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Drei Muchachos flogen also nun endlich über Pfingsten 2018 nach La Palma um dem Roque de los Muchachos mit den dortigen steinernen Kollegen und den Großteleskopen zu besichchtigen, sowie in/bei der Casa Rosabel

 

den südlicheren und gegenüber heimischen deutschen Gefilden auch weit besseren Nachthimmel zu genießen. Centaurus, Skorpion und Schütze mit allen benachbarten Regionen standen auf der astronomischen Speisekarte. Visuell sollte der stationäre 16 Zoll Lightbrinde Dobson von Meade durch Markus und mich eingesetzt werden, Rolf hatte zusätzlich für fotografische Zwecke seinen 72er Megrez dabei sowie einen guten 10"  TS-Carbon-Newton der Casa ausgewählt. Fotografisches Zusatzequipment wurde im Rahmen einer Führung durch den dortigen Hausherren vom recht neuen und top ausgestatteten  "Star Campus Athos" ausgeliehen.

 

Am Mittwoch der Anreise war allerdings schon an einer tief an den steilen Hängen der Insel klebenden Wolkendecke mit größeren Lücken über dem Meer erkennbar, dass das Wetter wieder einmal nicht so recht den längjährigen Erfahrungen folgen wollte, sondern einem auch nach Aussagen Einheimischer eher untypisch nasskalten Winter auch ein bisher recht untypisches, kühleres, wolkenreicheres Frühjahr folgen lassen wollte. Kein Grund allerdings, alle Hoffnung fahren zu lassen nein, bei Weitem nicht.

Die Wolkengrenzschicht auch für hoch reichende Bewölkungsschichten liegt, bis auf extreme Ausnahmesituationen, auf La Palma immer zwischen 1600 und maximal 2000 mm Höhe, was den dortigen Großteleskopen durchgängig etwa 350 sternklare Nächte im Jahr beschert. Allerdings fehlte sie halt all die Jahre bisher auch im Frühjahr und Sommer erfahrungsgemäß meistens völlig, wobei sich in den letzten Jahren ganz offensichtlich eine Tendenz zu mehr Wolkentagen und -nächten unterhalb von 2000 Metern Meereshöhe abzeichnet.

Zunächst mal reichte für Markus und Rolf bereits am Mittwoch eine kleine Wolkenlücke in der Grenzschicht um mit dem 16-Zöller mal auf M 51/52 zu halten, wobei sie von der Helligkeit des Objekts einigermaßen überrascht wurden und mühelos Spiralarme und die Brücke erkennen konnten. Das Ganze dauerte 15 Minuten und ging sich für mich nicht aus, vom Haus bis ans Teleskop zu gelangen, aber es war ein Erstlicht am Abend der Ankunft.

Die Wolkendecke hielt sich, zwar mit Lücken, aber auch am nächsten Tag. Ein Tagesausflug zum Roque mit dem Mietwagen führte uns nicht nur zu den Teleskopen

 

und in das große GTC hinein

 

 

sondern auch auf 2426 Meter Seehöhe und weit über die Wolkendecke hinaus. Ein unvergesslicher Ausblick, atemberaubend steile Einblicke in die brühmte Caldera

 

aber unsere Augen wurden immer und immer wieder von den im makellosen Sonnenlicht glänzenden Kuppeln der Großteleskope, dem Sonnenturm und den Tscherenkow Teleskopen (gerade war man beschäftigt, beim im Bau befindlichen dritten, größten ein Spiegelsegment zu befestigen)  angezogen.

Einer der Tscherenkow-Spiegel stand besonders günstig für ein ganz besonderes Selfi.

 

Ein magischer Ort der direkten Erfahrung von Verknüpfung menschlicher Technik und den natürlichen Urgewalten unseres Planeten sowie des Universums an sich dessen Geheimnisse wir mit eben dieser Technik zu enträtseln suchen.

Wieder zurück unter der Wolkendecke war schnell der Entschluss gefasst, diesen Himmel dort oben nicht den Profis allein zu überlassen, wenn man auch nicht mehr bis ganz oben hin darf, da haben sie wohl zu viele schlechte Erfahrungen gesammelt. Wir haben zwei Ferngläser, 8x42 Nikon und 7x50 Fujinon mit Filtereischub dabei. Okay, Hausherr nicht da, Dobson fest verankert und vernietet, Montierungen ebenfalls, aber da gibts ein 25x100 Fernglas mit Parallelogramm-Montierung und massivem Holzstativ. Ein Aufbau vor Ort zeigte, dass die schwere, doppelschenklige Selbstbau-Monti aus Siebdruckplatten  auf dem Staiv nicht nur stabil steht, sondern mit zwei Hantelgewichten als Ausgleich zum Fernglas auch sehr gut im Gleichgewicht, gut zu führen und zu handhaben ist. Das TS-Fernglas ist im Tageslichttest quitschbunt aber in der Bildmitte erstaunlich scharf, gut justiert und für alle Drei mühelos und ohne Doppelbilder nutzbar. Mit der Einzelfokussierung liegen wir auch nicht zu weit auseinander. Luft anhalten, okay der Mietwagen schluckt die langen Teile auch noch, niemand muss Hölzchen ziehen und keiner muss zu Hause bleiben.

Dann haben wir die 42 Kilometer, also etwa eineinviertel Stunden Fahrzeit lang Gelegenheit, uns über die zuvor schon ausgekundschafteten, wenigen astronomisch günstigen Parkmöglichkeiten am Roque, unterhalb der Nachts geschlossenen Schranke zu den Observatorien Gedanken zu machen. Ein wenig Hoffung gibt ein Neu-/Rohbau, offensichtlich ein geplantes, großes Besucherzentrum und notfalls steht fest, dass wir uns mit dem relativ kleinen Equipment auch direkt vor der Schranke aufstellen, bei Bedarf eben wegräumen.

Tatsächlich ist die erste Zufahrt zu dem Zentrumsrohbau belegt, aber schon die zweite Einbuchtung bietet uns vor dem Bauzaun Platz genug und sofort steht die Karre in der Lücke. Weitersuchen um nichts Besseres zu finden und dann hinterher diese Lücke besetzt zu sehen kommt einfach nicht in Frage. Nicht nach dem, was ab wenige hundert Meter unterhalb bereits durch die Autoscheiben zu sehen war, als die Wolken sich lichteten und hinter/unter uns zurückblieben.

Ich steige aus und bin berauscht. Es ist hell, sternenhell über mir, auch wenn ich die schmale, liegende Sichel das zunehmenden Mondes, welche gefühlt bereits unter mir steht, in den Rücken nehme und den Hang des Roque hinauf nach nach Südosten zu den Teleskopen, die sich teilweise an der Kammlinie abzeichnen schaue und dann der fallenden Kammlinie nach Süden über südwest bis in westliche Richtung zu folgen. Der Himmel ist nicht schwarz, sondern eher sehr dunkelgrau, einfach zu viele Sterne. Die derzeitige Sichtlinie verbirgt noch die Milchstraße, wir sind also rechtzeitig oben um uns gemütlich ein- und auszurichten. Antares steht bereits über der Horizontlinie, ebenfalls der Rabe deutlich und Teile des Centaurus, wo ein heller, runder, großer nebliger Fleck schon mit freiem Auge zu erkennen ist, Omega Centauri.

Das Großfernglas ist schnell aufgebaut, wobei nach der ersten Seeligkeit der scharfe, kalte Wind auffällt. Gut, dass Hobbyastronomen auch für Sommernächte einige Zwiebelschalen an Kleidung einplanen, ich hatte sogar leichte Handschuhe und das warme Stirnband für die Ohren mit, ein Segen wie sich schnell zeigte. Okay, die Fernglasmonti hält dem Wind ruhig und klaglos stand und wir positionieren sie, auch zu unserem Schutz, im Windschatten des Autos mit geöffneter Heckklappe, wo Karten gesichtet werden und Zubehör gelagert ist. Unter uns, auf dem benachbarten Platz wird offensichtlich fleißig fotografiert, wir sind aber eh nur mit Rotlicht zu Gange. Rolf macht seine Kamera auf der kleinen  Leihmonti startklar und legt los.

Inzwischen wird der Nebelflecken mit dem Großfernglas anvisiert, wobei ich mir schon beim Tageslichttest einen Durchblick zwischen Okular, Knickbrücke und Stativhalter als Peilhilfe gesucht hatte. Damit haben wir alle drei kurz geübt, was sich nun und in der Folge gut bewährt. OHA, der erste im Fernglas gut aufgelöste Kugelsternhaufen meiner nicht ganz kurzen Laufbahn. Ich bin platt und gebe wohl auch irgendwelches verzücktes Gestammel von mir. Ein großer, runder, extrem heller Fleck mit eindeutig massenhaft erkennbaren Einzelsternchen als kleine Sprenkel darin, davor, drumherum.  Wie auch immer ein fantastischer Anblick, der nicht nur mir, sondern auch den beiden Anderen einige, teilweise seltsam deplaziert wirkende Lustlaute entlockt, worauf hin kurzes, aber lautes Gelächter die nächtliche Stille stört. Schon nach einem einzigen Objekt ist klar, dass wir alles richtig gemacht haben, das Erlebnis wird unvergesslich sein und bleiben.

Schon in den kleinen Ferngläsern fällt unübersehbar über dem großen Kugelsternhaufen ein weiterer, nicht so extrem heller Fleck auf, Centaurus A. das Großfernglas zeigt die Galaxie als eine rundliche Kugel mit gleichmäßigem Helligkeitsabfall zum Rand und nicht ganz mittig von einem dunklen, recht breiten Band durchzogen, also eindeutig zweigeteilt. Im Feld und auch vor der GX noch Sterne, ein wunderbarer Anblick.

Nochmal ein Stück höher, etwa drei Mal dem Abstand zwischen Omega Centauri und Centaurus A,  bereits in der Wasserschlage, nochmal ein sehr heller Fleck, der schon in den kleinen Ferngläsern gut auffällt. M 83, die südliche Feuerradgalaxie. Im Großfernglas ein richtig heller Puschel. Eher leicht oval mit zentraler, mittiger Kondensation, einer Andeutung eines hellen Balkens mit gebogenen Anhängseln als Grundstrukturen einer Balkenspirale in einem schönen Sternfeld mit zwei Sternen im schwächer werdenden Randbereich der GX. Ich glaube fast nicht, dass das mit einem Fernglas gehen kann, aber ich sehe es und die Anderen sehen es auch.

Inzwischen sind sehr helle, dicke Wolken über den Kamm der Caldera und den Roque gekrochen, wie sich zeigt, die zentralen Milchstraßenwolken, deren mächtige Ausdehung und Strukturiertheit wir von uns aus  mit der Teilung ab dem Schwan in guten Nächten im Ansatz sehen, aber am Horizont nicht mehr erfassen können. Da liegt die Nebelbank der Lagune einfach nur nochmal heller, deutlich sichtbar, drin und die Dunkelnebel sind schwarz. Pechschwarz im Gegensatz zu den eben noch dunkelgrauen sternreichen Bereichen außerhalb des Milchstraßembandes. Den Pfeifennebel kann man in Form und Ausdehung voll erfassen und der Skorpion ist nun fast in voller Länge aufgestiegen. Einfach nur mit freiem Auge genießen oder mit den kleinen Handferngläsern abfahren, was sich so zeigt. M 4 sieht man schon "nackt" und viele weitere Kugelsternhaufen offenbaren sich mit den Ferngläsern als respektable Lichtflecken, ebenso die bekannten Gasnebel von Adler über Schwan und Trifid bis zur Lagune. Sternhaufen wie M 7 und M 6  oder NGC 6231 im Schwanz des Skorpions sind leichte, wunderschöne Fernglasobjekte. Wir machen Vieles auch mit dem Großfernglas, wobei die großen Gasnebel ganz ohne Filter brillieren.

Rolf hat das folgende Bild mal so bearbeitet, dass es dem visuellen Anblick sehr nahe kommt. es zeigt keinesfalls zu viel, eher etwas zu wenig Kontrast

Schnell sind über drei Stunden vergangen und so langsam wird es schweinekalt. Der Wind kriecht auch durch dicke Jacken und die Müdigkeit tut ein Übriges. Eingedenk der langen Heimfahrt geht es an den Abbau, wobei Rolf mit seinem Fotokram noch einige Minuten Belichtungszeit bis zum bittersüßen Ende schindet. Im Auto sind wir uns einig. Allein dieser Tag und diese Nacht war schon die Reise wert, aber da sollte noch mehr, noch viel mehr kommen.

Der Roque hat uns für die Woche nicht zum letzten Mal gesehen zumal auf der öffentlichen Straße gerade mal zwei Autos vorbei kamen, wobei eines davon unsere Mitstreiter vom unteren Platz gewesen sein müssen. Die waren weg als wir wieder nach unten fuhren. Wir haben ihren Abbau nicht  mitbekommen, das sagt viel über die Faszination mit der wir den Himmel beobachteten.

Bevor wir richtig warm und zu müde wurden waren wir schon in der Casa, Frühstück gabs zu Mittag, etwas Normaltourismuns danach und dann nagte unter der Wolkendecke schon wieder der Wunsch zum Roque zu fahren, allerdings musste doch was Größeres her. Okay, da gab es einen gut justierten 10" f/4 Meade-Schmitt-Newton des Hausherrn und eine transportable, neue EQ 6 fand sich auch noch. Ein wenig Umbau mit der Schiene und den Schellen, etwas Tuning am Halter eines Geradsichtsuchers, allerdings ein guter Vixen mit Fadenkreuzokular und dann gab es kein Halten mehr, wobei uns Aram, der freundliche Vermieter, den Weg zu einem Wasserbehälter auf um 2000 Meter Höhe, sehr windgeschützt und nur die Hälfte der Fahrzeit zum Roque entfernt ans Herz legte. Ich nahm die Abzweigung zu diesem Weg, zunächst asphaltiert, dann Beton und fast immer geradeaus, recht gut zu fahren, aber teils extrem steil bergan. Rolf hatte den Wagen gemietet und Rolf ist vernünftig. Also fuhr ich und es wurde steil, holprig, noch steiler, es kamen Abzweigungen und Kreuzungen, mal wie angekündigt, mal einfach so, geradeaus war aber an solchen Stellen immer steil bergan, also wohl richtig. Dauerhaft erster Gang, maximal Zweiter und immer auf Drehzahl halten, ganz langsam fing die Karre an zu stinken. Nach schmorendem Gummi, nach kokelndem Asbest, nach Technik am Limit und Rolf sagte dann, nach ein paar weiteren heftigen Fahrwerksschlägen auch erstmals oh und äh. Auf einem nicht ganz so steilen Stück, die nächste rechtwinklige Kurve des der holprigen, fahrspurschmalen Betonpiste im Scheinwerferkegel trat ich die Bremse. Wir waren immer noch in den Wolken, zweihundert Höhenmeter fehlten schätzungsweise noch um sicher drüber zu sein und das kann sich ziehen. Auch ist der Bereich des Scheinwerferkegls auf dieser Insel oftmals ein Bereich trügerischer Sicherheit, wenige Meter abseits davon geht es schon mal dreistellige Meterzahlen annähernd senkreht abwärts in die nächste Schlucht und auf der anderen Seite sieht es nicht besser aus oder es geht senkrecht hoch. Den Ausschlag zur vernünftigen Umkehrentscheidung gab die hier gerade mal so gegebene Wendemöglichkeit und die Tatsache, dass wir von der Zeit her schon am beschriebenen Platz über den Wolken hätten sein müssen, es aber definitiv noch längst nicht waren. Eventuell hatten wir uns doch verfahren, ich hätte mit diesem Auto aber auch keine steileren Rampen mehr fahren wollen und nur steiler wäre schneller durch die Wolken und eventuell darüber hinaus gewesen.

Wir werden es für dieses Mal nicht erfahren und ich biege wieder unten angekommen selbstverständlich nicht heimwärts ein sondern zum Roque ab. Der Zeitverlust ist locker zu verschmerzen, der zunehmende Mond rutschte einfach noch ein weing tiefer, denn wir waren eh schon ein Stündchen später losgefahren, um ihm aus dem Weg zu gehen. Am Roque, schon wenig oberhalb der Wolkengrenze, noch unterhalb der Baumgrenze standen dann an einigen Plätzen, vor allem in Kehren schon die ersten Beobachter und Fotografen in den kleinen Buchten am Straßenrand. Ui, da schau her, ganz schön voll hier. Der untere, also der erste Platz am Rohbau ist frei und ich sofort mit dem Auto drin. Ein Glücksfall, denn hier schirmt eine Mauer zusätzlich zum Auto den Wind ab und dieser Wind ist bei Weitem nicht so kräftig wie in der Nacht zuvor. Ein leichter Wetterumschwung der uns nicht nur in dieser Nacht zustatten kommt, aber ich greife vor.

So schnell wie mit dem Fernglas geht der Aufbau der E-Kuh nicht und das neue Setup macht Schwierigkeiten, weil z.B. zwei Gewichte doch nicht reichen und die neue EQ 6 eben mit Riemenantrieb druchrutscht anstatt sich wie die Alte die Schnecke zu ruinieren um das so lange wie das Material eben hält zu verhindern. Meine Okulartasche mit dem fetten Akku drin bringt zusätzliches Ausgleichsgewicht, damit Abhilfe und dann geht das irgendwann. So lange habe ich als der Technick-DAU des Trios aber schon mal den genialen Himmel mit dem Fernglas und freiäugig genossen. Im Kopf des Adlers fängt zu Hause oft schon der Sunpf an, was ich hier in der Milchstraße an Struktur und Objekten sehe ist einfach nur genial.

Endlich fährt die Technik das erste Objekt an, Omega Zentauri, wie sollte es anders sein. Der gut justierte Schmitt-Newton ist ein geniales Teleskop für solche Sachen und lieferte das große runde Sternenmeer brillant und hochkontrastig ans Auge.

Das 20er Lunt liefert 50fach bei 5 mm AP und knapp 2° Feld. Das Nagler Zoom mit Basis 12er T2 liegt zwischen 80 und 130fach, das Nagler Zoom mit Basis 9 mm T6 rundet selten nach oben bis 200fach ab, die vorhandene 2fach Barlow wird nie eingesetzt, kein Bedarf, ebenso wie bis auf wenige Ausnahmen das 38er WA mit maximalem Feld für die Aufsuche und (hier schadloser) Über-AP.

Omega Centauri füllt das 80° Feld des Nagler auf 13 mm fast aus, ein Reisenteil, ein Hammerteil. Mit noch mehr Vergrößerung, also 10 mm oder auch 9 mm und ohne den schwarzen Rand taucht man in eine recht homogene, blitzsaubere, helle Glitzerwelt ein, kurzzeitig fantastisch, aber weniger ist mehr, wie so oft, also etwas runter mit der Vergrößerung. Ich schätze da geht Dunkeladaption verloren, aber was solls, das ist an solchen Standorten schlicht egal.

Wie schon im Großfernglas folgt Centaurus A, weil der Weg so kurz ist und auch hier bleibt mir fast die Luft weg. Das dunkle Staubband durchschneidet klar definiert eine Lichtkugel mit recht gleichmäßigem Helligkeitsabfall zu den Außenbereichen hin. Die Trennug erfolgt unterhalb der Mitte und sie ist nicht erst im Nagler auf 13 mm ordentlich breit und leicht geschwungen. Das dunkle Band selbst ist strukturiert, weil es in der Mitte leichte, schwache, ein wenig schrichförmige und körnige Aufhellungen zeigt. Je länger man schaut, um so deutlicher formt sich das aus, um so mehr Details kommen und so ist es gut, dass drei Freunde zusammen stehen die wissen, dass sie Zeit genug haben.

So wird z.B. der helle Außenbereich immer ovaler, der Halo der GX dehnt sich immer weiter oberhalb und unterhalb des Staubbandes aus, das Band wird schemenhaft länger, immer mehr Vordergrundsterne blinken auf.  

Ganz anders präsentiert sich das nächste Objekt, M 83. Der helle Kern ist deutlich, eben heller als der zentrale Balken der schnell in zwei Spiralarme übergeht von denen einer sich gut um mehr als eine halbe Windung verfolgen lässt, während der zweite recht schnell zerfasert und im rundlichen Helligkeitsbild der GX untergeht. Hohe Vergrößerung hilft, ich meine wir haben hier das 13-8,5er Zoom zum Anschlag gebracht oder gar das 8er Zoom noch ein wenig aufgedreht. Okay, nun kommts, das ist die pure Reizüberflutung, ich bitte den geneigten Leser bei solchen Ungenauigkeiten in der Erinnerung um Milde.

Schnell mal hoch zum Raben (hoch zum Raben, hihi...der steht bei uns immer im Horizontdunst) und unterwegs M 68, einen Kugelsternhaufen mitgenommen, wenig konzentriert, rund und im 10-Zöller schön mühelos aufzulösen, in der Mitte aber auch hoch vergrößert noch hell unterlegt.

Dann mit NGC 4361 einen klassischen PN im Raben, von zu Hause aus selbst mit 12 und 16 Zoll immer sehr schwach aber mit Zentralstern und hier ist er eben einfach da, kompakt, hell , oval, so hell, dass ich zunächst mal den Zentralstern in der Watte übersehe und erst durch Markus darauf hingewiesen werde, dass er einfach und simpel da ist.

Beim Objektwechsel macht die Monti Zicken, auch beim Zentrieren von Objekten fährt sie  auf Tastendruck einfach mal weit über das Ziel hinaus, irgendwas passt da nicht, spätestens beim Meridianflip und wir sind ein wenig ratlos, das Alignment muss öfter mal neu gemacht werden oder wir fahren motorisch ohne GoTo von Objekt zu Objekt. Ich mag es nicht, werde es nie mögen, aber in der Not frisst der Teufel Fliegen und so fasse ich mich in Geduld so gut ich kann und warte, was die beiden Techniker an Objekten hinkriegen. Ein schöner M 4 hebt meine Stimmung sofort. Das ist ein so ganz anderer Kugelsternhaufen als der große Glitzerball Omega Centauri. Im Inneren mit Strukturen, Sternketten und Mustern. Es folgen noch weitere Kugelsternhaufen, dann die großen Nebel von der Lagune über Trifid zum Schwan/Omega, die Beschreibungen der visuellen Einblicke folgen aus gutem Grund später.

 

Irgendwann ist dann auch mal der Sombrero dran und wirklich beeindruckend, weil sehr hoch zu vergrößern und durch das scharf begrenzte Staubband eindeutig in zwei ungleich Hälften getrennt. Als ich dann in hoher Vergrößerung zentrieren will reist die Montierung urplötzlich mit einem Tastendruck ins Nirvana bervor ich sie anhalten kann. Ich bin erst mal restlos bedient, eiskalt und sauer. Wieder folgt Alignment für die beiden Techniker und sie können mich erst mit einem genialen Cirrus wieder aus dem Auto locken. Diese weiße Knochenhand greift aus dem schwarzen Nichts nach dem Auge, ein schlichter UHC (wenn auch der gute alte Lumicon) meißelt diese Strukturen hart aber mit Helligkeitsnuancen und inneren Strukturen in den Himmel, ebenso wie die gedrehten Stränge des benachbaren Sturmvogels und der Wasserfall rauscht dazwischen hindurch. Ein wenig wehmütig sehe ich den kompletten Skorpion mit seiner Unzahl von interessanten Objekten im Schwanz und auch den Schützen in guter Höhe über den Profiteleskopen stehen. Zu viel für diese anfällige Technik und doch habe ich so viel gesehen in dieser Nacht deren Ende wir nun einläuten. Wir haben noch Zeit es zu richten und wir werden es richten.


 

Der Tag darauf beginnt für uns mit Frühstück zum Mittag und mit sichtbarer Wetterbesserung. Die Wolkenlücken werden größer,

auch die Grenzschicht löst sich zunehmend auf und gibt von ganz obern den weiten Blick aufs Meer frei.

 

So kommen noch drei sehr gute Beobachtungsnächte zustande, wobei Montag auf Dienstag so gut wie wolkenlos verläuft. Sonntag auf Montag und Dienstag auf Mittwoch ziehen auch mal Wolken durch behindern aber die visuelle Beobachtung kaum. Selbst für Rolf kommen sehr gute fotofrafische Aufnahmen zustande. Allerdings bestimmt der Mond den Ablauf. Die Startzeit für gute Beobachtungen verlagert sich von Mitternacht auf drei Uhr am Mittwoch Morgen, Sonnenaufgang ist dann gegen sieben. Es wird also am Abend vorgeschlafen und am Mittwoch Morgen steht nach dem Beobachtungsende Frühstück, die Fahrt zum Flughafen, Einchecken auf dem Programm und erst im Flugzeug, also gegen Zwölf, ein wenig Schlaf.

In diesen drei Nächten, die ich nunmehr der Einfachheit halber bei den Beobachtungsbeschreibungen zusammenfasse, kommt der 16 Zoll Dobson visuell zum Einsatz. Er wohnt in einer Hütte auf Rollen, welche nach Öffnen der Tür einfach auf Schienen zurückgeschoben wird. Eine perfekt passende Socke, ein Winkelsucher mit Fadenkreuzokular und.....ein fest montierter, starker grüner Laserpointer.......gehören zum Equipment. Man sieht allem an, dass es nicht mehr ganz neu ist, aber das Spiegelset ist top, sauber und gut justiert, die Bewegung ist absolut okay, das Teil macht und erlaubt Spass auch bei höheren Vergrößerungen. Wieder kommen meine bereits am Roque genannten Okulare zum Einsatz. 

Bei dem Lightbride Dobs handelt es sich um die Version mit GoTo Kit. Soll funktionieren oder auch nicht, ich habs nicht ausprobiert, denn Starhopping ist ein Teil der Freude am Hobby für mich, ich lerne ständig dazu...........und ich bin oft schneller (auch wenn so ein Ding nicht zickt wie auf dem Roque), gerade unter gutem Himmel und den habe ich hier.

Ja der Laser ist natürlich so eine Sache.

Flugverkehr gibt es über La Palma keinen, die Profis auf dem Roque haben sich nicht beschwert, solche Teile kommen oft und klag- und schadlos auf der Insel als Sucher zum Einsatz. Zu Hause würde ich so was niemals verwenden, ich schwöre auf Leuchtpunktsucher Red Dot oder Rigel-Finder plus Winkelsucher oder (an kleinen Teleskopen mit geringer Brennweite) nur Finder plus Übersichtsokular. Dort habe ich meine extreme Abneigung überwunden und den Laser nach Annäherung ans Zielgebiet ganz kurz eingeschaltet um das Teleskop exakt in mein zuvor anhand der Karten und mittels Starhopping eingegrenztes Zielgebiet zu positionieren. Sollte ich, was sehr wahrscheinlich ist, nochmal dort hin fahren nehme ich einen eigenen Rotpunktsucher mit und gut ist das.

Für Omega Centauri und Centaurus A waren wir nunmehr am Platz mit dem 16-Zöller leider zu spät dran, solange beide hoch genug standen störte der Mond und wenn der Mond zum Horizont sank folgten sie ihm nach. Zwar ließ sich der große Kugelsternhaufen trotz des durch die Mondnähe stark aufgehellten Himmels noch gut ausmachen und auch auflösen, es war aber kein Vergleich zu den Beobachtungen mit dem 10-Zöller am Roque. Der GX ging es nicht besser, eher schlechter, obwohl auch hier das Staubband noch auszumachen war.

Der im Raben deutlich höher stehende PN NGC 4361 konnte hingegen brillieren und zeigte sich groß, leicht oval, mit nach innen irgendwie unregelmäßig, löchrig zunehmender Helligkeit und dem Zentralstern in der Mitte.

Das macht Mut, also werden die beiden als sehr schwach sichtbar bekannten Antennen-GX angegangen und tatsächlich ist da nach Wechsel auf das 13er Okular eigentlich sofort und recht deutlich ein Objekt auszumachen. Ein nebliges Fleckchen das bei genauem Hinsehen aussieht wie ein "V" oder eher runder, wie ein "U" mit einem stärkeren, längeren ersten Strich. Auch Markus und Rolf sehen nur ein Objekt und erst Nachschau am Tage bringt die Gewissheit, dass die beiden GX so eng zusammen hängen und ihre Antennen eben nicht zu sehen waren.

Nun aber wirklich in Richtung Skorpion, der in aller Pracht über den Horizont gestiegen ist und tatsächlich lassen sich auch hier, wie auf dem Roque, die Dunkelnebelfahnen aus der Antaresregion hinab zur Milchstraße verfolgen und dort geht dann die Post ab.

Der Himmel ist, sobald der Mond tief genug oder ganz verschwunden ist, auch hier "unten" bei der Casa einfach sensationell gut. Ich rauche in Gedanken die Pfeife (Barnard 59) und freue mich tierisch darauf, diesem Skoprion um den Stachel herum zu fahren.

Aber zunächst mal M 4, freiäugig neben Antares zu sehen und dann  schon im großen Feld des 20er Lunt bei 90fach ein Kracher. Es sieht aus als flögen von allen Seiten Sterne auf sein Zentrum zu, die in der Momentaufnahme auch quer verlaufende und gebogene, teils mehrfache Ketten bilden, dazwischen Kanäle mit weniger, feineren Sternen, außerdem Sterne verschiedenster Helligkeit und gut erkennbar einige mit sehr gelbem Licht. Das wird mit höherer Vergrößerung nochmal deutlicher und  Rolf erkennt als erster, dass das Zentrum ein wenig herzförmig aussieht. Es ist von einer diagonalen, geschwungenen Kette hellerer Sterne durchzogen.  Das 13-8,5er auf 10 Millimeter war wohl das Optimum an Vergrößerung wobei mir immer auch die geringere Vergrößerung, also viel Feld drumherum, sehr gefällt.

NGC 6144, ein kleiner, unspektakulärer KS direkt bei Antares wurde nicht ausgelassen und M 80 aufgesucht. Klein, kompakt mit vielen Einzelsternchen bei hoher Vergrößerung um 200fach.

Abwärts in Richtung Schwanz des Skorpions geht es über den Kugelsternhaufen

M 19, der sich sehr hell, oval und schön aufgelöst präsentiert. Im 20er Okular bei 90fach Sternenstaub auf schwarzem Samt, um 200fach satte Sternenpracht die sich zum kleinen Zentrum hin extrem verdichtet.

M 62, ein stückweit darunter kommt mir schwächer vor, aber ähnlich.

Nun lockt am Schwanzansatz des Skorpions ein mit bloßem Auge bereits leuchtendes, kompaktes Sternfeld, es ist

NGC 6231, ein brillanter, großer, dichter offener Sternhaufen mit unterschiedlich hellen Mitgliedern und einigen hellen Sternketten und Girlanden in den Außenbereichen. Das wäre am Nordhimmel eine ganz prominente M-Nummer geworden.

Meiner Vorliebe für PNs ist es wohl geschuldet, dass ich zwei kleinere, benachbarte offenen Sternhaufen und einen IC Nebel versäume und direkt

NGC 6302, den Bugnebel anvisiere und auch relativ schnell als helle, längliche, benahe GX-ähnliche Nebelstruktur im 20er Okular habe. Höher vergrößert zeigt sich der bipolare planetarische Nebel beinahe als rechteckiger, liegender Balken mit einer leichten Helligkeitssteigerung in etwa der Mitte, also zu beiden Seiten annähernd gleichmäßig davon wegweisend. Die stumpfen, eventuell etwas breiter werdenden Enden des Balkens zerfließen schnell im Hintergrund.

Auf der anderen Seite des Skorpionsstachels leuchtet, schon mit bloßem Auge deutlich sichtbar Messier 7, ein wirklich heller offener Sternhaufen von dessen leuchtkräftigsten Mitgliedern ein etwas randständiger Stern deutlich gelblich zwischen den weißen Sternpunkten hervorsticht. Ein schönes Bild im 20er Lunt mit dem großen Eigengesichtsfeld.

Etwas unterhalb des offenen Haufens wieder ein Kugelsternhaufen. NGC 6441 ist in der Masse der dortigen KS eigentlich eher unauffällig, weil mittelprächtig groß und kaum mehr als zu einem grieseligen Anblick aufzulösen, aber er bildet im Okular ein schönes Paar mit einem direkt benachbarten hellen Stern.

Messier 6 ist wieder ein offener Sternhaufen, deutlich kleiner, feiner als M 7 weil mit rund 1800 Lichtjahren auch doppelt so weit entfernt, interessanter Weise sticht aber auch hier ein einzelner gelblicher Stern aus dem weißen Gesprenkel heraus.

Nun aber sollen mal schwache Gasnebel her und da wird NGC 6357 als in seinem hellsten, relativ kleinen Teil durchaus visuell machbar beschrieben. Die fotografisch erfassbare Ausdehung ist dann wesentlich größer. Ich finde auch schnell ein schwaches Wölkchen, mit dem UHC sogar ein Zweites und eigentlich immer mehr gaaaaanz schwache Fetzchen im Feld. Als Rolf dann noch nach längerem Studium meint, dass der Nebel sogar aus dem Feld herausläuft dämmert mir etwas das ich nicht für möglich hielt.

Mit einem kurzen Blick auf die Daten in der Karte sowie einem weiteren kurzen Aufleuchten des grünen Lasers war der Irrtum klar. Wir sahen den Katzenpfotennebel, NGC 6334 und zwar in einem selbst  an diesem genialen Standort nicht erwarteten Detailreichtum. Die drei Zehen waren deutliche, unregelmäßige Nebelknötchen und auch vom Ballen waren deutliche Nebelschleier zu sehen. Ein Mal gehalten ging das sogar teilweise ohne Filter mit 5 mm AP und so gelang auch der Schwenk zu

NGC 6357, von dem dann tatsächlich "nur" ein sehr kontrastreich hervorstechender, eng begrenzter, rechteckiger Barren, also die hellste Zentralregion und sonst nichts zu sehen war.

Beim freien Blick auf die Milchstraße fällt dann wieder deren unglaubliche Strukturiertheit ins Auge, besonders auch die Dunkelnebel und hier zieht mich der Pfeifennebel immer wieder an. Dort ist mit

NGC 6369, dem "Little Ghost" ein weiterer lohnender planetarischer Nebel beheimatet und auch zwischen hellen Sternen schnell aufgefunden. In der Übersicht noch recht kompakt und flächig zeigt sich dann im 8-13er Zoom die rundlich ovale Ringform und der Zentrastern blinkt aus einem zentralen Loch heraus bei dem ich visuell in solchen Fällen nie so recht weiß, ob es nicht nur der Helligkeit des Sterns geschuldet ist, dass die direkt anschließenden Nebelteile dunkler zurücktreten.

Weiter geht es in Richtung Schlange mit dem schönen, recht konzentrierten

Kugelsternhaufen Messier 9, welcher sich gut auflösen lässt und mir wegen einiger Sternketten im Außenbereich leicht unrund erscheint. Nahebei, etwas oberhalb, steht noch der

Kugelsternhaufen NGC 6356, schwächer, ein wenig granuliert, nicht wirklich aufgelöst und ich leite von dort über zu 

NGC 6309, einem kleinen planetarisch Nebel in der Schlange, den ich auch von zu Hause aus oft beobachte, wenn es denn der Horizontdunst und das Wetter zulassen. Da er sehr klein ist und an einem benachbarten Stern "klebt" suche ich nur kurz mit dem 20er Okular bei 90fach und steigere mit einem kurzen Laserblink zur genauen Positionierung auf das 8,5-13 mm Zoom bei 140fach. So finde ich den Nebel schnell als  einen kleinen, hellen, scharf begrenzten Tropfen über dem genannten Stern. Rolf und Markus erkennen ein Ausrufezeichen ( ! ). Der Einsatz des UHC-Filters schwärzt das Umfeld und lässt den Nebel so heller erscheinen, mehr Details bringt er nicht. Ich erkenne ohne Filter bei etwa 200fach deutlich eine Aufhellung an der dem Stern gegenüberliegenden äußeren Nebelkante. So gut geht das zu Hause eindeutig nicht, da ist ohne Filter kaum was drin.

Nun ist es von dieser schönen kleinen Sternleiche nicht weit zu den großen Geburtsstätten von Sternen, den prominenten Gasnebeln.

Zunächst wende ich mich dem schon freiäugig als große ovallängliche Aufhellung sichtbaren Messier 8 zu. Die Kombination aus diesen guten Bedingungen, 16 Zoll Öffnung und 90facher Vergrößerung mit einem 100° Weitwinkelokular führt mir ein Bild vor Augen welches mich in einer seltsamen Mischung aus Euphorie und Ehrfurcht für einige Minuten die Zeit vergessen lässt.

 

Natürlich sehe ich nicht die Farben wie im Bild oben, aber schwarz/weiß sehe ich in den hellsten Teilen des Nebels (im Bild weißlich) eher mehr Strukturen, sich überlagernde Zirren und Nebelfahnen, der eingebettete Sternhaufen ist brillant vor/in dort etwas zurücktretenden Nebelschwaden zu sehen. Ich weiß, dass 3D nicht geht, aber der Anblick der sich überlagernden Fetzen und Zirren geht in diese Richtung, lässt sich so am Besten beschreiben.  Sogar von den im Bild rechts oben zu sehenden schwachen Ausläufern sind spätestens bei etwas höherer Vergrößerung mit dem Zoom und mit Nebelfiltern zwei Flecken deutlich auszumachen.

Während die namensgebende Lagune bei M8 von Nebelzirren überlagert wird ist beim benachbarten

Trifidnebel, M 20, die zackige Dreiteilung messerscharf da. Der Nebel ist kleiner, aber die Details nicht weniger spektakulär, wieder auch ohne Filter top, zumal Filterung den auf dem obigen Bild bläulichen Reflektionsteil eher schwächt. Zwischen den dunklen Linien geballte, helle Nebelwolken, teils begrenzt von sehr dunklen Bereichen, gerade auch am Übergang zum schwächeren, aber immer noch sehr präsenten, mehr durch Reflektion bestimmten Teil.

Wo wir schon dabei sind geht es auch hinauf zu Messier 17, dem Omega- oder Schwannebel und der große, tatsächlich weiße Volgel schwimmt in einer großen Blase schwächerer Wellen aus grauen, quirlenden Nebelschleiern, wobei er selbstverständlich sein Krönchen trägt.  

Den Abschluss des Kinderstubendurchgangs macht der Adlernebel, Messier 16/IC4703 mit den berühmten Säulen der Schöpfung im innersten Kern

 

die das Bild oben zeigt. Wir haben sie mit dem 16er nicht gesehen und auch nicht erwartet. Der Sternhaufen wirkt visuell schön im Nebel eingebettet, wenn auch deutlich schwächer als bei den beiden Objekten zuvor. Immerhin lässt sich die Form des fliegenden Adlers mit seitlich geneigtem Kopf und Schnabel sehr groß und gut erkennen.

Nun aber zurück, in Richtung Schütze, oder auch "Teapott" genannt und über dem Teekessel warten zwei prominente, große Kugelsternhaufen, hier in sehr respektabler Höhe über dem Horizont. 

Messier 28, schräg über der Kesselspitze ist gegenüber den zuletzt behandelten KS deutlich größer und das kompakte Zentrum geht in einen lockeren Randbereich über aus dem auch ein paar kurze, gebogene Sternketten recht heller Mitglieder fliehen.

Messier 22 braucht nur einen kurzen Schwenk und da ist wieder mal Staunen angesagt, denn dieser KS legt gegenüber seinem Vorgänger fast das Doppelte an Durchmesser drauf, ist mit rund 10000 Lichtjahren auch nur halb so weit weg. Extem auffällig ist seine unrunde Form und seine Strukturiertheit durch Sternketten und sternlose Zonen, die beinahe an dunkle Kanäle im Sternenmeer erinnern. Im Inneren lässt sich ungefähr eine Herzform ausmachen, man mag auch an einen dreieckigen Insektenkörper mit dickeren Beinchen und dünnen Fühlern nach vorne, aus der Spitze des Dreiecks heraus denken, der auf dem Meer von Sternen sitzt. Vorherrschende Sternfarbe ist weiß bis weißblau, aber auch viele gelblich getönte Sterne sind sichtbar. Von 90fach bis 200fach ein fantastischer Anblick, egal ob richtig mittenrein oder eben im Feld schwebend.

M 70, 69 und 54 sowie NGC 6624 werden im Pott aufgesucht, alle viel kleiner, unscheinbarer, kaum aufzulösen. Dann erinnere ich mich noch an

M 55, einen Kugelsternhaufen etwas abseits, schon in Richtung Steinbock gelegen, der mir gemeinsam mit Fred vor Jahren einmal in einer Sommernacht mit denkwürdig guter Horizontsicht an unseren 8-Zöllern gelang. In der damaligen Euphorie versäumten wir es den schon in der Übersicht relativ großen Nebelfleck mit höherer Vergrößerung dem Versuch der Auflösung zu unterziehen. Ich finde ihn von M 54 ausgehend relativ schnell, da etwa auf gleicher Breite (ca 32°) liegend. Das Ding ist deutlich größer, nochmal etwa ein Viertel größer als der spektakuläre M 22 aber eben sehr locker , da recht sternenarm aufgebaut. Hier ist er nun im 16 Zöller schon bei 90fach klar und wunderbar aufgelöst, im Sternfeld stehend zu bewundern und zeigt innerhalb seiner rundlichen Form einige sternenreichere Zacken. Das lässt sich mit höherer Vergrößeung nur noch wenig steigern.

Es ging dann auch mal in höhere Regionen der Milchstraße, immerhin will man ja den Objektvergleich zwischen zu Hause und La Palma auch mal an Objekten machen, die man zu Hause auch unter dort gut zu nennenden Bedingungen sieht. Da lässt sich einfach sagen, dass zum Beispiel

Messier 11, der bekannte "offene" Wildentensternhaufen mit dem einzelnen größeren, etwas gelblichen Stern  gar nicht sooo viel besser war als unter heimischen Bestbedingungen, auch aus dem knapp unterhalb aufzufindenden

Pärchen aus dem planetarischen Nebel IC 1295 und dem Kugelsternhaufen NGC 6712 werden keine Leuchtfeuer, aber einfacher aufzufinden und deutlich heller erscheinen sie schon. Der PN bleibt eine schwache, rundlich ovale Nebelblase und der KS ein grisseliges, graues rundes Fleckchen.

Besser kommt dann schon der kleine, ringförmige planetarische Nebel NGC 6751, auch als das leuchtende Auge bekannt. Den finde ich (seit ichs weiß) recht einfach über den leuchtend orangen veränderlichen Kohlenstoffstern V Aquilae mit immerhin 8,0-6,6 MAG schwankender Helligkeit. Er fällt in Übersichtsvergrößerung, also schon bei der Aufsuche, eben durch seine schöne, ungewöhnliche Farbe sofort auf wenn man drauf achtet und wenn man dann auf höhere Vergrößerung, also etwa 130/150fach wechselt fällt der kleine PN etwas im Feld nach unten gezogen auch deutlich auf. Zunächst als runder, eher homogener Fleck.  Deutlich höher vergrößert kommt dann die Ringform besser heraus weil der äußere Bereich heller erscheint, wobei eine Seite offener, schwächer bleibt. Der Zentralstern blinkt im Zentrum auf und ist zu halten. Wieder fällt unter den guten Bedingungen auf, dass der gute UHC Filter dem Nebel Kontrast zum damit schwärzeren Hintergrund bringt aber nicht unbedingt mehr Detail aus dem Nebel herausholt.

Auch ein paar von zu Hause sehr gut beobachtbare Kugelsternhaufen werden aufgesucht und im Schlangenträger gefällt neben Messier 14 und Messier 12 vor allen Dingen M 10 mit seiner recht großen, hier gut erkennbaren Ausdehung und schönen Symmetrie. Vom dichten Zentrum nimmt die Sterndichte sehr gleichmäßig zu den Außenbereichen hin ab.

Messier 5 in der Schlange ist hingegen ein Kugelsternhaufen, dessen fliehende Sternketten mich immer wieder an einen vorwärts schwimmenden Krebs mit langen, sich zurückbiegenden Fühlern und Beinen erinnert. Unter brauchbaren Bedingungen ist er für mich ein starker Konkurrent zu M 13, hier auf La Palma ist er in Hochform.

Wenn wir schon bei heimischen Lieblingsobjekten sind kommt Markus nie an M51, der Strudelgalanxie unter der Deichsel des großen Wagens vorbei und ja, das ist schon ein Hingucker unter diesem Himmel. Völlig mühelos ist die zweiarmige Spiralstruktur mit einigen helleren Bereichen einfach da und während der eine Arm sich nach außen etwas öffnet weist der andere zur keinen Begleiterin NGC 5195 eine schwache Brücke auf. Einige Sternchen im Umfeld und auch zwei oder drei Sternfunken im Bereich der GX komplettieren das schöne Bild.

Den Cirrus habe ich bereits vom Roque her beschrieben, der ist mit 4 Zoll mehr Öfnnung noch ein Stückweit genialer, aber lassen wir das, Wiederholungen gefallen nicht.

NGC 7000, der Nordamerikanebel mit dem benachbarten Pelikan werden aufgesucht und ob ihrer schieren Größe abgefahren, wobei sich die hellsten Bereiche um den Golf von Mexiko schon mit einigen Nebelkanten im Gewök zeigen. Dann kommt mit dem

Crescentnebel, NGC 6888 nochmal eines meiner Lieblingsobjekte zur Beobachtung  und ich werde nicht enttäuscht. Ich muss nicht nach der mir wegweisenden Sternraute suchen um dann mit augenverbiegen und/oder Filterung den ovalen, für mich immer zweischalig aussehenden Nebel zu suchen, in dessen Oval drei Sterne der Raute liegen. Ich sehe sofort, mit 90fach das  durchscheinende Glimmen der zarten Nebelstrukrur. Die Halbschale zum außerhalb liegenden Stern der genannten Raute zieht einen etwas helleren Bogen und ich sehe eine Art mittlere  Trennlinie zwischen einem etwas helleren und einem etwas dunkleren Teil. Fast bin ich an ein Ohr mit Ohrläppchen erinnert und ich bin wieder Mal hin und weg.

Wie seriös fassbar ist dagegen doch unser altbekannter Ringnebel, M57 in der Leier. Ein schöner ovaler Ring, eher Eiform als ein perfektes Oval, hell ausgefühllt und mit leicht verwaschen, unscharf aussehenden schmalen Enden und helleren Längsseiten.

Ein kleiner PN an dem ich auch hier nicht vorbei komme ist NGC 7008, der Fetusnebel im Schwan, an der Grenze zum Kepheus, ganz einfach weil er guten Himmel, hauptsächlich Transparenz immer belohnt.  Die zarte, etwas unregelmäßig aussehende Nebelblase hängt an einem (Doppel)Sternchen aus dem erst in höherer Vergrößerung zwei Sternchen werden und lässt sich mit Filter leicht als helles Anhängsel der Sternchen mit einer markanten Aufhellung den Sternen gegenüberliegend und zwei weiteren, recht unscheinbaren Aufhellungen darin finden. Interessant, wenn auch nicht mehr so prägnent hell wird das ohne Filter und mit Vergrößerungen von 200fach aufwärts dann blinken drei, eventuell auch vier Sternchen in der Nebelblase auf und die Aufhellungen an den beiden schmalen Enden, vor allem die gegenüber den Sternchen sind gegenüber den filigranen, hier und da gemottelten weiteren Bereichen des Nebels deutlich sichtbar. 

 

 

(Fortsetzung, Überarbeitung und auch weitere Bilder folgen demnächst)