um zu prüfen, ob dem teils noch provisorisch mit Klebebändern fixierten Schiebetubus beim Schwenk nach oben die Justierung abhanden gekommen ist. Mit 3 mm Okularbrennweite bestätigt sich der Verdacht, ein kurzer Dreh an zwei von drei Justierschrauben behebt den Mangel. Dabei fällt auf, dass der Stern im Fokus tatsächlich keine Spikes zeigt, meine gebogene Spinne zeigt also Wirkung und das fällt mir erst jetzt auf. Naja, ich beobachte ständig im Wechsel zw. Refraktoren und Newtons und verzeihe mir das Mal.

Zurück zum Mars, der sich nun einfach präsentiert. Das Widescan wird im Zoomset mit der 2,8er Klee kombiniert und zeigt schon bei etwa 7,5 mm Brennweite, dass an der kleinen roten Kugel heute was geht. Polkappe, dunkle und helle Regionen lassen sich wahrnehmen und das wird mit der Steigerung auf geschätzte 4 mm Brennweite richtig gut. Nach längerem Beobachten auf Anschlag entscheide ich mich, wie so oft, einen Gang zurückzuschalten und in mittlerer Zoomstellung, bei etwa 5 mm Brennweite ein sauberer definiertes Bild zu genießen. Das Umstöpseln auf das 12,5er Ortho mit der gleichen Barlow bringt bei ähnlichen Vergrößerungswerten das gleiche Ergebnis und eventuell ist in ruhigen Momenten etwas mehr Brillanz im Bild, dafür ist ein Felddurchlauf bei 40° auch sehr kurz.

 

Saturn

hat nun auch schon brauchbare Höhe erreicht und zeigt sich in den Okularen gewohnt majestätisch. Die noch sehr kantennahe Ringstellung lässt nur in ruhigen Momenten einen schwarzen Durchblick zwischen Ring und Planetenkugel in den Ansen zu, dort vermute ich auch eine Dunkle Stelle ganz außen als Ansatz der Sichtung von Cassini, aber faszinierender als das erweisen sich schnell zwei graudunkle Bänder oberhalb und unterhalb des Rings auf der Planetenkugel selbst und die pastelligen gelb/weißen Farbtöne der Gaskugel. Der Gesamteindruck des Herrn der Ringe ist über jeden Zweifel erhaben.

 

Es hat sich gelohnt, ein voller Erfolg für Teleskop und Okular, denn ein kalter, aber zufrieden grinsender Günther hat binnen weniger Minuten den ganzen Krempel ins Haus getragen. Trotz lädiertem Rücken Teleskop und RB problemlos an einem Stück.